Chronik | Oberösterreich
12.03.2013

Listerien-Opfer ist Pflegefall: Klage auf 2,3 Mio. Euro

21 beklagte Parteien, u.a. Hersteller, Handelsketten und Republik.

Mir geht es nicht gut“, schilderte der damals 54-Jährige zu Silvester 2010 seinem Vater am Telefon. „Ich lege mich hin.“ Der promovierte Mediziner, Geschäftsführer eines Pharmaunternehmens, verlor kurz danach das Bewusstsein und wurde erst Tage später gefunden: Der gebürtige Linzer ist an Listeriose erkrankt und seither ein Pflegefall.

Anwalt Alexander Klauser fordert nun insgesamt 2,3 Millionen Euro an Schmerzengeld, Verdienstentgang und Pflegekosten für seinen Mandaten. Er verklagt 21 Institutionen, unter anderem die Republik, Handelsketten und die Linzer Firma Prolactal: Deren Quargel habe der Mediziner nämlich gegessen.

2010 erschütterte der Lebensmittelskandal Deutschland und Österreich gleichermaßen: Der Quargel soll mit Listerien verseucht gewesen sein, acht Menschen starben. Laut Gutachten soll die Listeriose zumindest in sieben Fällen mitverantwortlich gewesen sein.

Gemeingefährdung

Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelte deshalb wegen des Verdachts der fahrlässigen Gemeingefährdung mit Todesfolge: Der Produktionsstandort des Käses ist Hartberg. Der Vorhabensbericht liegt derzeit bei Oberstaatsanwaltschaft und Justizministerium. Wann mit einer möglichen Anklage zu rechnen ist, sei noch offen, heißt es aus der Anklagebehörde.

Anwalt Klauser kämpft derweil auf der zivilrechtlichen Seite um Geld für den den Linzer. In einigen Fällen hat sich das Zivilgericht Wien zwar für unzuständig erklärt, aber „wir haben Rekurs eingelegt“, betont Klauser.

Bei Prolactal zeigt man sich überrascht: „Ich habe von der Klage aus Zeitungen erfahren“, berichtet Pressesprecher Gerald Kneidinger. „Weder bei uns noch bei unserem Anwalt ist etwas eingegangen.“