Traditionen neu denken: Das ist manchmal nötig
Perchten, die die Anonymität der Maske nutzen, um ihre Aggressionen loszuwerden. Die den Schlag mit der Rute nicht andeuten, sondern zu fest und zu oft hinhauen.
Zuschauer, die Perchten an den am Kopf befestigten Hörnern ziehen und schwere Verletzungen verursachen.
Dazu Alkohol in Strömen, Raufereien und Einsätze von Polizei und Rettung. Dabei geht es eigentlich um Unterhaltung, Nervenkitzel, gepflegtes Gruseln, eine beschauliche Vorweihnachtszeit.
Perchtenläufe sind Teil des Brauchtums in Österreich, ihre Wurzeln reichen bis ins 11. Jahrhundert nach Chr. zurück, sie sind seitdem – mit Unterbrechungen – Teil der heimischen Volkskultur.
„Die Rute gehört zum Krampus dazu“, sagt der Obmann der Mühlviertler Höllenteufeln, Rene Frühwirt, im Gespräch. Das mag stimmen.
Der Krampus hat aber auch die Macht und damit die Verantwortung, sorgsam mit dieser Rute umzugehen. Zum Glück kommt in den Perchtenvereinen immer mehr das Bewusstsein dafür auf, dass es Regeln und Respekt bei diesen Läufen braucht. Damit am Ende niemand zu Schaden kommt, sondern alle das kriegen, wofür sie da sind: lustig-schaurige Stunden abseits des Alltags.
Wir können uns weiterentwickeln
Allgemein gesprochen: Wenn Brauchtum in Gewalt, Hetze oder in eine andere grausliche Ecke abdriftet, ist es an der Zeit, Traditionen kritisch zu überdenken, zu adaptieren oder sogar zu verabschieden.
Ein friedliches, respektvolles Miteinander im Hier und Jetzt muss immer wichtiger sein als alles, was Menschen auseinanderbringt, demütigt, verletzt oder gegeneinander aufhetzt. Wir haben die Fähigkeit, uns weiterzuentwickeln und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Nutzen wir sie bitte!
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