„Mein bisher stressigster Job“

Lehrer Manfred Schwarzgruber
Manfred Schwarzgruber wechselte aus der Wirtschaft an die Schule.

Neun Wochen Sommerurlaub hat Manfred Schwarzgruber, wenn am Montag an der Berufsschule 3 in Wels die Ferien beginnen – zumindest auf dem Papier. „Ferien heißt für mich, dass die Schüler nicht da sind. Aber nicht, dass ich Urlaub habe“, sagt der Berufsschullehrer.

In der ersten Ferienwoche müsse er das abgelaufene Schuljahr abschließen, dann bereite er sich schon auf ein großes Schulprojekt zum Thema Fair Trade im Oktober vor. Das Klischee vom faulen Lehrer kann Schwarzgruber nicht mehr hören. Ätzende Kommentare über „die Lehrer“ in den Zeitungen ärgern ihn.

Manfred Schwarzgruber kann man nicht vorwerfen, dass er nie etwas anderes gesehen hätte als das Klassenzimmer. Er machte eine Lehre im Einzelhandel, arbeitete sich zum Filialleiter hoch. Erst dann studierte er Pädagogik in Salzburg. Bevor Schwarzgruber als Lehrer anfing, war er noch im Außendienst bei Rewe und betreute 150 Filialen in Ostösterreich. „Das war ein super Job, ich habe gut verdient. Aber die Arbeit war aufgrund der räumlichen Distanz nicht mit meinem Familienleben vereinbar.“

1850 Euro netto

An der Berufsschule für kaufmännische Berufe unterrichtet der zweifache Vater seit mittlerweile sieben Jahren. Eine ruhige Kugel schiebt er auch dort nicht: Er ist Klassenvorstand, unterrichtet insgesamt 23 Stunden in den Fächern Waren- und Verkaufskunde, politische Bildung, Deutsch und Kommunikation. Einstiegsgehalt waren 1600 Euro netto, heute verdient der 46-Jährige 1850 Euro im Monat. „Ich beklage mich nicht, aber ich fühle mich vom Geld auch nicht erschlagen.“

Anders als viele Kollegen, die sich lieber daheim vorbereiten, verbringt Schwarzgruber 45 bis 50 Stunden pro Woche an der Schule und erfüllt damit freiwillig die Forderungen von Politik und Öffentlichkeit nach längeren Präsenzzeiten. Dass er nach 20 Jahren im Einzelhandel eine Lehrerkarriere einschlug, bereut Schwarzgruber nicht. Aber: „Ich hatte noch nie einen stressigeren Job.“ Es gebe genug Kollegen, die nach kurzer Zeit wieder aufhören würden.

„Unsere Schüler sind mitten in der Pubertät. Viele wollen gar nicht hier sein. Sie sagen, ich habe mich für eine Lehre entschieden, damit ich nicht mehr in die Schule gehen muss“, erzählt Schwarzgruber. Er berichtet auch von häuslicher Gewalt, die er mitbekomme, von aufgeritzten Unterarmen und Selbstmorddrohungen. „Ab und zu würden wir uns einen Sozialarbeiter zur Unterstützung wünschen.“

Wer Manfred Schwarzgruber länger zuhört, vergönnt ihm irgendwann die langen Sommerferien. Oder das, was er zumindest schon fix gebucht hat: „Eine Woche Urlaub am Bauernhof mit der Familie.“

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