Missbrauchsver­dacht: Nachbarn zweifeln

In diesem Haus soll es jahrzehntelang zu Übergriffen gekommen sein.
Foto: RTS/HERWIG PRAMMER

In der Heimatgemeinde des Verdächtigen herrschen Zweifel an der Inzest-Version der Töchter. Doch die Behörden glauben den mutmaßlichen Opfern.

Nach Bekanntwerden der Inzestvorwürfe gegen den 80-jährigen Gottfried W. herrschen in dessen Heimatgemeinde im Bezirk Braunau weiter große Bestürzung - und Zweifel. Viele seiner Freunde und Bekannten können oder wollen nicht wahrhaben, dass sie möglicherweise vier Jahrzehnte lang von W. getäuscht worden sein sollen.
"Das kann ich mir vom Friedl überhaupt nicht vorstellen", sagt ein Nachbar und schüttelt den Kopf. "Wir hätten es doch schon vor langer Zeit merken müssen, wenn er solche Anwandlungen gehabt hätte."

Auch eine ältere Frau am Stammtisch jener Tankstelle, in der W. regelmäßig auf mehrere Gläser Bier vorbeigekommen ist, will nichts bemerkt haben. "Mir wäre nie auch nur der geringste Verdacht gekommen, dass er gefährlich sein könnte."

G. habe sich ihr gegenüber in all den Jahren nicht ein einziges Mal als sexuell aggressiver Mensch präsentiert.

Auch ein Neffe des Verdächtigen, der mit dem Fahrrad zum Haus gefahren kommt, in dem die Übergriffe stattgefunden haben sollen, weigert sich, die Anschuldigungen seiner beiden Cousinen ernst zu nehmen: "Das ist unfassbar, die Zwei haben einen Huscher."

Glaubhaft

Polizei und Staatsanwaltschaft halten aber die Schilderungen der 53 und 45 Jahre alten Frauen für glaubhaft. Massive Einschüchterungen körperlicher und verbaler Art sollen sie seit ihrer Kindheit abgehalten haben, sich Personen außerhalb der Kernfamilie anzuvertrauen. "Erst als der Vater nach dem Sturz am 7. Mai für längere Zeit nicht im Haus war, haben sie sich einer Behindertenbetreuerin gegenüber erstmals ein wenig geöffnet", erklärt Martin Pumberger, Leiter des Bezirkspolizeikommandos Braunau.

Der Hellhörigkeit und Einfühlsamkeit dieser Frau sei zu verdanken, dass die schrecklichen Vorfälle den Behörden gemeldet wurden. "Die Schwestern haben angedeutet, dass sie nicht wollen, dass der Vater wieder aus dem Pflegeheim zurückkommt, weil sie ihn fürchten." Nach Absprache mit dem LKA wurden am 27. Juli die Ermittlungen gegen Gottfried W. gestartet. Am 25. August lag der Staatsanwaltschaft Ried der Abschlussbericht vor - über W. wurde die U-Haft verhängt.
Der Verdächtige streitet bisher alle Vorwürfe ab.

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(kurier) Erstellt am
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