Inzestfall: "Viel sexuelle Gewalt im Spiel"

Keine heile Welt in der kleinen Gemeinde im Bezirk Braunau.
Foto: apa

Sicherheitsdirektor Lißl lässt zunächst vor Ort ermitteln, warum das Leid der Schwestern so lange nicht publik wurde.

Die beiden Opfer haben ein echtes Martyrium erlitten. Es war sehr viel sexuelle Gewalt im Spiel." Oberösterreichs Sicherheitsdirektor Alois Lißl deutet im KURIER-Gespräch an, dass der Öffentlichkeit nur oberflächliche Fakten bekannt gegeben wurden.

Das Schicksal der Schwestern, 53 und 45 Jahre alt, die Jahrzehnte lang der Tyrannei ihres heute 80-jährigen Vaters ausgesetzt waren, werde zunächst die Bezirkshauptmannschaft Braunau als Sicherheitsbehörde aufrollen, nicht die Kripo, sagt Lißl. "Die Ermittlungen beginnen vor Ort." Er traue das jedem Polizisten und jeder Polizistin zu.

Lasche Behörde?

Probleme, dass die BH eigenes Behördenversagen zudecken könnte, weil der Fall so lange nicht publik wurde, sieht Lißl nicht. "Wir schauen uns die Sache genau an." Ob der mutmaßliche Gewalttäter Gottfried W. von der BH etwa regelmäßig wegen seines Waffenbesitzes überprüft wurde, wird die Staatsanwaltschaft auch zu beleuchten haben. Vielleicht hätte man die Verhältnisse im Haus des Mannes schon früher entdeckt.

Den hartgesottenen Sicherheitsdirektor rührt das Verbrechen auch privat an: "Eine absolut grausame Geschichte. Sie lässt jeden Menschen erschaudern." An eine heile Welt in dieser schönen Gemeinde am Land zu glauben, sei wohl verfehlt.

Der Vater, der seit Freitag in U-Haft sitzt, bestreitet stur und aufgebracht die Vorwürfe seiner Töchter, ein Verfahrenshilfeanwalt wird ihm beigestellt. Gutachter sollen jetzt den Gesundheits- und Geisteszustand der beiden Opfer, auch des Vaters, untersuchen.

Opfer orientiert

Bezüglich der Glaubwürdigkeit der beiden gibt Lißl klar Auskunft: "Die beiden Frauen können sich sehr wohl artikulieren. Sie haben exakte Antworten gegeben und waren zeitlich orientiert. Es wurden doch sehr intime Fragen gestellt."

Geistige Beeinträchtigung wird den Schwestern konstatiert. Lißl betont, er wolle eines nicht: "Dass die Opfer nochmals zu Opfern gemacht werden. Sie sind traumatisiert, aber nicht orientierungslos. Sie haben auch Bezug zur Außenwelt, über das Fernsehen." Die Schwestern besuchten nach der Volks- die Sonderschule. Lißl: "Auf dem Land war das so. Wenn du nicht gefördert wurdest, bist du dort gelandet."

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(kurier) Erstellt am
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