Chronik | Oberösterreich
02.09.2018

Jeder ist seines Glückes Schmied

Glück und Unglück. Das Gute wie das Schlechte erfährt der Mensch nicht schicksalhaft

Viele Menschen warten darauf, dass etwas passiert, das sie glücklich macht. Glückliche Menschen erleben sich als Meister ihres Lebens und sind damit Urheber ihres Glücks. Das Gute wie auch das Schlechte widerfährt ihnen nicht schicksalhaft. Es fällt ihnen nicht in den Schoß, es ist nichts, was ihnen „zustößt“. Es wird von ihnen selbst herbeigeführt.

„Jeder ist seines Glückes Schmied“, sagt eine Volksweisheit. Der US-Coach on Larry Winget sagt: „Firmen sind dazu da, um Gewinne zu machen. Für Ihr persönliches Glück sind sie nicht zuständig.“ „Es gibt nur einen Weg zum Glück und der bedeutet, aufzuhören mit der Sorge um Dinge, die jenseits der Grenzen unseres Einflussvermögens liegen“, riet der griechische Philosoph Epiktet.

Sich selbst beglücken

Der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach meinte, „deine erste Pflicht ist, dich selbst glücklich zu machen. Bist du glücklich, so machst du auch andere glücklich“. „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“, riet der dänische Philosoph Søren Kierkegaard. „Glück ist meist nur ein Sammelbegriff für Tüchtigkeit, Klugheit, Fleiß und Beharrlichkeit“ (Charles Kettering, US-amerikanischer Erfinder und Philosoph). Der römische Philosoph und Dichter Seneca: „Nichts bringt uns mehr vom Weg zum Glück ab, als dass wir uns nach dem Gerede der Leute richten, statt nach unseren Überzeugungen.“

Das sind nur einige Sinnsprüche zum Thema Glück. Sie können sich wünschen glücklich zu sein. Sie können hoffen glücklich zu sein oder zu werden. Wünschen und Hoffen ist zu wenig, sie müssen etwas dazu beitragen, das heißt, Sie müssen etwas tun. Ein Golfer spielt einen perfekten Ball aus dem Sandbunker. Darauf sagt ein Zuseher: „So ein Glück!“ Darauf meint der Golfer: „Ja, je mehr ich übe, umso mehr Glück habe ich.“ Das Bewusstsein der Wahlfreiheit für unser tägliches Handeln und die Folgen für unsere persönliche Glücksbilanz, ist, dass wir entscheiden können, ja müssen. Glück ist keine Glücksache, es ist das Ergebnis von selbstverantwortlichem, entschiedenem Handeln.

Freie Wahl

Für diese aktive Rolle brauchen Sie Energie. Sie können Ihr Leben selbst steuern oder von anderen steuern lassen. Das Zweite führt mit Sicherheit nicht zum Glücklichsein. Verteidigen Sie nicht Ihre Vergangenheit. Sie haben Ihr Leben, so wie es jetzt ist, frei gewählt. Sie können vielleicht nicht den Wind bestimmen, weder die Stärke noch die Richtung, aber Sie können die Segel in Richtung persönliches Glück setzen.

Vergleich ist tödlich

Der Tod eines jedes Glücks ist der Vergleich. Niemand ist gleich, jeder ist unvergleichlich. Kein Vergleich macht Sie glücklich. Der einzige zulässige Vergleich ist der Vergleich mit sich selbst. Das hat auch einen praktischen Vorteil: Das „Ich“ ist ein stabiles, berechenbares Bezugssystem. Man braucht nicht permanent nach anderen Maßstäben suchen.

„Die Nützlichkeit des Lebens liegt nicht in seiner Länge, sondern in seiner Anwendung.“ Wenn ich diesen Spruch von Montaigne gedanklich weiterführe, sagt er nichts anderes aus, als dass wir genug Zeit im Leben haben, um glücklich zu sein oder zu werden. Leider sind die Menschen lieber Zuseher als Handelnde. Das Leiden ist für Sie leichter als das Tun. Wenn dem so ist, darf sich der Mensch nicht beklagen, weder bei Gott noch bei der Welt.

Innere Zufriedenheit

Wir sollen in uns hineinhorchen und selbst entscheiden, wo es langgeht, und daran arbeiten, dass wir dort unser Glück finden. Für die innere Zufriedenheit sind ausschließlich wir selbst verantwortlich. Mindestens können wir aus jeder Situation das Beste machen. Der Mensch kann dem Unheil entgehen, das ihm vom Himmel gesandt wurde, doch er entgeht nicht dem Unheil, das er sich selbst schuf. So können wir aus jeder Situation das Beste machen und manchmal kann es sogar gelingen, dass wir – wie Konfuzius sich einmal ausdrückte – Unglück in Glück zu verwandeln. Denn Glück und Unglück liegen in der eigenen Seele, nicht in äußeren Gütern, Gegebenheiten und Ereignissen. Doch wo wir uns selbst ein Bein stellen, da stolpern wir auch. Das meiste Unglück, meinte Epikur, schaffen wir uns selbst durch unsere eigenen Ängste, Begierden und falschen Vorstellungen.

Alois Zangerle ist Unternehmensberater und akademischer Exportkaufmann. www.alois-zangerle.at, office@alois-zangerle.at