Einkaufen im Internet boomt: In den Logistikzentren der großen Online-Händler herrscht vor allem zu Weihnachten absoluter Hochbetrieb.

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Chronik Oberösterreich

Online-Angriff auf den Handel

Die Hälfte der Oberösterreicher kauft bereits im Web – die Umsatzzuwächse sind enorm

von Daniel Scheiblberger

12/09/2013, 03:15 PM

Elisabeth aus Linz wollte sich eine Winterjacke kaufen. Sie ging dazu in ein Geschäft in der Linzer Innenstadt, probierte alles durch und fand schließlich das perfekte Stück. Der Haken: Die richtige Größe war nicht lagernd. Zu Hause stöberte sie im Internet und fand einen Online-Händler mit dem kompletten Sortiment dieser Linie. Elisabeth bestellte sofort und ging zwei Tage darauf bereits mit dem neuen Mantel zur Arbeit. Zwei Wochen hätte sie das Teil sogar gratis zurückschicken können, sagt Elisabeth. Dafür gäbe es ausschließlich Bares und keinen blöden Gutschein. Elisabeths Winterjackenkauf ist nur ein Beispiel von vielen, das die Erfolgsgeschichte des Online-Geschäfts wiedergibt und den stationären Handel damit vor riesige Herausforderungen stellt.


40 Prozent

WachstumRund 60 Prozent der Österreicher werden heuer laut Gfk Austria zumindest einen Teil der Weihnachtsgeschenke online kaufen. Insgesamt, prognostiziert das Marktforschungsinstitut Regioplan, wird sich der Online-Umsatz 2013 auf rund 5,5 Milliarden belaufen. Die durchschnittliche Wachstumsrate in den vergangenen Jahren betrug dabei knapp 40 Prozent – Tendenz steigend.
RegioPlan hat erhoben, dass heuer im gesamten Jahr bereits neun Prozent des Handelsumsatzes online abgewickelt werden. Noch vor einem Jahr waren es sieben Prozent, 2006 nur schlappe drei Prozent. „Mittelfristig“, also in fünf bis zehn Jahren, dürften es dann 20 Prozent sein, erwartet Alexandra Popescu von RegioPlan.
Viele Branchenkenner sprechen daher bereits von einem regelrechten Angriff auf den stationären Einzelhandel. Dieser muss dagegen seit Jahren, wenn man Preissteigerungen herausrechnet, ein kleines Umsatzminus hinnehmen. „Wir empfehlen dem Einzelhandel daher eine Doppelstrategie wie beispielsweise DiTech zu fahren“, erläutert Manfred Zöchbauer von der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer OÖ (WKOÖ). Das heißt, zusätzlich zum Geschäft einen Verkauf über das Internet zu betreiben. „Das funktioniert aber nur ab einer gewissen Größe, da man für die Betreuung eines passablen Webshops auch zusätzlich Mitarbeiter benötigt“, schränkt Zöchbauer ein. Laut WK besitzen nur die Hälfte der heimischen Einzelhandelsunternehmen eine Website, knapp 15 Prozent führen zusätzlich einen Webshop.


Chance für Händler

„Ich glaube, dass der stationäre Handel seine Hausaufgaben noch nicht gemacht hat“, sagt Martin Sonntag, Berufsgruppensprecher des Onlinehandels. Auch er sieht die Strategie, gleich mehrere Vertriebskanäle zu bespielen, als eine Chance, sogar für kleinere Händler. Es gäbe einige kleinere Geschäfte, die als Ergänzung einen Online-Shop führen, die ganze Logistik dahinter aber über eine Einkaufsgenossenschaft mit vielen anderen Partnerbetrieben laufen lassen. Sonntag findet aber, dass man den Online-Handel nicht überbewerten sollte. Gerade service- und reparaturintensive Bereiche würden eine Stärke des stationären Handels bleiben.


In Oberösterreich kauft knapp die Hälfte zumindest ein Mal jährlich im Internet ein. Das zeigt eine Studie der KMU Forschung Austria. Am liebsten shoppen die Oberösterreicher dabei Kleidung und Sportartikel. Bereits 26 Prozent buchen ihre Reisen online. Dahinter liegen Bücher, Zeitschriften sowie Tickets für Veranstaltungen. Das Onlinegeschäft wird in Österreich dabei von internationalen Konzernen beherrscht. Der größte Onlineshop hierzulande ist mit Abstand Amazon. Laut dem EHI Retail Institut erzielte Amazon Österreich 2012 einen Umsatz von 317,7 Mio. Euro. Damit saugt der Platzhirsch jeden sechsten Euro im Onlinegeschäft ab. Kürzlich landete der US-Riese auch noch werbewirksam in den Schlagzeilen, weil Amazon-Chef Jeff Bezos für die nächsten Jahre unbemannte Drohnen für das Zustellservice angekündigte. Auf Platz zwei und drei rangieren in Österreich die ursprünglichen Versandhändler Universal (92,8 Mio. Euro Online-Jahresumsatz) und Otto Versand (63,1 Mio. Euro). Beide Unternehmen sind übrigens Teil der Unito-Gruppe, die im Eigentum der deutschen Otto-Group steht.
Kräftige Zuwächse erzielt derzeit auch der deutsche Online-Modehändler Zalando. 2012 streifte er hierzulande einen Umsatz von 42,3 Mio. Euro ein und befindet sich im Ranking bereits auf Platz sechs. Zu kämpfen hat Zalando derzeit aber mit Rücksendequoten von bis zu 50 Prozent.

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