Nach Zeppelin-Flug droht Anklage

Ein Linzer Künstler muss weiter bangen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch wegen fahrlässiger Gemeingefährdung.

Es kommt nicht oft vor, dass ein zeitgenössisches Kunstwerk international für Aufsehen sorgt. Wovon kreativ Schaffende meist nicht zu träumen wagen, gelang dem Linzer Kunststudenten Maximilian Hübner dank eines Missgeschicks. Seine Diplomarbeit im Fach "raum&designstrategien" - ein 40 Meter langer und zehn Meter breiter Zeppelin - dominierte tagelang die Schlagzeilen der Weltpresse. Von China bis in die USA berichteten Medien über das Linzer Himmelsschiff.

Und das kam so: Das nur mit Luft befüllte Fluggerät hatte sich am 7. Mai bei der Präsentation in Linz losgerissen und trieb in mehr als 13.000 Meter Höhe quer über Österreich via Balkan in Richtung Griechenland davon, wo sich seine Spur verlor. Auf heimischem Staatsgebiet hatte der Blindflug einen Einsatz der Eurofighter zur Folge. Aus Sicherheitsgründen wurde auf einen Abschuss des Zeppelins verzichtet.

Ermittlungen

Ein Materialbruch brachte den Zeppelin außer Kontrolle, das Luftschiff verschwand im Nirgendwo.
© Bild: Maximilian Huebner

Maximilian Hübner wurde wegen fahrlässiger Gemeingefährdung angezeigt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Linz sind noch im Gang. "Das Verfahren ist anhängig, bis zum 20. August sollte aber ein Abschlussbericht vorliegen", bestätigt Behördensprecher Dietmar Gutmayer.

Für den Künstler ist das schwer nachvollziehbar: "Ich wollte niemanden gefährden. Was passiert ist, war unvorhersehbar und ein Pech. Dass ich jetzt bestraft werde, nur weil ich forsche, erscheint mir nicht ganz angemessen." Ein Jahr Arbeit und den Großteil der Ersparnisse steckte er in das Projekt. "Ich wollte zeigen, dass eine mit Luft gefüllte Kunststoffhaut dank Sonneneinstrahlung hochsteigt und mich auf meiner Liege zum Schweben bringt."

Hübners Berechnungen waren zwar fehlerfrei, doch ein Materialbruch brachte den Versuch außer Kontrolle. Eine Halteleine am Auftriebskörper riss und er selbst fiel von der Liege. "Das fehlende Gewicht hat den Auftrieb plötzlich massiv verstärkt."

Dass niemand weiß, wo der Luftballon ist, drückt Hübner aufs Gemüt. "Um das Projekt abschließen zu können, sollte ich das wissen. Außerdem hätte ich gerne meine Liege zurück."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011