Chronik | Oberösterreich
14.07.2017

Linzer Doppelmord: Verdächtiger verneint IS-Bezug

Gericht verlängert U-Haft um ein Monat. Mutmaßlicher Täter bleibt geständig.

Mohammed H., verdächtig wegen des Doppelmords an einem Linzer Ehepaar und wegen anschließender Brandstiftung, leugnet, dass die Taten in Beziehung zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ steht. Das sagte der 54-jährige inhaftierte Tunesier in einem ersten Zusammentreffen seinem Verteidiger. Über den grundsätzlich geständigen Mann wurde am gestrigen Freitag bei der fristgerechten Haftprüfungsverhandlung die U-Haft um einen Monat verlängert.
Der Beschuldigte habe zur Haftverlängerung auf Rechtsmittel verzichtet, berichtete der Vizepräsident des Linzer Landesgerichts, Walter Eichinger. H. hatte den ihm zugeteilten Pflichtverteidiger an der Seite. „Meine Möglichkeiten sind beschränkt, der Verdächtige hat die Tat ja gestanden“, meinte der erfahrene Linzer Advokat im KURIER-Gespräch. Der eigentlich eher auf Zivilverfahren spezialisierte Anwalt möchte seinen Namen vorerst nicht öffentlich genannt wissen.
Akten Weil die Ermittlungen der Polizei noch nicht abgeschlossen sind, sei sein Aktenwissen auch äußerst spärlich, schilderte der Jurist. Die zuletzt von der Polizei bekannt gegebenen Darstellungen über die Huldigungen und den Treueschwur des Inhaftierten gegenüber dem IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi „kenne ich nur aus den Medien“, sagte der Anwalt. „Er hat dazu nein gesagt.“ Das berichtete er über die Antwort seines Mandanten, als er ihn auf seine angeblichen IS-Bekundungen in Sozialen Medien angesprochen habe.
Auch den nach der Inhaftierung H.s als mutmaßliches Motiv genannten Hass auf die FPÖ bezeichnete der Verteidiger als vorerst vage. Der einzige FPÖ-Bezug bestünde durch ein Bild, das der Verdächtige in der Wohnung der Opfer Siegfried, 87, und Heidemarie Sch. , 85, gesehen hatte.
Wie berichtet, zeigte das Foto Oberösterreichs Landeshauptmannstellvertreter Manfred Hainbuchner (FPÖ) mit dem Sohn des Ehepaares, der in einer Landesabteilung arbeitet. Ein tatsächliches Naheverhältnis zur FPÖ gibt es aber nicht.
Als vorrangiges Motiv kommt für den Anwalt vorerst eher der durch Nachbarschaftskonflikte, Anzeigen und bürokratische Hürden aufgestaute Hass des Verdächtigen in Frage. Er warte nun auf den Ermittlungsakt der Polizei und zwei ausständige Gutachten: Die Expertise der Gerichtspsychiaterin Heide Kastner und jene eines Brand-Sachverständigen. Das dürfte etwa drei Monaten dauern.