Der Prozess im Landesgericht begann am 26. Mai und war für fünf Verhandlungstage anberaumt.

© APA/VERENA LEISS

Prozess
06/10/2020

Missbrauch von 109 Buben: Urteil verzögert sich

Angeklagter Urologe bekannte sich in 90 Prozent der Fälle schuldig. Das Urteil wird für Mittwoch erwartet.

von Petra Stacher

Erneut saß am Mittwoch jener Arzt auf der Anklagebank am Landesgericht Wels, der laut Staatsanwaltschaft 109 Buben sexuell missbraucht haben soll (der KURIER berichtete).

Eigentlich sollte es für den Angeklagten auch der letzte Tag im Verhandlungssaal sein, doch das Urteil des Schöffensenats verzögert sich. Neben einer Strafe droht dem Mediziner auch die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Bereits im Jänner 2019 kam der Fall ins Rollen: Eine Mutter eines 15-Jährigen wandte sich an die Öffentlichkeit. Kurze Zeit später, am 29. Jänner 2019, wurde der Urologe aus dem Salzkammergut schließlich verhaftet. Im Laufe der Ermittlungen kamen immer mehr mutmaßliche Fälle des Missbrauchs ans Tageslicht, 109 führt die Anklageschrift auf.

"Jugendlicher Slang"

Am 26. Mai musste sich der Angeklagte nun erstmals vor Gericht dafür verantworten. Neben dem teils schweren Missbrauch der Jungen – von welchen 40 noch unter 14 Jahre alt waren – wird ihm von der Staatsanwaltschaft auch vorgeworfen, er habe Personen zum Dreh von Kinderpornos angestiftet und Jugendliche mit Cannabis versorgt.

Durch sein freundliches und lockeres Auftreten und seinen „jugendlichen Slang“ habe er sich einen guten Draht zu den Burschen aufgebaut. Umso schlimmer sei laut Opfervertreter und Staatsanwaltschaft der Vertrauensbruch, den der Arzt begangen haben soll.

Während die Staatsanwaltschaft „einen Tatplan, der darauf ausgerichtet war, seine berufliche Tätigkeit für den regelmäßigen Missbrauch zu nutzen“, erkennt, sprach der Verteidiger am ersten Verhandlungstag davon, dass sich sein Mandant als „eine Art Aufklärungscoach“ gesehen habe. Dennoch bekenne sich der Arzt in 90 Prozent der Fälle schuldig.

Bekennt sich schuldig

Auf die Schuldfrage der Richterin antwortete der Angeklagte bereits zu Prozessbeginn: „Ich bekenne mich zu einem Großteil der mir zur Last gelegten Straftaten schuldig, bedauere es sehr. Ich habe im Rahmen der sexuellen Aufklärung Übergriffe auf jugendliche Burschen begangen.“

Den Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs weise er aber zurück, dieser sei laut Verteidigung falsch: Jene fünf Eingriffe – bei welchen drei Buben laut Staatsanwaltschaft Folgeschäden davontrugen – seien laut Verteidigung medizinisch indiziert gewesen, auch wenn ein Gutachten zu einem anderen Schluss kam. Zudem seien die Vorwürfe bezüglich Porno-Drehs und Drogen nicht wahr.

Urteil am 17. Juni

Für fünf Tage war der Prozess anberaumt, zum Schutz der Opfer fast gänzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Geplant wäre das Urteil des Schöffensenats eigentlich für den 10. Juni gewesen – Auf Anfrage beim Landesgericht Wels hieß es am Mittwoch jedoch, die Urteilsfindung werde sich verzögern.

„Heute, Mittwoch, werden noch das urologische und psychiatrische Gutachten fertig erläutert. Dann ist noch ein Tag für Schlussplädoyers und ein Tag für die Urteilsverkündung eingeplant“, hieß es vonseiten des Landesgerichts.

Voraussichtlich werde der Angeklagte dann erst am 17. Juni seinen letzten Tag vor der Richterin haben.

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