Chronik | Oberösterreich
02.03.2013

„Landeshauptmann soll sich nicht als Religionslehrer aufspielen“

Pühringers Aussagen zu Homo-Ehe und Adoption von Kindern sorgen für große Aufregung.

Landeshauptmann Josef Pühringer ist für „Toleranz“ gegenüber homosexuellen Paaren, will ihnen aber keine zusätzlichen Rechte gewähren. Außerdem warnt er vor einer Gleichstellung. Nur weil einzelne traditionelle Familien zerbrechen, dürfe man nicht vom Idealbild – das sei für ihn nach wie vor Mutter, Vater und Kinder – abgehen. Wenn eine Gesellschaft nicht auf die Familie baut, werde sie bald nicht mehr funktionieren. Das sagte er am Samstag zum KURIER.

Pühringer soll sich nicht als Religionslehrer aufspielen, sondern als verantwortungsvoller Politiker“, reagierte Petra Müllner, SP-Familiensprecherin im Landtag. Der Europäische Menschengerichtshof und das Bundesverfassungsgericht in Deutschland hätten vor kurzem die Rechte homosexueller Paare zur Adoption von Kindern ausgeweitet. Müllner: „Es ist höchste Zeit, dass sich auch die ÖVP einer modernen Gesellschaftspolitik öffnet.“ Auch Maria Buchmayr von den Grünen weist Pühringers Aussagen „aufs Schärfste“ zurück. „Wir leben im Jahr 2013. Da haben solche wertkonservativen Wortmeldungen nichts mehr verloren. Die Gleichstellung ist nicht wegzudiskutieren.“

Gernot Wartner, Sprecher der Homosexuellen-Initiative (HOSI) Linz, gibt Pühringer zu bedenken, dass er nicht nur Landeshauptmann für eine Handvoll konservativer Katholiken sei. „Wir warnen Oberösterreichs ÖVP-Chef vor der Arroganz der Macht.“ Pühringer müsse als Landeshauptmann auch den Lebensmodellen jener Bürger Platz geben, die nicht seinen ideologischen Vorgaben entsprechen.

Die HOSI erinnert Pühringer daran, dass die ÖVP Oberösterreich das Diskriminierungsverbot in der Landesverfassung mitbeschlossen habe. Zustimmung erhält der Landeshauptmann von der FPÖ. „Eine Gleichstellung kommt nicht in Frage. Das wertet die traditionelle Familie ab“, betont FP-Chef Manfred Haimbuchner, der aber auch meint, dass die sexuelle Ausrichtung einer Person eine private Angelegenheit sei.