© Stefanie Eder

Chronik Oberösterreich
02/16/2020

Internet Stars Live: Posten, knuddeln, Selfies machen

ChaosFlo, Pietro Lombardi, Noah Gusi, Puuki & Co.: Die Plus City war Treffpunkt der YouTuber-Szene. 5000 Jugendliche standen Schlange.

von Claudia Stelzel-Pröll

Manche sind mit dem Flixbus in der Nacht aus Deutschland angereist, haben vom Linzer Bahnhof die Bim nach Pasching genommen – nur um einen ihrer Stars live zu sehen, ein Autogramm oder ein Selfie zu ergattern. Vergangenes Wochenende ging es rund in der Plus City. Mehr als 5000 Kinder und Jugendliche drängten sich am Samstag vor den Bühnen, um einen Blick auf ihre Idole aus der virtuellen Welt zu werfen und vielleicht sogar eine Runde zu knuddeln.

Klicks & Likes

Bei „Internet Stars Live“ lädt Veranstalter Daniel Happacher jedes Jahr jene Burschen und Mädels ein, die mit Tausenden Klicks und Likes zu den Heldinnen und Helden junger Internetnutzer werden: „Die Zielgruppe sind die 10- bis 20-Jährigen“, erklärt Happacher. Neben einem Talent-Contest und einer DJ-Show waren es vor allem Youtuber, Gamer und Blogger, die sehnsüchtig erwartet wurden.

Jogger & Kapperl

Kreischalarm gab es, als jener Mann die Bühne betrat, der derzeit wieder an der Seite von Dieter Bohlen in der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ sitzt: Pietro Lombardi ist berühmt-berüchtigt für seine Kritik unter der Gürtellinie, seine Jogginganzüge und das Kapperl auf dem Kopf.

Im KURIER-Interview gibt sich der 27-Jährige handzahm: „Ich bin mir meiner Rolle als Vorbild für viele Jugendliche bewusst. Drogen und Alkohol gibt es bei mir nicht. Und ich will meinen Fans auch den richtigen Weg zeigen, mit Schule und Ausbildung und so.“ Lombardi, der die Show 2011 gewann und danach mit diversen TV-Auftritten größere Aufmerksamkeit erhielt, scheut den Kontakt mit seinen großteils weiblichen Fans nicht, im Gegenteil: „Diese Menschen haben mich dahin gebracht, wo ich heute bin.“

Mit dabei waren außerdem die Gamer ChaosFlo und Puuki, Noah Gusi, der die Show auch moderierte, der Zauberer Nikolaus Fortelni, Pizzaboy Max und die Sängerin Laura Kamhuber. Sie alle generieren ihre Bekanntheit über Online-Portale und sind sich der Wirkung sozialer Medien zum Teil sehr wohl bewusst: „Ich habe insgesamt schon mehr als 30.000 Nachrichten geschrieben, weil ich wirklich versuche, allen meinen Fans zu antworten“, erzählt zum Beispiel Sänger Alexander Eder.

Der Niederösterreicher wurde als „Der mit der tiefen Stimme“ bei „The Voice of Germany“ berühmt und hat seitdem jede Menge Auftritte. Seine mittlerweile beachtliche Online-Community hält Alexander Eder sowohl mit seinem Instagram-Account als auch mit TikTok-Videos bei Laune. „Das Internet gibt uns ungeahnte Möglichkeiten, ist aber auch mit Vorsicht zu genießen“ erklärt Eder, bevor er bei der Live-Show singt.

Einer, der am Anfang seiner Karriere steht, ist Yung Suessling. Der 16-Jährige macht Musik, stellt seine Songs mit Unterstützung seines Labels Miami-Blue Records ins Netz und hofft auf den Durchbruch: „Es wäre irre toll, wenn ich tatsächlich mit meiner Musik weiterkommen würde.“ Der Auftritt bei den Internet Stars 2020 war auf jeden Fall ein Anfang.

Den Idolen auf den Fersen

Begeistert zeigen die Freundinnen Sarah und Hanna die Autogramme ihrer Stars her. Deswegen sind die 11-Jährigen  aus Linz gekommen, um die Menschen, die sie bis jetzt nur aus dem Internet gekannt haben, live zu sehen. „Wir stehen auf TikTok (Videoportal für die Lippensynchronisation von Musikvideos, Anm.) und wir freuen uns auf Pietro Lombardi.“
Die  Freunde David H. und David K. sind Fans von Puuki, der Videos von sich beim Computerspielen online stellt und auf seinem YouTube-Kanal mehr als 800.000 Abonnenten hat.  „Wir spielen das Spiel auch selber, deswegen taugt es uns so, was Puuki da macht“, erklären die beiden Burschen.
Sarah, Hanna und die beiden Davids – alle vier haben gemeinsam, dass das Handy immer mit dabei ist und sie rund um die Uhr unbeschränkten Zugang zum Internet haben: viel Zeit also, den Idolen beim Leben zuzuschauen.

"Grenzen einfordern und selbst Vorbild sein"

„Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, weiß die Elterngeneration nicht Bescheid über das, was die Jungen machen. Der  aktuelle gesellschaftliche Wandel ist viel radikaler als alles  andere davor.“ Maria Fessl ist Psychotherapeutin und Leiterin der Beratungsstelle des Kinderhilfswerks in Linz. Sie erklärt die Faszination von facebook, Instagram und Co..
„Durch die elterliche Hilflosigkeit im Umgang mit sozialen Medien kommt es zu einem Rollentausch: Plötzlich fragen Papa und Mama das Kind, wie  zum Beispiel das Hochladen von Fotos funktioniert.“ Außerdem seien virtuelle Welten mögliche Ausbruchsszenarien aus dem Alltag. „Und der Reiz der Anonymität ist groß.“
In der Praxis hat Fessl mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die in die Sucht abrutschen: „Das erkennt man daran, dass die Jugendlichen sich nicht mehr an Vereinbarungen zur Mediennutzung halten können, es ständig  Konflikte gibt. Und  daran, dass es zu Lügen und Vertuschungen kommt, nur um noch mehr Zeit im Internet zu bekommen.“ Die Expertin rät: „Eltern sollen Abmachungen einfordern,  Vorbild sein und mit den Kindern über Gefahren wie Cyberattacken oder Annäherungsversuche von Pädophilen sprechen.“
www.kinderhilfswerk.at

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