Neuer Mühlstein um Hals des alten Kardinals

Sepp Rothwangl schleppte den neuen Mühlstein samt Groër-Antlitz zur Hohenzeller Kirche. © Bild: honorarfrei/Purkarthofer

Fall Groër. Diözese Linz reagiert auf Kritik.

Der erste, kleine Mühlstein, ist vor wenigen Wochen verschwunden. Den zweiten Mühlstein zu verschleppen, wird schwieriger werden. Er wiegt 150 Kilogramm und wurde am Donnerstag von der "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" an die Kirchenmauer von Hohenzell im Innviertel gelehnt.

Das Besondere an dem Stein: Aus ihm ragt ein Bildnis des verstorbenen Kardinals Hans Hermann Groër. Damit geht der Kampf der Aktivisten der Plattform gegen die katholische Kirche weiter. Groër war Mitte der 1990er-Jahre von mehreren ehemaligen Schülern des Knabenseminars Hollabrunn des sexuellen Missbrauchs bezichtigt worden. Er trat kurz darauf als Leiter der Bischofskonferenz zurück. Gerichtlich geklärt wurden die Vorwürfe nie. Die katholische Kirche hat sich stets eher halbherzig zu er Causa geäußert.

Über dem Mühlstein befindet sich ein Relief an der Kirchenmauer, das Groër gewidmet ist. Es ist dort 1989 angebracht worden. An diesem Ort soll der damalige Kardinal für ungeborenes Leben gebetet haben, wie an einer Zusatztafel angemerkt wird. Am Denkmal steht auch zu lesen: "Wer aber eines von diesen Kleinen..." Sepp Rothwangl von der Plattform vervollständigt das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: "...die an mich glauben, zum Bösen verführt, dem wäre nütze, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versinken würde." Diesen Mühlstein "haben wir dem pädokriminellen Kardinal umgehängt", sagt Rothwangl.

Tafel wird entfernt

Von der Diözese Linz gibt es eine schriftliche Stellungnahme. Sie empfiehlt, die Zusatztafel, die am offiziellen Denkmal auf Kardinal Groër hinweist, "in Hinblick auf das Leid der Betroffenen" zu entfernen. Dies soll Bischof Ludwig Schwarz mittlerweile mit dem örtlichen Pfarrer Josef Bauer vereinbart haben. Damit würde aus dem Erinnerungsdenkmal für den verstorbenen Kardinal wieder eines für ungeborenes Leben.

Rothwangl wirft der Kirche dennoch vor, zu spät zu reagieren. "Wir werden uns diesen Verbrechen und ihrer Leugnung und ihrer Vertuschung nicht beugen." Das weist Bischof Schwarz zurück. Er habe die Verantwortung der Kirche in Bezug auf sexualisierte Gewalt von Anfang an deutlich gemacht.

Erstellt am 19.12.2014