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Chronik Oberösterreich
12/08/2019

Jede Kinderseele hinterlässt hier Spuren

Rund um den 8. Dezember finden weltweit Gedenkfeiern für Sternenkinder statt. Expertin Kaiser erklärt, was Eltern helfen kann.

von Claudia Stelzel-Pröll

Das ganze Leben ist plötzlich anders. „Wenn ein Kind während der Schwangerschaft, kurz vor oder nach der Geburt verstirbt, ist das mit das Schlimmste, was Eltern passieren kann“, erklärt Michaela Kaiser, stellvertretende Leiterin von ZOE, einer Beratungsstelle für alle Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt.

Um den zweiten Dezembersonntag werden weltweit jährlich Gedenkfeiern für so genannte Sternenkinder abgehalten. Außerdem stellen Betroffene genau heute, 8. 12., um 19 Uhr eine Kerze ins Fenster, um an das verstorbene Kind zu erinnern. Beim „Worldwide Candle Lighting“ entsteht durch die Zeitverschiebung eine Lichtwelle, die innerhalb von 24 Stunden ein Mal rund um die Erde wandert. Jede Kerze brennt zum Gedenken an eine Kinderseele, die Spuren auf dieser Welt hinterlassen hat.

Nicht alleine

„Solche Aktionen wie dieses Kerzenerleuchten sind wichtig, damit diese verstorbenen Kinder einen Platz in der Gesellschaft haben und damit betroffene Eltern merken: Wir sind mit unserem Verlust nicht alleine“, sagt Pränatal-Beraterin Michaela Kaiser. Das Umfeld kann selten erfassen, was ein derartiger Verlust für Eltern bedeutet. „Oft wird erwartet, dass nach ein paar Wochen alles wieder ist wie vorher. Dabei kann man doch einen Menschen nicht nach seiner Größe bewerten. Dieses ungeborene Kind hat existiert, die Trauer darum ist zu akzeptieren.“

Wie kann und soll man also reagieren, wenn Freunde oder Familienmitglieder ein Baby verlieren? „Bitte keine billigen Tröstungsversuche, das hilft keinem. Viel ehrlicher ist es zuzugeben, dass man selber nicht weiß, was man sagen soll, aber dass man da ist und versucht, den Schmerz und die Trauer mit auszuhalten.“

Immer Teil der Familie

Das Schlimmste für Eltern sei, wenn das Kind totgeschwiegen wird, wenn der Name nicht mehr ausgesprochen wird, weiß Kaiser: „Diese Sternenkinder dürfen ein Teil des Familiensystems bleiben. Sie haben hier einen Platz und sollen nicht in Vergessenheit geraten.“ Unterstützung in dieser Extremsituation gibt es unter anderem beim Team von ZOE in Linz (www.zoe.at). Dort bieten Expertinnen Beratungen kostenlos und auf Wunsch auch anonym an. „Jeder geht mit seiner Trauer anders um. Frauen haben das Bedürfnis, über das Erlebte zu reden, Männer möchten das oft nicht. Da kann es auch zu Problemen in der Beziehung kommen. Auch dafür sind wir da“, erklärt Michaela Kaiser.

Gedenkfeiern

Rund um den 8. Dezember gibt es auch in Oberösterreich zahlreiche Veranstaltungen, etwa einen Gedenkgottesdienst am 8. 12., 15 Uhr, mit Bischof Manfred Scheuer im Linzer Mariendom. Im gemeinsamen Erinnern, Schweigen, Beten und Singen erfahren Trauernde, dass sie nicht alleine sind. Oder eine musikalische Lesung zum Thema „Die Abwesenheit des Glücks – die Geschichte eines Sternenkindes“ am 9. 12., 19 Uhr, in der Ursulinenkirche. Oder eine Lichterfeier am 8. 12., 18 Uhr, bei der Aussegnungshalle beim Welser Friedhof (Gedenkorte, Feiern in OÖ auf www.dioezese-linz.at/sternenkinder).

"Luisa ist bei uns noch immer allgegenwärtig"

Luisa, die Tochter von Josef und Christina Murauer, kam 2011 tot zur Welt. „Wenn man nach neun Monaten Schwangerschaft ohne Baby aus dem Spital heimkommt, glaubt man, das Leben geht nicht weiter“, erinnert sich Christina Murauer. „Mir hat die Flucht nach vorne geholfen. Darüber reden, reden, reden.“ Es sei sehr wichtig, das Erlebte gut aufzuarbeiten, „sonst wird man mit so einem Schicksalsschlag nicht fertig.“
Acht Jahre später hat Luisa einen fixen Platz in der Familie, auch die  jüngeren Geschwister, wissen, dass sie gelebt hat. An Festtagen und Feierlichkeiten wird das Grab gemeinsam geschmückt, „Luisa ist bei uns noch immer allgegenwärtig, vor allem bei unseren anderen beiden Kindern.“
Christina Murauer hat Frieden geschlossen mit dem Verlust: „Es ist gut so wie es ist. Ich hatte eine wunderschöne Schwangerschaft mit Luisa. Und trotz allem, was passiert ist, ist es ein großes Wunder, dass es sie gegeben hat.“

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