Am 20. April wurde Taxlerin Ingrid V. auf einem Parkplatz in Gunskirchen erstochen.

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Oberösterreich
11/06/2015

Lebenslang und Anstalt nach Mord an Taxlerin

Der 46-jährige Täter stellt laut psychiatrischem Gutachten eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

von Jürgen Pachner

Bei der Präsentation des psychiatrischen Gutachtens zum angeklagten Erwin K. fand die Gerichtssachverständige Adelheid Kastner am Donnerstag im Landesgericht drastische Worte. "Er ist ein Psychopath – schlimmer geht es kaum." Der wegen der Ermordung der 57-jährigen Taxlerin Ingrid V. am 20. April in Gunskirchen angeklagte 46-Jährige leide an einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung. Ihm gehe es ausschließlich um sich selbst, andere dienen nur dazu, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Kastners Prognose, was K.s Zukunftsaussichten betrifft, fällt düster aus: "Er ist jemand, vor dem man die Gesellschaft schützen muss."

Das Risiko, dass K. in Freiheit eines Tages weitere gefährliche Straftaten verüben könnte, sei sehr hoch. "Er ist intellektuell nicht der Wendigste und ist äußerst rigid."

Die Psychiaterin stuft den Angeklagten als Menschen ein, der keine Kompromisse schließen und nur in den Kategorien schwarz oder weiß denken könne. Außerdem fehle es ihm an Empathie. "K. ist es gänzlich unmöglich, seine Perspektive zu wechseln und Dinge aus einer anderen, als der Selbstsicht, zu betrachten." Er sei auch unfähig, aus der Vergangenheit zu lernen. Wenn etwas nicht nach seinen Wünschen funktioniere, hole K. sich von anderen, was er braucht. "Da muss dann halt irgendwer einen Preis zahlen – egal, was es kostet", betonte Kastner.

Wiederholungstäter

In Haft sei K., der in der Vergangenheit sieben Verurteilungen – unter anderem wegen der Ermordung seiner Lebensgefährtin – ausfasste, stets unauffällig gewesen. Nicht funktioniert habe es mit ihm aber in Freiheit. Kastner sieht bei K. "eine große Diskrepanz zwischen seinen Ansprüchen und seinen Möglichkeiten". Für ein Scheitern mache er jeweils andere verantwortlich, nie sich selbst. Zum Beispiel seinen Vater und die Stiefmutter: "Ihnen gibt er die Schuld daran, dass sein Leben so verlaufen ist. Er hat gesagt, dass er bereut, sie nicht umgebracht zu haben, dann hätten vielleicht andere nicht daran glauben müssen", sagte Kastner.

Abnorm

Am 20. April marschierte K. fünf Stunden lang zu Fuß von Wels zum Linzer Bahnhof, wo er sich in Raubabsicht das schönste und teuerste Taxi aussuchte. Er ließ sich von Taxlerin Ingrid V. nach Gunskirchen bringen, wo er sie mit einem Klappmesser tötete. Insgesamt 17 Einstiche allein in Hals und Gesicht wurden gezählt. Die Beute, ein Notebook und ein Tablet-PC, fiel mager aus. Drei Tage später wurde er verhaftet.

Staatsanwalt Günther Diplinger forderte im Schlussplädoyer für den Angeklagten lebenslang und vorbeugend eine Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. Das Schwurgericht folgte seiner Ansicht. Das Urteil ist rechtskräftig.