Naturnahe Gärten fördern das Leben von Kleintieren

Führung durch den Naturgarten © Bild: Land OÖ/Manuel Schilcher

Gestaltung. Ein möglichst naturnaher Garten besteht aus heimischen Wildpflanzen und wird durch Wasser, Stein und Holz belebt.

Wie kann man seinen eigenen Garten möglichst naturnahe und attraktiv gestalten? „Das Um und Auf ist die richtige Auswahl der Pflanzen“, sagt Gärtnermeister und Landesinnungsmeister-Stellvertreter Wolfgang Meier im Gespräch mit dem KURIER. Das sind zum Beispiel die Kornelkirsche (Dirndlkirsche), Weiden, Wildrosen oder Wildgehölze wie Weißdorn, Schlehdorn und Sanddorn. Sie alle sind in Oberösterreich heimisch. Weiters empfiehlt der Eferdinger eine fachmännische Beratung.

Robust und beständig

Landschaftsplaner Markus Kumpfmüller aus Steyr meint: „Man sollte überwiegend heimische Wildpflanzen verwenden, die die Umgebung und die Witterungsbedingungen gewöhnt sind.“ Sei seien widerstandsfähiger und weniger anfällig für Schädlinge.

Vielfach werden laut Kumpfmüller züchterisch veränderte oder zu exotische Pflanzen angeboten, die nicht gut für heimische Bienen, Schmetterlinge und andere Tiere sind.

Eine Ausnahme bilde hier die vielseitige Honigbiene. Sie sei nicht wählerisch. „Aber es geht um rund 300 Arten von Wildbienen und Hummeln, die nichts mit exotischen und Zuchtpflanzen anfangen können.“ Das Rewisa-Netzwerk, eine österreichweite Vereinigung naturnah und regional arbeitender Unternehmen, habe ein Prüfverfahren entwickelt, das die regionale Herkunft von Pflanzen- und Holzarten sicher stellt.

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©Land OÖ/Markus Kumpfmüller

Schwimmteich mit Rohrkolben und Weißer Seerose

Schwimmteich mit Rohrkolben und Weißer Seerose

©Land OÖ/Markus Kumpfmüller

Trockenmauer mit offenen Fugen

Trockenmauer mit offenen Fugen

©Land OÖ/Edith Kals

Polygonalplatten mit Kräuterfugen

Polygonalplatten mit Kräuterfugen

Wasser belebt

Meier meint, Gärten wirken oft steril. Man könne sie etwas verwildern lassen. Vogeltränken, Wasserspiele für Tiere und Teiche würden sie beleben. „Wasser, Stein und Holz sind Elemente, die in jeden Garten gehören.“

Wichtig ist laut Kumpfmüller auch, möglichst wenig Flächen zu versiegeln. Denn bei asphaltierten oder betonierten Flächen würde kein Wasser durch dringen. Nicht versiegelt seien zum Beispiel Schotter-, Pflaster- oder Plattenwege, wenn sie mit Sand verfugt sind. „Dort können viele schutzbedürftige Kleintiere überleben.“

Keine Pestizide

Er rät davon ab, Pflanzengifte im eignen Garten zu verwenden. Oft seien sie zwar als bienenfreundlich gekennzeichnet. Darauf könne man sich aber nicht immer verlassen. Besser sei es, generell alle synthetischen Pestizide zu vermeiden. „Ideal wäre es ohnehin, den Garten so zu gestalten und zu pflegen, dass ich gar nicht in die Situation komme, überlegen zu müssen, was zu tun wäre.“

Wenn ein Düngemittel notwendig wird, zum Beispiel im Gemüsegarten, sollte man laut Kumpfmüller Dünger durch eigenen Kompost in den Garten bringen. „Dort leben viele Kleintiere wie Tausendfüßler, Blindschleichen oder Kröten.“ Die Pflanzen bleiben laut dem Landschaftsplaner durch die Kompostwirtschaft gesund und robust.

„Im Übrigen hat die Natur einen anderen Ordnungsbegriff als wir Menschen.“ Zum Beispiel sollte man laut Kumpfmüller über den Winter teils die Pflanzen stehen lassen, damit die Tiere für Larven Platz haben. „Es ist auch sinnvoll, Hecken möglichst frei wachsen und blühen zu lassen.“

Meier meint, man soll das Laub im Herbst nicht komplett wegräumen, sondern nur am Rasen.“ Man könne es unter Sträucher legen. Dort diene es als Frostschutz und als Schutz für Tiere.

Kumpfmüller ergänzt: „Es wird alles von selbst wieder abgebaut. Die Herausforderung besteht darin, die Kreisläufe der Natur zu erkennen und gezielt einzusetzen.“ Letztendlich müsse jeder für sich selbst beantworten, wo man wirklich einen Rasen braucht, wie oft man ihn mähen muss und wo es Bereiche gibt, wo man eine Blumenwiese stehen lassen könne. Wenn statt Rasenflächen zukünftig eine Blumenwiese wachsen soll, hebt man laut Kumpfmüller zuerst den Rasen ab, kompostiert ihn und säht eine Samenmischung heimischer Pflanzen.

( kurier.at , michaela.greil ) Erstellt am 15.04.2018