Vier Ortstafeln markieren Anfang und Ende des Ortsteils Fucking im Innviertel.

© Rob Welham / Camera Press / picturedesk.com

Chronik Oberösterreich
11/28/2020

In einer Minute durch Fucking

Jahrelang besuchten Touristen den Ortsteil, nur wegen seines Namens. Ab 2021 wird auf den Ortsschildern „Fugging“ zu lesen sein.

von Petra Stacher

Wo man der deutschen Grenze nicht mehr fern ist, das Autoradio zu rauschen beginnt und der Handyempfang abnimmt. Im leicht hügeligen Flachland, entlang einer schmalen Straße, wo dichte Nebelfelder ein paar Bauernhäuser verschleiern – dort ist Fucking. Und eine knappe Autominute weiter: Das war Fucking. Denn größer ist das Dorf nicht, das in den vergangenen Jahren international für Aufsehen sorgte.

Schuld daran war allein der Ortsname. Nun sollen die Witzeleien jedoch ein Ende haben: Denn mit 1. Jänner 2021 wird das „ck“ zu „gg“.

Fucking liegt im oberösterreichischen Innviertel und gehört zur Gemeinde Tarsdorf. Der umstrittene Name, der im englischen als Schimpfwort mit erotischem Hintergrund gilt, hat eine lange Tradition: Fucking ist seit 1070 belegt und kann vermutlich von einem Adalpert von Vucckingen abgeleitet werden, der im 11. Jahrhundert in der Region lebte.

"Schon geschädigt"

123 Einwohner zählt Fucking derzeit, 113 davon haben ihren Hauptwohnsitz dort gemeldet. Der Großteil wohnt entlang der Durchfahrtsstraße. Ein paar kleinere Verästelungen führen zu Bauernhöfen inmitten der Wiesen und Äcker.

Bis auf ein paar Traktoren, die brummen, und Hühner, die gackern, ist es ruhig. Nur zwei Frauen stehen vor ihrem Hof, von der Öffentlichkeit haben sie aber sichtlich genug: „Wir sind schon geschädigt“, ruft eine bereits aus der Ferne.

Verständlich: Denn jedes Jahr kommen zahlreiche Auswärtige, um ein Foto zu machen – und zwar einfach von der Ortstafel.

Aus Spaß wurde Ernst

Ist ihnen ein Bild nicht genug, nehmen sie die Tafel rechtswidrig mit: Drei bis vier Mal im Jahr braucht der Ort deshalb neue Schilder. Selbst das Eingießen in Beton, schaffte nur bedingt Abhilfe, weiß Leopold Schnaitl vom Nahversorger in Tarsdorf: „Teilweise kamen sie mit Eisensäge und haben sie abgesägt. Die waren vorbereitet.“

Für ihn selbst war der Name jedoch nie komisch: „Wir sind damit aufgewachsen. Für uns ist das normal. Und im deutschen hat es ja nicht diese Bedeutung“, sagt Schnaitl. Er verstehe jedoch die Einwohner: „Im Internet kursieren viele Fotos und Videos von Fucking. Teilweise ist es ja spaßig, teilweise aber auch nicht mehr.“

So sahen das wohl auch die Einwohner von Fucking, denn sie stellten schließlich bei der Gemeinde einen Antrag auf Namensänderung. Dieser wurde nun im November bewilligt: „Der Gemeinderat hat beschlossen, die Ortschaft Fucking in den Ortschaftsnamen Fugging mit Wirkung vom 01. 01. 2021 umzubenennen“, heißt es in der Kundmachung.

Anfangsbuchstabe Pech

Auf Anfrage bei der Gemeinde Tarsdorf war die Beschlussfassung fast einstimmig. Nun folge neben den neuen „Fugging“-Ortstafeln – wovon eine etwa 300 bis 400 Euro koste – ein umfangreicher Verwaltungsaufwand.

Nicht alle heißen diese Entscheidung deshalb gut: „Das ist alles ein Blödsinn. Hier in der Region und auch in Bayern drüben enden viele Orte auf ,-ucking’“, sagt Peter Wollitzer, der vom Greißler gerade am Weg zurück zum Auto ist.

Und tatsächlich: Nur ein Stück von Fucking entfernt liegt Hucking – Der Anfangsbuchstabe ist also das Pech.

Jahrelang ist Karl Moser als Busfahrer durch diese beiden Orte unterwegs gewesen: „Einerseits brachte der Name Probleme, andererseits machte es den Ort interessant. Die Einwohner müssen selbst wissen, was sie wollen.“

Und das ist offenbar Fugging. Neben den Ortstafeln müssen die Bewohner 2021 wohl aber auch eine weitere Tafel, die entlang der Straße steht, austauschen: Jene, die „Fuckinger Kartoffeln und Heidelbeeren“ anpreist.

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