Chronik | Oberösterreich
26.01.2013

Most, Seven Up und Grün-Gelbes

Landwirt Franz Bräuer ist leidenschaftlicher Musiker. Seit 22 Jahren hat er eine Band.

Es ist Mittwoch, kurz vor neun. Dichter Nebel hängt an diesem Morgen über Sierning. Die schmale, schneebedeckte Zufahrtsstraße zum Bauernhaus ist nur schwer zu finden. Noch gut 500 Meter Fahrt, dann ist das Ziel erreicht. Dank Navi. Plötzlich steht er da. Groß und mächtig. Der 175 Jahre alte Erbhof. Trotz der schlechten Sicht ist auf den ersten Blick klar: Hier handelt es sich um ein echtes Schmuckstück. „Ich versuche, vieles selbst zu renovieren und reparieren“, erzählt Landwirt Franz Bräuer. So hat er – gemeinsam mit seiner Frau Martina – vor 13 Jahren einen ehemaligen Kuh- und Schweinestall in eine urige Mostschank umgebaut. Allein das Freilegen des alten Deckengewölbes kostete viel Zeit und Kraft.

Die Einrichtung: stilvoll. Alles aus Holz. Holz aus dem eigenen zehn Hektar großen Wald, in dem viele Fichten und wenige Eichen stehen. Geöffnet ist die Schank nur gegen telefonische Voranmeldung. „Wir machen keine Werbung. Es spricht sich auch so herum, dass bei uns die Qualität passt“, betont Martina Bräuer. Es gibt nur hausgemachte Produkte. Eine kalte Jause. Speck, Eier, Brot, Mehlspeisen, Most und Schnaps.

Wertvolle Fracht

Während die 39-Jährige Bestellungen der Gäste entgegennimmt, bestellt Franz die Landwirtschaft. Auf 80 Hektar baut er Weizen, Gerste, Rüben, Mais und Soja an. „Die Direktvermarktung ist mir ganz wichtig“, sagt der 44-Jährige, der den Hof im Jahr 1998 von seinen Eltern Franz senior und Ernestine übernommen hat.

Mit seinem grün-gelben John Deere-Traktor liefert er die wertvolle Fracht, die – passend zur Zugmaschine – auf grün-gelb lackierten Anhängern transportiert werden, selbst aus. Bis vor zwei Jahren hat Bräuer auch noch zahlreiche Mastschweine gehabt. Mit diesem Geschäft hörte er allerdings auf. „Es hat sich wirtschaftlich nicht ausgezahlt“, sagt der Landwirt, der ein großes Hobby hat: die Musik.

Vor mittlerweile 22 Jahren hat er gemeinsam mit Freunden die Tanzband „Seven Up“ gegründet. Er selbst spielt Keyboard, Saxofon und Trompete. Außerdem singt er. Das Repertoire umfasst alles – von alten Hadern bis zu den neuesten Songs aus der Hitparade. Auftritte gibt’s bei Hochzeiten, Festen und Bällen. „Wir haben auch schon bei Silvestergalas in Tirol vor reichen Russen gespielt“, erzählt Bräuer.

Jagdhornbläser

Vergangenes Jahr hat der Bauer eine Jagdhornbläsergruppe gegründet. „Das macht auch viel Spaß.“ Weiters ist der 44-Jährige Mitglied bei der Musikkapelle Hilbern. „Wenn ich ein Instrument in den Händen halte, kann ich mich richtig gut vom Alltagsstress erholen.“ Genauso wie beim Jagen mit seiner einjährigen Magyar-Vizsla-Hündin Evita. Bei jungen Leuten ist der Bauernhof vor allem aus einem Grund bekannt: Ein Mal im Jahr steigt auf dem Grund der Bräuers der „Tanz in der Halle“. Zu diesem Fest, das weit über die Bezirksgrenzen von Steyr-Land hinweg bekannt ist, kommen stets mehr als tausend Gäste. Bräuer: „Da geht die Post ab. Auf mehreren Dancefloors.“

Lehre als Gärtnerin

Ob eines seiner drei Kinder später einmal den landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen wird, kann der Hobby-Musiker noch nicht sagen. Die 18-jährige Elisa macht gerade eine Lehre als Gärtnerin, Andrea – sie ist 16 – besucht die Tourismusschule in Bad Leonfelden und der achtjährige Nachzügler Manuel geht in Sierning in die Volksschule.

Es ist Mittwoch, kurz nach halb elf. Die Sonne hat den Nebel vertrieben. Und auch der große, mächtige Hof verschwindet schön langsam im Auto-Rückspiegel ...

www.seven-up.at