Judokämpferin plant großen Wurf

Auf der Matte: Sabrina Filzmoser über die WM in Paris, ihre Liebe zu Japan und fehlende Flugstunden.

Ich stecke mir immer hohe Ziele. Das brauche ich zum Motivieren", sagt Sabrina Filzmoser. Ob daher für Österreichs erfolgreichste Judokämpferin bei der WM in Paris von 23. bis 28. August nur der Titel zählt? "Weltmeister zu werden ist schon etwas ganz Besonderes", so die 31-jährige Thalheimerin. Gleichzeitig schränkt sie jedoch ein: "Dafür muss alles passen, bis ins kleinste Detail. Es darf dich überhaupt nichts aus der Fassung bringen."
Tatsache ist: Filzmoser gehört in der Klasse bis 57 Kilogramm, in der 66 Athletinnen genannt haben, zum engsten Favoritenkreis. Schließlich ist sie die aktuelle Nummer drei der Weltrangliste. Und: Sabrina hat außerdem bereits bei zwei WM-Turnieren ihre große Klasse gezeigt. 2005 in Kairo und 2010 in Tokio holte sie jeweils die Bronzemedaille. "Es ist an der Zeit, dass sie bei einer Weltmeisterschaft einmal ganz oben steht. Sie hätte es sich verdient", sagt Willi Reizelsdorfer, der Filzmoser als Trainer von Multikraft Wels schon seit Kindertagen kennt.
Auch Udo Quellmalz, Chefcoach des österreichischen Judoverbandes (ÖJV), traut Sabrina in Frankreichs Hauptstadt den ganz großen Wurf zu. "Sie ist unglaublich gut drauf."

Erinnerungen

Eines ist sicher: Wenn Filzmoser am Mittwoch in der mit 17.000 Fans ausverkauften Pariser Halle "Omnisport de Bercy" auf der Matte steht, wird sie in kritischen Momenten an ihre verstorbene Kollegin Claudia Heill denken. "Als ich 2008 den Super-Weltcup in Paris gewonnen habe, hat sie mit mir noch auf den Sieg angestoßen. Das sind Augenblicke, die ich sicher nie vergessen werde."

Fast noch wichtiger als eine Medaille in Paris ist Filzmoser, dass sie verletzungsfrei bleibt. Um schließlich - als Höhepunkt ihrer tollen Karriere - bei den Olympischen Spielen 2012 in London einen Platz auf dem Siegespodest zu erkämpfen. Mit Olympia hat die sympathische Oberösterreicherin nämlich noch einige Rechnungen offen. Nach einem Bandscheibenvorfall verpasste sie die Qualifikation für die Spiele in Griechenlands Hauptstadt Athen 2004.
Und vier Jahre später in Peking schied sie als eine der Favoritinnen bereits in der Vorrunde aus. London 2012 ist damit für Filzmoser die letzte Chance, um doch noch olympisches Edelmetall zu holen. "Das ist eine große Herausforderung, die ich gerne annehme", sagt sie.
Die Olympia-Qualifikation hat Filzmoser, die schon seit 1999 beim Bundesheer ist, praktisch in der Tasche. Weil die ersten 14 der Weltrangliste ganz automatisch bei der wichtigsten Sportveranstaltung der Welt dabei sind. "Nur eine höhere Gewalt kann Sabrina bremsen", erzählt Trainer Reizelsdorfer.
An ein Ende ihrer aktiven Laufbahn denkt die Thalheimerin zwar noch nicht nach, doch nach Ende der Olympischen Spiele soll Schluss sein mit dem täglichen Training. Dann kann sich Filzmoser wieder mehr ihrem Japanologie-Studium widmen.
Gut möglich, dass sie einmal ins Land der aufgehenden Sonne auswandert. "Ich kann mir das gut vorstellen, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt."

Flugstunden

Sabrina, die an der Maschinenbau-HTL in Wels maturiert hat, würde es auch reizen, als Pilotin zu arbeiten. Den nötigen Schein dazu hat sie schon gemacht. Was ihr derzeit noch fehlt, sind Flugstunden. "Ich lasse alles auf mich zukommen. Oft wird es dann sowieso anders, als man es sich vorgenommen hat."
Bei der WM in Paris erreicht Filzmoser hoffentlich genau das, was sie angepeilt hat - die Goldmedaille.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011