Oliver Glasner beim Spiel gegen Hoffenheim

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Fußball
10/19/2019

Oliver Glasner im Höhenflug

Das Trainer-Quartett aus Oberösterreich pusht den VfL Wolfsburg zum Spitzenklub. Von Gerhard Marschall.

Jetzt waren einmal ein paar Tage daheim in Riedau im Bezirk Schärding angesagt. Oliver Glasner, seit Juli Cheftrainer des deutschen Bundesligaklubs VfL Wolfsburg, hatte der Mannschaft und sich selbst frei gegeben. Ausspannen, die Strapazen der ersten Saisonphase abschütteln, den Kopf durchlüften, Akkus aufladen.

Teamplayer

„Familie und Freunde sind für mich das beste Mittel zur Erholung“, sagt Glasner. Und etwas Erholung tat gut, denn der neue Job zehrt. Glasner spielt in einer anderen, höheren Liga, besser gesagt: Er lässt spielen. Und das bis jetzt sehr erfolgreich. Er sei „ein absoluter Teamplayer“, sagt der 45-jährige Innviertler. Er ist auch nicht alleine in den Norden Deutschlands aufgebrochen, sondern hat gleich drei Zuarbeiter mitgenommen: Michael Angerschmid (45), der schon in den vergangenen vier Jahren beim LASK an seiner Seite war, und der ehemalige Coach von Blau-Weiß Linz Thomas Sageder (35) fungieren als Assistenztrainer; Athletiktrainer Michael Berkthold (38) hat er ebenfalls vom LASK losgeeist.

Perfekter Start

Das Quartett hat einen perfekten Start hingelegt. Unter Glasners Regie hat die in zuletzt eher wankelmütige Mannschaft an Stabilität gewonnen. Die Wolfsburger mischen an der Tabellenspitze mit, wo sie kaum jemand erwartet hatte. Glasner setzt auf seine beim LASK bewährte Spielphilosophie, die auf einer Binsenweisheit des Fußballs basiert: Kein Gegentor zu kassieren schützt vor Niederlagen. Länger als alle anderen Klubs hat der VfL kein Spiel verloren.

Aktiver Spielstil

Zweitens setzt Glasner auf einen „sehr aktiven Spielstil“. Will heißen: „Den Ball möglichst schnell erobern und möglichst schnell zum gegnerischen Tor bringen.“ Philosophie hin, Taktik her – eines ist für Glasner klar: „Am Ende ist Erfolg das Wichtigste.“

Masterplan funktioniert

Noch funktioniert in Wolfsburg alles nach seinem Masterplan. So ist sein Team auch beim Toreschießen bis dato eher sparsam. „Wir kommen in jedem Spiel zu Chancen und haben auch in jedem Spiel getroffen“, sucht der Trainer das Positive. Und im Zweifelsfall bevorzugt er Minimalismus: „Lieber einmal 1:0.“ Ein 5:4 biete zwar mehr Spektakel, bedeute jedoch für den Trainer erhöhte Herzinfarktgefahr. Der bisherige Saisonverlauf war gut, allerdings ging es überwiegend gegen vermeintlich leichtere Gegner. „Die Liga ist sehr ausgeglichen, es gibt keine Pflichtsiege“, hält dem Glasner entgegen.

Schwere Gegner

Nichtsdestotrotz kommen die großen Brocken erst. Gleich zweimal geht es jetzt gegen Red Bull Leipzig, gestern auswärts in der Meisterschaft und Ende Oktober zu Hause im DFB-Pokal. Zwischendurch kommt Augsburg, dann geht es nach Dortmund. Und dann ist da auch noch die Europa-League. Mit vier Punkten aus zwei Spielen führt der VfL in Gruppe I die Tabelle an. Am kommenden Mittwoch steht das Auswärtsspiel beim KAA Gent an.

Mehrfachbelastung

Die Dreifachbelastung fordert ihren Tribut, mehrere Spieler laborieren momentan an kleineren oder größeren Blessuren. Zuletzt ist der Schweizer Admir Mehmedi vom EM-Qualifikationsspiel gegen Irland verletzt zurückgekehrt. Glasner weiß: Nichts zählt im schnelllebigen Fußballgeschäft weniger als der Erfolg von gestern. Darum ist der Blick nicht zurück, sondern nach vorne gerichtet. Gleich fünf so genannte „englische Wochen“ mit jeweils drei Spielen in sieben Tagen stehen bevor. Und die Jagd auf die überraschend bissigen „Wölfe“ ist eröffnet. Für eine längere Erholungspause daheim im Innviertel bleibt da vorerst keine Zeit.