Die Osteuropäerin Svetlana (Bettina Buchholz) muss die alte Bäuerin Weichsenrieder (Eva-Maria Aichner) pflegen.

© frei/Brachwitz/Landestheater

Premiere
02/01/2015

Liebevoll-bissige Studie über das Überleben des Bauernstandes

Großer Jubel für Georg Ringswandls "Der verreckte Hof" Freitagabend im Musiktheater.

von Daniel Scheiblberger

Eine schonungslose und zugleich liebevoll-komödiantische Studie über den Niedergang der bäuerlichen Welt gab es Freitagabend in der Blackbox des Musiktheaters zu erleben. Auf die Bühne gebracht wurde das Bauernmusiktheater "Der verreckte Hof" des bayerischen Liedermachers Georg Ringswandl – und das meisterlich.

Das Erfolgsrezept bestand aus einem an sich schon besonderen, in Dialekt geschriebenen Stück, aus einer nicht ins Kitschige abtriftenden, lebendigen Inszenierung (Ingo Putz) und aus einer wirklich lobenswerten Schauspielerleistung. Allen voran Eva-Maria Aichner, die eine alte, mürrische, scheinbar demente Bäuerin spielt und versucht, ihren Weichsenriederhof vor dem Verfall zu retten. "Für die Arbeit fehlt ihr die Kraft, als Mutter ist sie zu alt und als Oma fehlen ihr die Enkelkinder." Die Mixtur aus geistiger Umnachtung und messerscharfem Verstand gelang Aichner in genialer Weise.

Stress und Burn-out

Ihre Kinder haben aber nicht das geringste Interesse daran, der Erbfolge gemäß den Hof zu übernehmen, geschweige denn ihre Mutter zu pflegen. Alle sind fest in der vermeintlichen Leistungsgesellschaft gefangen und zu gestresst und verplant, um sich um die landwirtschaftlichen Aufgaben daheim zu kümmern. Tochter Gerlinde (Gunda Schanderer) ist eine völlig überarbeitete Handarbeitslehrerin und fühlt sich am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ihr Mann Günther (Erich Josef Langwieser), ein freizeit-gestresster Beamter der "unteren Naturschutzbehörde", nimmt sich gerade ein Sabbatical, weil er an Burn-out leidet. "I moan, vastehst, irgendwann geht’s nimma." Auch Sohn Rupert (Georg Bonn), ein Business-Typ, sind die Hofarbeit und Pflege der Mutter zu minder. Die bäuerliche Tradition (ihre Eigenheiten werden im Stück herrlich auf die Schippe genommen) ist nur ein Stolperstein für die Industriegesellschaft.

Musik und Text

Schließlich wird die Pflegerin Svetlana (Bettina Buchholz) aus Moldau an den Weichsenriederhof geholt. Die eigenwillige, in holprigem Deutsch sprechende Osteuropäerin geizt nicht mit ihren Reizen, weiß aber am Hof kräftig anzupacken. Sie versteht sich immer besser mit der alten Bäuerin, die die freizügige Pflegerin schließlich zu ihrer Hoferbin machen will – an der Seite von Rupert. Dieser schwängert sie. Mit einer Moldawierin am Hof zu leben, ist ihm aber dann doch irgendwie zu peinlich. "Wenns ums ficken und schuften geht, sind wir gut genug", ärgert sich Svetlana.

Ringswandls "Stubenoper", wie er sie nennt, ist eine bunte Mischung aus Musik (Nebosja Krulanovic) und Text, Sprechgesang und gstanzl-artigen Vorträgen – zutiefst komisch, aber auch kritisch und derbe. In der Mitte des Bühnenbildes (Stefan Brandtmayr) fungiert ein Ringelspiel als Hof, der ständig in Bewegung bleibt. Am Ende gab es Jubelrufe und Riesenapplaus. Leider sind bereits fast alle Vorstellungen ausverkauft – nur für den Dienstag, 31. März, gibt es noch Karten. Informationen: www.landestheater-linz.at