Begehrt: Jungärzte können sich derzeit aussuchen, wo sie arbeiten. Immer seltener gehen sie aufs Land.

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Gesundheit
03/06/2014

„Kassenverträge für Jungärzte nicht mehr attraktiv genug“

Ärztekammer warnt vor Unterversorgung und klagt über „leistungsfeindliche“ Kassenverträge.

von Christoph Weiermair

Vor 25 Jahren sei ein Kassenvertrag noch wie ein Sechser im Lotto gewesen. Heute aber sei er für immer weniger Jungmediziner attraktiv, sagt Wolfgang Ziegler. Der Allgemeinmediziner und Standesvertreter verweist auf die langwierige Suche nach Hausärzten in Oberösterreich und warnt vor einer Unterversorgung. In Mattighofen hätte es seit Jänner 2012 acht Ausschreibungen gebraucht, bis nun doch ein Arzt gefunden wurde. In Hallstatt sei trotz neun Ausschreibungen seit Juni 2012 eine Stelle weiterhin verwaist.

Mit den Krankenkassen, besonders der oö. Gebietskrankenkasse (OÖGKK) geht Ziegler hart ins Gericht: Arbeit und Verwaltungsaufwand würden immer mehr werden, die Verträge aber seien leistungsfeindlich. „Je mehr Patienten ein Arzt behandelt, desto weniger bekommt er bezahlt“, erklärt Ziegler. Ab dem 801. Patienten im Quartal erhalte ein Hausarzt nur mehr 70 Prozent der Grundleistung von der Gebietskrankenkasse, ab dem 1101. gar nur noch 20 Prozent. „Da darf man sich nicht wundern, wenn manche Ärzte zum Ende des Quartals auf Urlaub gehen.“

Auch die Spitalsreform habe für die Kassenärzte Verschlechterungen gebracht, sagt Ziegler. Leistungen, für die früher die Spitäler zuständig waren, wurden aus Kostengründen an die Hausärzte delegiert – zum Beispiel das Entfernen von Nähten oder die Wundkontrolle nach einer OP. Diese und andere Aufgaben würden aber nicht ausreichend honoriert werden.

3600 Euro netto

Unterm Strich – und ohne Hausapotheke – blieben einem Hausarzt etwa 50.000 Euro netto jährlich oder 3570 Euro netto monatlich, rechnet Ziegler vor.
Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser fordert unterdessen ein Jahr verpflichtende Lehrpraxis bei einem Hausarzt für jeden Jungmediziner. Das würde motivieren, später eine Ordination zu übernehmen oder zu gründen. In vielen EU-Staaten sei die Lehrpraxis in die Ausbildung integriert, in Österreich aber scheitere es an der Finanzierung – rund 19 Millionen Euro pro Jahr.

Entsprechend überrascht zeigte sich Niedermoser über die von Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) im KURIER geäußerte Bereitschaft, Jungärzte bei der Ordinationsgründung finanziell zu unterstützen. „Es würde mich wundern wenn es dafür Geld gebe, obwohl die Lehrpraxen ja offenbar nicht finanzierbar sind.“

Ebenfalls verwundert reagierte am Dienstag OÖGKK-Direktorin Andrea Wesenauer – und zwar auf die Kritik der Ärztekammer: Alle Verträge seien gemeinsam ausgehandelt, aktuell wäre keine Kassenstelle in Oberösterreich unbesetzt. „Es wird aber immer schwieriger, Ärzte zu finden“, räumt Wesenauer ein. Gegenmaßnahmen seien in Ausarbeitung. Mit der Umsetzung werde man Ende des Jahres beginnen.

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