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Chronik Oberösterreich
12/05/2011

Kuckuckskind-Großmutter: "Schäme mich so"

Der tragische Fall des betrogenen Albert S. ist Tagesgespräch in seinem Heimatort. Der KURIER hörte sich um.

von Michael Petermair

Der Fall von Albert S. ist Tagesgespräch in dem kleinen, beschaulichen Ort im Bezirk Steyr-Land. Der 48-Jährige lebte 21 Jahre lang mit einer Frau zusammen, die ihm vier Kuckuckskinder unterjubelte (der KURIER berichtete, siehe Hintergrund).

Im Kaffeehaus direkt neben der Kirche wird heiß diskutiert. Es ist Freitag, kurz nach 13 Uhr. Eine blonde Frau, die einen Cappuccino trinkt, sagt: "Der Albert tut mir furchtbar leid. Er hat immer alles für die Familie getan." Auch die Kellnerin ist auf der Seite des Betrogenen. "Er muss sich schrecklich fühlen. Dass gerade in unserem Ort so etwas passiert."

Ihren Namen wollen die beiden nicht nennen. "Sonst sind am Ende wir noch die Bösen", erklärt die Serviererin. Auch im gegenüberliegenden Lebensmittelgeschäft gibt es bei den Angestellten an diesem Tag nur ein Thema: Albert S. und seine vier Kuckuckskinder.

Herz ausgeschüttet

"Die Sache ist schlimm, aber es wäre jetzt unfair, die Frau zu verurteilen. Man sollte sich auch anhören, was sie zu sagen hat", meint die Kassierin, die ebenfalls unerkannt bleiben will. Umso gesprächiger ist dafür der Bürgermeister. "Ich kenne den Albert schon lange. Er hat mir vor einiger Zeit sein Herz ausgeschüttet." Er findet es gar nicht gut, dass seine Gemeinde wegen der Sache in die Schlagzeilen gekommen sei, aber: "Der Albert kann ja nichts dafür. Bald ist eh Gras über das Thema gewachsen." Der Diakon im Pfarrheim kennt die Details: "Ich darf nichts sagen. Das Beichtgeheimnis, Sie wissen schon." Abgetaucht ist die Ex-Lebensgefährtin von Albert S. Die 44-jährige Frau verweigert jede Stellungnahme. Dafür spricht ihre Mutter, die 73-jährige Theresia H., als sie der KURIER in ihrem Haus besucht.

KURIER: Wie geht es Ihnen?
Theresia H.:
Wie's mir geht? Gar nicht gut. Ich schäme mich so. Mir tut der Albert leid. Alle vier Kinder sind nicht von ihm, was hat sich meine Tochter nur gedacht? Ich hab' gemeinsam mit dem Albert geweint, als er es erzählt hat. Am ärmsten sind aber meine Enkelkinder.

Haben Sie nie einen Verdacht gehabt, dass Albert nicht der richtige Vater der Kinder sein könnte?
Nein, überhaupt nicht. Ich hab' nie etwas gespürt, nie. Meine Tochter hat mit mir auch kein einziges Mal über solche Sachen gesprochen. Außerdem habe ich schon länger keinen Kontakt zu ihr.

Wann haben Sie Ihre Tochter zuletzt gesehen?
Das ist Jahre her. Auf einmal ist der Kontakt abgerissen. Sie meldet sich einfach nicht mehr. Ich weiß gar nicht, warum. Dabei war sie so ein braves Kind. Sie wollte halt immer mit dem Kopf durch die Wand, aber das ist ja nichts Schlimmes.

Können Sie sich irgendwie erklären, warum Ihre Tochter die Sache so lange verschwiegen hat?
Sie hat sich wahrscheinlich auch geschämt. Sie ist ja schließlich kein schlechter Mensch. Aber ich verstehe sie nicht. Ich hab' 1967 geheiratet. Und ich hab' meinem Mann die Treue geschworen. Mir wäre es nie eingefallen, ihn zu betrügen. Mein Mann ist seit 15 Jahren tot. Den Ehering trage ich aber noch immer.

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