Chronik | Oberösterreich
15.10.2017

In Zukunft gibt es nur mehr Bio-Bier

Die Mühlviertler Spezialbrauerei punktet mit Qualität und wächst jährlich um zehn Prozent.

"Ein Bier muss mehr können als kalt sein und zischen." 1998 übernahm Peter Krammer von seinem Vater die Brauerei Hofstetten in Sankt Martin im Mühlkreis (Bez. Rohrbach). Seither versucht er ständig neue Biersorten auf den Markt zu bringen. "Mit einem jährlichen Ausstoß von 8000 Hektolitern sind wir ein Winzling am österreichischen Markt", erklärt Krammer, der mit seinen Spezial-Biersorten einen Nischenplatz gefunden hat.

"Mir ist es lieber Rohstoffe wie Honig oder Kürbis für neue Sorten zu verwenden, als jeden Tag in das Sudhaus zu gehen und in großen Mengen Märzenbier zu produzieren." Die Brauerei Hofstetten hat sich deshalb als kleine Spezialitäten-Brauerei positioniert. "Momentan läuft es gut, da der Konsument das Bier von kleinen regionale Brauereien verlangt."

Bio-Braugerste

Seit rund zehn Jahren treibt Krammer die Vision an, ein Bier aus rein Mühlviertler Rohstoffen zu brauen. "Im Mühlviertel haben wir so viel Bio-Braugerste, dass wir nach und nach Biersorten auf bio umstellen können." Insgesamt hat das Landbrauhaus Hofstetten 15 verschiedene Sorten im Programm. Vier davon beinhalten bereits ausschließlich biologische Rohstoffe. Nach und nach sollen nun alle auf Bio umgestellt werden. Zurzeit werden in der Landbrauerei jährlich rund 100 Tonnen Gerste, 200 Tonnen Malz und 1,2 Tonnen Hopfen verbraut. Aktuell wird an einem Bio-Braurezept für das Kübelbier gearbeitet.

Die Brauerei sieht sich als regionaler Nahversorger. "Wir verkaufen im Raum Linz und nördlich der Donau 30 Prozent in der Gastronomie, 30 Prozent im Handel und den Rest ab Hof." Dazu werden Bierspezialitätenhändler in Wien beliefert. Drei Prozent der Spezialbiere gehen nach Amerika.

Das "Seiterl" wird in der 0,33-Liter-Langhals-Flasche abgefüllt. "Durch den langen Hals hat sie mehr Glas als eine Halbliterflasche. Deshalb wird weniger Licht durchgelassen und das Bier besser geschützt. Der lange Hals verschafft außerdem eine gute Luftzufuhr, was sich positiv auf das Aroma auswirkt."

Aktuell sind in der Brauerei zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Der Jahresumsatz beträgt 1,7 Millionen Euro. "Seit dem Bau unseres neuen Sudhauses 2016 wachsen wir jährlich um zehn Prozent. Deshalb möchten wir unser Team um zwei weitere Personen vergrößern."

Für den Sudhausbau investierte Peter Krammer 1,5 Millionen Euro. "Für die Finanzierung mussten wir sieben Hektar Wald verkaufen. Es war aber eine Investition in die Zukunft. Unsere 18-jährige Tochter Jana arbeitet im Betrieb bereits mit." Das alte Sudhaus aus dem Jahr 1929 mit ihrer Mühle findet trotz Innovationen in der Brauerei noch Verwendung. "Zum Entwickeln neuer Biersorten ist es noch sehr gut zu gebrauchen. Es ist aber mehr Nostalgie als Wirtschaftlichkeit."

Reines Wasser

Neben der Brauerei betreibt Krammer eine kleine Landwirtschaft mit 30 Ochsen und 25 Schweinen. Zum Hof gehören 25 Hektar Grund. Vom hofeigenen Brunnen kommen jene 48.000 Hektoliter Wasser, die jährlich für die Bierproduktion benötigt werden. "Der Brunnen ist umgeben von unseren Feldern. Somit haben wir die Möglichkeit, auf die Wasserqualität Einfluss zu nehmen." Das war nicht immer so, denn bis 1998 war der Hausbrunnen durch Kunstdünger verschmutzt. "Der Nitratwert lag damals bei 50 Milligramm. Das war bereits grenzwertig." Krammer beantragte daher ein 48.000 Quadratmeter großes Wasserschutzgebiet. Diese Maßnahme hat sich nicht nur auf das Wasser positiv ausgewirkt. Die Krammers können nun auch ihre Umgebung besser genießen. "Meine Frau hat einen Lieblingsplatz gestaltet, da sitzen wir oft am Abend und genießen die Natur bei einem Bier."

Autor: Peter Pohn