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Chronik Oberösterreich
09/13/2021

Michael Eibl: „Die Jugend ist nicht politikverdrossen“

Österreichs jüngster Bürgermeister tritt in Windischgarsten an. Wie man Studium, Amt und American Football unter einen Hut bekommt.

von Petra Stacher

In der Freizeit steht er als Defensive Tackle (meist der größte und kräftigste Spieler der Verteidigung) der Styrian Bears am Football-Feld. Geht er aber seinem Beruf nach, sitzt er hinter einem protzigen Schreibtisch, der sichtlich ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Ganz im Gegenteil zu dem, der ihn benützt: Michael Eibl, der jüngste Bürgermeister Österreichs.

In dem dunkel gehaltenen Büro stechen seine hellen Haare und das helle Hemd leuchtend hervor. Dass Eibl erst 24 Jahre alt ist, kennt man ihm jedoch kaum an: Selbstsicher steht er auf, streckt einem die Hand entgegen, grüßt mit tiefer Stimme, und bittet, sich zu setzen – als ob er das Amt schon seit Jahren ausführen würde.

Prüfstand Wahlkabine

Dem ist aber nicht so: Denn erst seit vergangenem Jahr hat Eibl die Bürgermeisterrolle in Windischgarsten in Oberösterreich übernommen. Am 26. September stellt er sich im Zuge der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen erstmals dem Volk.

Nervös ist er deswegen aber nicht. „Ich bin von sehr vielen Leuten sehr gut angenommen worden“, erzählt er, als er sich schließlich auch auf einen der dunkelroten Stühle setzt.

Ausreißer

Politisch hat er für seine jungen Jahre auch schon einiges vorzuweisen und das, obwohl ihm das Interesse daran nicht in die Wiege gelegt wurde. „Ich bin ein kompletter Ausreißer“, sagt er.

Mit 15 kam er durch einen Freund zur Jungen ÖVP (JVP), war dann unter anderem lange Zeit in der Berufsschülervertretung tätig und leitete einen Studentenverein mit etwa 200 Mitgliedern in Graz – seiner zweiten Heimat.

Eibl studiert dort neben seinem oö. Bürgermeisteramt nämlich noch Physik an der Technischen Universität. In der kommenden Legislaturperiode wolle er sein Studium abschließen. Den Großteil der Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht habe er schon abgeschlossen.

Denn er braucht die Zeit für etwas anderes: „Windischgarstner Bürgermeister kann man nicht nebenbei machen.“ Nur einen Tag pro Woche plant er deshalb fürs Studium ein. Sein zweites Standbein sei es dennoch. „Viele junge Politiker machen sich Gedanken, was danach passiert.“ So schnell wie das Amt gekommen ist, könne es auch wieder weg sein, sagt er.

Teamwork

Und sein Amt ist wirklich schnell gekommen: „Ich habe plötzlich einen Anruf von der Bezirkspartei bekommen, ob ich Bürgermeister werden möchte.“ Die Zeiten waren damals in Windischgarsten nicht die besten: Der Bauamtsleiter ließ jahrelang Akten unbearbeitet liegen. Der Marktgemeinde entgingen so Gebühren in der Höhe von Tausenden Euro. Sein Vorgänger Norbert Vögerl (ebenfalls ÖVP) trat krankheitsbedingt zurück. Sein „Ja“ zum Amt hat Eibl dennoch nie bereut.

Und nun steckt er im Wahlkampf – die Plakate hängen schon. Einen „knackigen“ und „intensiven“ Wahlkampf möchte er führen – inklusive Hausbesuchen und „Festln“. Es sind die Sachen, die ihm am Bürgermeistersein am meisten liegen: „Die soziale Komponente mit den Leuten gefällt mir irrsinnig.“

Seine Liste ist deshalb bunt gemischt: Sie reiche vom 71-jährigen Pensionisten bis zum 18-jährigen Schüler. „Die Jugend ist gar nicht so politikverdrossen, wie man annehmen würde“, sagt Eibl. So kandidiert jener Freund, der ihn zur JVP brachte, heuer in der Nachbargemeinde Rosenau am Hengstpass. Eibl freut sich schon auf die Teamwork.

Denn wenn er etwas aus American Football für sein Amt lernen konnte, ist das, wie wichtig es ist, zusammenzuarbeiten. „Sonst geht der Spielzug nicht auf.“

Windischgarsten

Marktgemeinde Etwa 2.360 Einwohner zählt die Marktgemeinde Windischgarsten im oö. Bezirk Kirchdorf im Traunviertel

2015 Bei den Wahlen 2015 erreichte die ÖVP mit 42,12 Prozent der Stimmen Platz eins und damit
11 Mandate im Gemeinderat. Dahinter folgte die SPÖ mit 30,71 (8 Mandate) und die FPÖ mit 20,91 Prozent (5 Mandate)

Ziel Klares Ziel von Michael Eibl (ÖVP) ist es, weiterhin auf dem Bürgermeistersessel sitzen zu dürfen. Er will in der nächsten Legislaturperiode vor allem die Infrastruktur im Ort verbessern. Zuvor muss er sich jedoch gegen seinen roten Konkurrenten Bernhard Rieser durchsetzen

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