Vorstandsvorsitzender Axel KĂŒhner

© Greiner AG/Michaela Kraus

Chronik Oberösterreich

Kunststoffkonzern Greiner kratzt an Zwei-Milliarden-Marke

Greiner ist trotz Corona erfolgreich unterwegs.

05/11/2021, 12:18 PM

Der Kunststoffkonzern Greiner mit Sitz in KremsmĂŒnster hat 2020 seinen Umsatz um 15 Prozent auf 1,93 (2019: 1,675 Mrd.) Mrd. Euro gesteigert. Wesentlich trugen die medizintechnische Sparte Bio-One, in der u.a. Röhrchen fĂŒr Corona-Tests hergestellt wurden, aber auch die vollstĂ€ndige Übernahme der Schaumstoffsparte, die nun als Neveon gefĂŒhrt wird, bei. 2021 sind 2 Mrd. Euro das Umsatzziel, sagte Vorstandsvorsitzender Axel KĂŒhner am Dienstag.

Pandemie hat vieles beschleunigt

111 Mio. Euro wurden in Sachanlagen investiert, 40 Prozent davon in Österreich. Generell habe die Pandemie viele Dinge beschleunigt, sagt KĂŒhner. Im JĂ€nner 2020 habe man ein Pilotmodell mit 50 Prozent Homeoffice gestartet, „acht Wochen spĂ€ter waren es 100 Prozent fĂŒr die Office-Bereiche“, so KĂŒhner, der selbst einen Tag Heimarbeit pro Woche beibehalten möchte. Den Mitarbeitenden werde viel Freiraum gelassen, sich ihre BĂŒro- und Heimarbeitszeiten aufzuteilen. Man wolle auch neue digitale GeschĂ€ftsmodelle forcieren.

Schwerpunkt Nachhaltigkeit

Bei Innovationen liege der Fokus auf Nachhaltigkeit, dem Recycling von Matratzen und darauf, Lebensmittelverpackungen leichter recyclierbar zu machen. Die Rohstoffknappheit trifft auch Greiner. „Neveon konnte AuftrĂ€ge nicht ausfĂŒhren, weil Rohmaterial fehlte“, berichtete KĂŒhner, der das erste Halbjahr heuer noch schwierig, aber eine Normalisierung in der zweiten JahreshĂ€lfte sah. Die Schaumstoffsparte sei ein Wachstumsfokus, der noch zulegen könne.
Obwohl man gut durch die Krise kam, habe auch Greiner bis zu 800 von 2.600 Mitarbeitern in Österreich von April bis September in Kurzarbeit geschickt - außer in der Medizintechnik und Lebensmittelverpackung. Staatliche Hilfen wurden laut KĂŒhner weiter an die Mitarbeiter ausgeschĂŒttet, 1.000 Euro pro Person in Österreich vor Weihnachten und in den anderen LĂ€ndern nach Kaufkraft gewichtet eben so viel.

RĂŒckgĂ€nge im Medizinbereich

Es gab trotz guter Zahlen Bereiche, in denen es schwierig war, betonte KĂŒhner. Auch in der Medizintechnik habe es RĂŒckgĂ€nge gegeben, die aber mit der Herstellung von Stabilisierungsröhrchen fĂŒr Coronatests ĂŒberkompensiert wurden. Das verhalf der Sparte zu einem Umsatz von 693 Mio. Euro, was eine Steigerung um 36 Prozent bedeutet. Mit den Röhrchen werde man â€žĂŒber die Pandemie hinaus eine neue Produktlinie kreieren“, so KĂŒhner, der in der Zukunft etwa Testen auf Influenza als sinnvoll erachtet. Auch in die Impfstoffentwicklung von Biontech seien Greiner-Produkte involviert gewesen. „Wir freuen uns, dass wir einen echten Beitrag leisten konnten.“

Kunststoffverpackung

Im Bereich Packaging habe es Höhen (Lebensmittel) und Tiefen (Gastro, Automobil) gegeben, der Umsatz wurde mit 692 Mio. Euro gut gehalten. Im Lebensmittelbereich „konnte die Kunststoffverpackung zeigen, was sie kann und wofĂŒr sie da ist“. KĂŒhner möchte die Diskussion um Plastik versachlichen und „entscheidend ist das sachgerechte Entsorgen“. Greiner hĂ€lt an dem Ziel fest, bis 2025 alle Kunststoffverpackungen wiederwendbar, recyclierbar oder kompostierbar zu machen. „Wir sehen uns auf einem guten Weg“, verwies KĂŒhner auf den in vier Wochen erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht.

Mehr Frauen in FĂŒhrungspositionen

Mehr Weg liegt noch beim Thema Frauen in FĂŒhrungspositionen vor dem Unternehmen. Man wĂŒnsche sich das, „weil wir glauben, dass es Role Models braucht“. Der Frauenanteil von 37 Prozent gehe großteils auf die Produktion zurĂŒck und dort auf ungelernte TĂ€tigkeiten - „leider ein dramatisches Spiegelbild der Gesellschaft“, so KĂŒhner. Vorstand und Spartenleitungen sind von sechs MĂ€nnern besetzt, die höchstpositionierte Frau im Unternehmen ist die kaufmĂ€nnische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Barbara Desl bei Greiner Packaging.

11.500 BeschÀftigte

Insgesamt sind 11.494 Menschen bei Greiner an 139 Standorten in 34 LĂ€ndern beschĂ€ftigt, 2.680 in Österreich. 750 kamen durch die Eingliederung des Joint Ventures Eurofoam dazu, 85 schieden durch die Schließung eines Teilbetrieb in St. Gallen in der Steiermark, der vor allem fĂŒr Autozulieferer tĂ€tig war, aus. Der nun vollstĂ€ndig unternehmenseigene Schaumstoffbereich Neveon trug 2020 mit 479 Mio. Euro ein Viertel zum Gesamtumsatz bei. Ein Minus fuhr 2020 letztlich nur der Bereich Extrusions mit 68 Mio. Euro (minus 13 Prozent) ein, der aber als reiner Technologielieferant nicht mit den produzierenden Sparten vergleichen werden könne.

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