© Kurier/gruber franz

Chronik Oberösterreich
08/15/2021

Dagegen ist bestimmt ein Kraut gewachsen

In der Natur haben Kräuter jetzt Hochsaison. Wandern, informieren, riechen, kosten und wertschätzen, was die Natur liefert

von Claudia Stelzel-Pröll

Wir machen daraus Tee, würzen unsere Speisen, bauen sie in unsere Kosmetikartikel oder in die Hausapotheke ein. Die Rede ist von Kräutern, die derzeit in voller Pracht sprießen und gedeihen.

„Derzeit haben die heimischen Bäuerinnen und Bauern alle Hände voll zu tun mit der Ernte und der Trocknung. Im September geht es dann an die Verarbeitung.“ Karl Dirnberger ist Geschäftsführer der Österreichischen Bergkräutergenossenschaft mit Sitz in Hirschbach im Mühlviertel. Rund 100 Mitglieder hat die Genossenschaft derzeit, auf 240 Hektar Fläche wird angebaut, daraus entstehen rund 260 bis 270 Tonnen Bio-Kräuter pro Jahr.

Im Einzelhandel

Die landwirtschaftlichen Familien sind gemeinsam Eigentümer der Genossenschaft. Anbau, Feldpflege, Ernte und Trocknung wird in den heimischen Betrieben erledigt, bei der Genossenschaftszentrale erfolgt dann die Verarbeitung und schließlich die Vermarktung der fertigen Produkte. Der Großteil davon landet im Einzelhandel. Für Interessierte werden in der Bergkräutergenossenschaft Führungen durch den Betrieb oder auch aufs Feld angeboten. In der Kräuterei gibt es die Bio-Produkte in großer Auswahl zu kaufen (www.bergkraeuter.at).

In Hirschbach gibt es auch den beliebten Bergkräuterwanderweg. Durch die Kräuterpforte geht es in den Pfarrgraben. Entlang des Weges sind verschiedene Kräuter beschrieben: also gerne schmecken, sehen, riechen und ertasten. Nach rund 30 Minuten Gehzeit befindet sich auf fast 800 m Seehöhe der Kräutergarten beim Biohof Abraham. Danach kommt die Europäische Wasserscheide auf der „Tischberger Höh“. Ein weiterer Höhepunkt sind die Kräuterfelder. Der Weg führt über schöne Aussichtspunkte zurück nach Hirschbach ins Ortszentrum. Auf einem Teilstück des Bergkräuterwanderweges befindet sich der Kräuterlehrpfad. Dieser Rundweg beginnt beim Kräuterstadl und führt über den Pfarrgraben bis zum Kräutergarten beim Abrahamhof und wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Auch in der katholischen Kirche spielen Kräuter am heutigen Sonntag eine besondere Rolle: Um Maria Himmelfahrt ranken sich alte Legenden. Die Apostel sollen das Grab Marias noch einmal geöffnet haben – statt des Leichnams sollen sie duftende Rosen vorgefunden haben. Eine andere Legende erzählt, dass dem Grab in dem Augenblick, in dem Maria in den Himmel aufgenommen wurde, ein wunderbarer Duft wie von Kräutern und Blumen entstiegen ist. Diese Legenden können der Grund für die Segnung von heilenden Kräutern an diesem Tag sein. Es ist wahrscheinlich, dass dieser 1000 Jahre alte Brauch die jahreszeitlich bedingte Getreidereife und Hochblüte der Natur in Erinnerung bringen sollte. Das Wissen über die Heilkraft der Kräuter wird heutzutage in manchen Klöstern und Pfarren weitergegeben. Die gesegneten Kräutersackerl oder -büscherl werden in den Pfarren und Klöstern zum Verkauf für einen karitativen Zweck angeboten.

Christentum trifft Heidenkult

Hintergrund zu Maria Himmelfahrt. Als es in frühen Zeiten nicht möglich war, das ursprünglich heidnische Erntedankfest zur Hochzeit der Kräuter per Konzil zu verbieten, wurde dieser Brauch von der Kirche einverleibt und der Gottesmutter gewidmet. Sie übernahm die Kultur von den vorchristlichen Göttinnen. Das Fest von Maria Himmelfahrt fällt in die Füllezeit des Sommers. Die Zusammensetzung der Kräuterbuschen ist regional unterschiedlich. Die Kräuter werden vom Frühjahr weg bereits gesammelt und getrocknet.

Schutzkräuter wie Beifuß, Johanniskraut, Schafgarbe, Engelswurz, Frauenmantel, Mädesüß, Ringelblume finden sich in Kombinationen von Kräuterbuschen wieder. Gegen Verfluchungen kommt noch Andorn, Brennnessel, Wacholder und ein Eibenzweig dazu. Segenspflanzen wie der Holunder, Kamille, Lavendel, die Rose, Fingerkräuter und Schlüsselblume fehlten auch nie. Als Mittelpunkt wird vielfach die aufrechte Königskerze in den Buschen eingebunden. Für die Verwirklichung von Wünschen steht die Blaue Wegwarte. Als Fruchtbarkeitsbringer finden wir Haselnusszweige mit Früchten darauf. Der Alant steht für Licht in der dunklen Jahreszeit, Eisenkraut, Labkraut und der Große Wiesenknopf zählen zu den bedeutendsten Himmelfahrtskräutern.

Auch Ähren von Gerste, Roggen, Hafer und Weizen kommen in die Sträuße. Zum Binden kann abgezogene Haselrinde verwendet werden. Den geweihten Wildkräutern werden auch heute noch  Zauber- und Heilkräfte zugesprochen. Überall im Haus deponiert schützen sie vom Dachboden angefangen bis in den Keller vor Ungemach.   In die Bettwäsche eingenäht sorgen sie angeblich für eheliche Treue und den erwünschten Nachwuchs. Als Wetterschutzkräuter finden sie ebenfalls Verwendung. Die ursprüngliche Form der Kräutersegnung kann in Anlehnung an die uralte Tradition in  Dankbarkeit zu jeder Zeit vorgenommen werden.

Ursula Asamer ist Kräuterpädagogin und Natur- und Landschaftspflegerin

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.