OÖ: Entschädigung für Missbrauchsopfer

Fünf Opfer von Kremsmünster wurden mit einer "großen Summe" entschädigt. Die Justiz tritt allerdings auf der Stelle.

Psychoterror, sexueller Missbrauch und unfassbare Gewaltexzesse sollen bis in die späten 1990er-Jahre im Internat des Stiftes Kremsmünster (OÖ.) an der Tagesordnung gewesen sein. Genau zwei Jahre ist es nun her, dass diese Vorgänge aufgedeckt worden sind. Fünf Opfer wurden bisher finanziell entschädigt. Details zur Höhe der Zahlungen sind nicht bekannt. Abt Ambros Ebhart verrät nur so viel: "Es handelt sich um eine große Summe." Und sonst? Bei der strafrechtlichen Verfolgung der mutmaßlichen Täter tritt die Justiz auf der Stelle.

Drei Klosterbrüdern wurden sexuelle Übergriffe vorgeworfen, acht Angestellte des Internats sollen Zöglinge ständig mit körperlicher Gewalt gequält haben. Zehn der elf Verfahren sind mittlerweile eingestellt. Und im einzigen verbliebenen Fall – es geht um einen 78-jährigen Pater – gibt es noch immer keine Anklage.

Die Staatsanwaltschaft Steyr wartet nach wie vor auf ein Gutachten der Linzer Psychiaterin Heidi Kastner. "Wir haben das Ergebnis eigentlich schon mit Ende 2011 erwartet", erfuhr der KURIER aus der Staatsanwaltschaft.

Kastner sei mit zu viel Arbeit eingedeckt. Erst kürzlich wurde sie zur Sachverständigen im Fall der spanischen "Eis-Lady" Estibaliz C. bestellt, der vorgeworfen wird, einen Doppelmord in Wien begangen zu haben.

Pater schweigt

Jener 78-jährige Priester, der zu den Missbrauchsvorwürfen schweigt, ist jetzt aus dem Kloster ausgetreten – auf eigenen Wunsch (der KURIER berichtete). Er wolle dem Stift Kremsmünster keinen Schaden zufügen.

Das Gesuch müsse noch zur Glaubenskongregation nach Rom weitergeleitet werden. Erst dann sei es offiziell, dass der verdächtigte Pater die Glaubensgemeinschaft in Oberösterreich verlassen habe. Abt Ambros Ebhart reagierte am Sonntag erstmals "mit tiefstem Bedauern" auf die Vorwürfe. "Ich kenne den Strafakt, manches klingt so unglaublich."

Gespräche mit Opfern

Er habe mehrere Gespräche mit Opfern geführt und sei zu dem Schluss gekommen, dass "vieles wirklich so geschehen ist und das ist ganz furchtbar." Er könne sich bei den Betroffenen nur vielmals entschuldigen. Ob er oder seine Mitbrüder nie etwas von den Vorgängen mitbekommen hätten? Ebhart: "Es hat immer wieder Gerüchte gegeben, denen aber nicht nachgegangen worden ist. Das war ein großer Fehler."

Vor Kurzem wurde bekannt, dass das Stiftsinternat seinen Betrieb auslaufen lässt. Einen Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gibt es laut Direktor Wolfgang Leberbauer nicht. Vielmehr stünden wirtschaftliche Überlegungen dahinter.

Weiterführende Links

( Kurier ) Erstellt am 18.03.2012