Auch Künstler Nychos mit seinem Schlangen-Graffiti zählt zu den großen Fünf.

© Mural Harbour/C.BOEHM

Chronik Oberösterreich
03/17/2021

Mural Harbor: Zu Fuß zu den "Big Five“

Die Graffiti-Galerie im Linzer Hafengelände setzt auf Spaziergänge. Künstler Skirl fertigte das erste Wandgemälde des Jahres an.

von Petra Stacher

Sprosse für Sprosse klettert Skirl die Leiter hoch. In einer Hand hält er etwas, das aussieht wie eine Malerrolle. Oben angekommen, legt er das Ding an die weiße Wand an und zieht es darüber. Linien entstehen.

Skirl – es handelt sich freilich um einen Künstlernamen – ist ein Wiener Künstler und macht Street-Art. Mit 15 Jahren hat er angefangen, Graffitis zu sprühen. Damals nicht immer legal, wie er zugibt. Nun hat er sich auf Kunstwerke aus Linien spezialisiert, wofür er extra ein Werkzeug entwickelt hat: „Eigentlich sind es zwei Malerrollen in einem. Den Schaumstoff schnitze ich mir mit einem Stanleymesser zurecht. Ich bin faul. So kann ich zehn Linien auf einmal malen“, erklärt er, als er die Rolle erneut in Farbe tunkt.

Am Dienstag schmückte er damit in Linz eine Außenwand des M.A.Z., des Museums auf Zeit, dem Indoor-Museum des Mural Harbors – Europas größte Graffiti Galerie im Linzer Hafengelände.

"Kartoffelartig"

Für Skirl ist es nicht die erste Wand, die er dort gestaltet. „Er gehört zu unseren ältesten Gästen“, sagt Leiter Leonhard Gruber. „Er ist ein Künstler der neuen Generation. Von 2000 bis 2010 war es verbreitet, sehr präzise zu malen. Skirl macht das intuitiv.“ Und das merkt man auch: Immer wieder setzt er an verschiedenen Stellen an. „Meist fange ich mit einer kartoffelartigen Form an und vergrößere die“, erklärt Skirl, der nur mit blau, schwarz und weiß arbeitet. „Das gefällt mir besser.“

Wie lange das Bild jedoch am M.A.Z. zu sehen sein wird ist ungewiss, denn eigentlich hätte das Gebäude schon im Dezember abgerissen werden sollen. „Wegen Corona hat es sich verschoben. Street-Art ist aber ohnehin temporäre Kunst“, sagt Gruber.

Galerie
Das Mural Harbor ist die größte Graffiti-Galerie Europas. Die Außenfläche erstreckt sich über 135 Hektar. Künstler aus aller Welt gestalten dort riesige Wände

Museum auf Zeit
2020 richtete das Mural Harbor den Fokus auf das M.A.Z. Museum auf Zeit. Da der Mietvertrag ausläuft, wird es dafür keine regelmäßigen Öffnungszeiten mehr geben. Dafür werden die Touren im Freien erweitert

Details
So gibt es eine neue Route zu Fuß zu den größten Graffitis der Galerie. Alle Infos unter www.muralharbor.at

Bis Ende Juni können sie das Gebäude Industriezeile Nr. 40 noch nutzen, dann wird das Büro in die Industriezeile 35 umgesiedelt. Etwa 700 Quadratmeter, um einiges weniger als jetzt, stehen dort zur Verfügung. „Es ist noch immer reichlich groß“, sagt Gruber. Ein Indoor-Museum sei vorerst nicht geplant. „Dieses Jahr wollen wir uns auf den Außenbereich konzentrieren.“ Ist dieser doch das Herzstück der Galerie. Zudem sei es mit Corona einfacher.

Vor allem die sogenannten Walks, Touren zu Fuß durch die Galerie, wollen sie deshalb heuer an Mann, Frau und Kind bringen. Denn im Gegensatz zu den angebotenen Bootstouren durch den Mural Harbor, sei es zu Fuß einfacher, Abstand zu halten. Aufgrund dessen wurde eine neue Route kreiert. „Man kann nun erstmals die ,Big Five’ auch zu Fuß erkunden“, sagt Gruber. Die ,Big Five’ sind jene Kunstwerke, die Wände über 500 Quadratmeter schmücken.

Anonymität

Dass dieses Jahr neuerlich Kunstwerke dieser Größe entstehen, sei eher unwahrscheinlich, sagt Gruber. Es würden aber dafür einige neue Graffitis auf Flächen bis zu je 100 Quadratmetern dazukommen. „Zum Schutz der Künstler geben wir erst dann bekannt, wo was entstanden ist, sobald es schon fertig ist“, sagt Gruber – würden doch viele Graffiti-Künstler ihre Anonymität wahren wollen.

Freuen würde sich aber wohl jeder über einen Platz im Mural Harbor, sei vergangenes Jahr das Sprühen laut Gruber doch etwas zu kurz gekommen. „Es hat zwar Corona-Graffiti hier und da gegeben – einige wütend, die meisten aber Maßnahmen unterstützend. Prinzipiell ist aber viel weniger gesprüht worden“, sagt Gruber.

Dafür hätte die Bevölkerung verstärkt „die Dose als Medium zur freien Meinungsäußerung“ genutzt. Zum Beispiel: die Schmierereien an den Baumtrögen am Linzer Hauptplatz. Diese sehen dann aber auch ganz anders aus als die Bilder im Mural Harbor – und jenes von Skirl. Sein neuestes Kunstwerk heißt übrigens „Pareidolie“, wie er sich spontan überlegt hat.

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