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Chronik Oberösterreich
05/05/2019

Linz: Experten prüfen "belastete" Straßennamen

Die Verkehrsflächen seien mitunter in politischen Zeiten entstanden, "die nicht heutige Wertvorstellungen widerspiegeln".

In Linz sollen nun Experten prüfen, welche Namen von Straßen und Verkehrsflächen historisch belastet sind. Eine Historikerkommission zur Untersuchung sei in Planung, hieß es am Sonntag in einer Aussendung von Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ).

Von der Überprüfung betroffen sind insgesamt 1.148 Straßennamen, die Hälfte davon sind nach Personen benannt.

PK BRUCKNERHAUS LINZ "PRÄSENTATION DES NEUEN LOGOS UND DES PROGRAMMBUCHS ZUM INTERNATIONALEN BRUCKNERFEST LINZ 2018" : LUGER

"Jetzt sollen alle Straßennamen genauestens unter die Lupe genommen werden, damit erstmals eine Übersicht vorliegt, wie viele historisch belastete Straßennamen existieren und worin die Belastung der jeweiligen NamensgeberInnen begründet ist", erklärte Luger. Nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse soll in den politischen Gremien darüber entschieden werden, was mit den besonders belasteten Straßennamen geschehen soll.

In unterschiedlichen politischen Zeiten entstanden

Im Ausschuss für Finanzen, Innovation und Verfassung am 29. April habe der Direktor des Archivs der Stadt Linz, Walter Schuster, die Einrichtung einer solchen Kommission für die Überprüfung der Namensgebung aller Linzer Verkehrsflächen vorgeschlagen. Untersucht werden sollen nicht nur Straßennamen, deren Träger und Trägerinnen in Verbindung zur NS-Ideologie standen, "sondern auch jene, die in Bezug auf Antisemitismus, Rassismus, autoritäres Gedankengut oder aus anderen Gründen problematisiert werden müssen", hieß es in der Aussendung.

Die seit 1869 amtlich benannten Verkehrsflächen seien in unterschiedlichen politischen Zeiten entstanden, "die nicht heutige Wertvorstellungen widerspiegeln". In der Vergangenheit seien immer wieder einzelne "belastete" Straßennamen untersucht worden. Bei der Langothstraße, benannt nach einem NS-Bürgermeister, wurde 1986 eine Umbenennung durchgeführt.

Heikle Namen in Wien

In Wien hat es zwischen 2011 und 2013 eine derartige Untersuchung gegeben.

Dabei wurden 159 historisch kritische Straßennamen gefunden. Konkret waren es 28 Fälle mit intensivem Diskussionsbedarf,  56 Namen mit Diskussionsbedarf und 75 Straßen benannt nach Personen  mit demokratiepolitisch relevanten  biografischen Lücken.

Danach wurde angekündigt, alle 28 kritischen Straßennamen mit Zusatztafeln zu versehen. Geschehen ist das nach sechs Jahren noch nicht bei allen. In einzelnen Fällen gab es Umbenennung:  So wurde der Wilhelm- Neusser-Park (benannt nach ÖVP Stadtrat und SS-Mitglied) in den Wanda-Lanzer-Park  umbenannt. Sie war eine Pionierin im Bildungswesen.