Chronik | Oberösterreich
09.11.2013

Hitlers größter Wunsch blieb Fiktion

Für Hitlers Galerie in Linz trieben die Nazis ungeheuren Aufwand. Der Bau blieb aber Fiktion.

Ungefähr dort, wo heute das neue Linzer Musiktheater steht, hätte nach dem Endsieg ein Kunstmuseum von unvorstellbarer Größe entstehen sollen.

Während des Zweiten Weltkriegs trug ein eigens von Adolf Hitler beauftragter Sonderstab Tausende Kunstgegenstände für das Führermuseum in Linz zusammen. Bis zu 5000 Gemälde wurden im Rahmen des „Sonderauftrags Linz“ beschlagnahmt, erpresst und erworben. 1200 Werke bildeten den harten Kern. Für die Galerie auserkoren war nur „das Beste aus allen Zeiten“. Nach Hitlers Geschmack waren dies vor allem deutsche und österreichische Maler des 19. Jahrhunderts, aber auch alte Meister aus Holland, Italien und England.

Jugendfantasie

Den Wunsch nach einem Kunstmuseum in seiner Heimatstadt Linz hegte Hitler bereits in Jugendtagen. Schon als 16-Jähriger schilderte er seinem Freund August Kubizek Pläne für eine neue Donaubrücke, einen unterirdischen Bahnhof und eine Galerie. Jahre später, als Diktator, sah Hitler die Zeit gekommen, seine Jugendfantasie zu verwirklichen.

Zu Beginn des Krieges machten Hitlers Schergen reiche Beute durch die Beschlagnahmung jüdischer Sammlungen. In Wien bemächtigten sich die Nationalsozialisten zum Beispiel des Kunstbesitzes der Brüder Alphonse und Louis Rothschild. Um sich vor jedweder Konkurrenz aus den eigenen Reihen zu schützen, erließ Hitler den „Führervorbehalt“, der ihm das Verfügungsrecht über alle beschlagnahmten Kunstgegenstände sicherte.

Unbegrenzte Mittel

Der größte Teil der Kunstwerke für die nie errichtete Linzer Galerie stammte aber aus mehr oder weniger rechtmäßigen Ankäufen. Für das Lieblingsprojekt des Führers waren die Mittel schier unbegrenzt. Selbst als den Nazis langsam das Geld ausging, hielt Hitler am „Sonderauftrag Linz“ fest.

Seine Kunsteinkäufer verfügten über Sonderkonten in ganz Europa und gaben bis 1945 geschätzte 150 Millionen Reichsmark (nach heutigem Wert mehr als eine halbe Milliarde Euro) für den Bestand des nie erbauten Museum aus. Einer der Einkäufer des Führers war Hildebrand Gurlitt (1895–1956), Cousin von Wolfgang Gurlitt (siehe rechte Seite). Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Kunstschätze, die Hitlers Sonderstab im Lauf der Jahre zusammentrug, nie nach Linz kamen, sondern ab 1944 im Salzbergwerk von Altaussee vor den Bomben der Alliierten geschützt werden mussten (siehe unten).

Als die Amerikaner am 8. Mai 1945 den Bestand des fiktiven Linzer Museums im Bergwerksstollen sicherstellten und damit den ersten Schritt zur Restitution der Kunstwerke machten, war Adolf Hitler bereits acht Tage tot. Er hatte bis zum Schluss an der Idee der Galerie in seiner Patenstadt festgehalten. „Dass dieses Vermächtnis vollzogen wird, wäre mein größter Wunsch“, schrieb Hitler in sein privates Testament.

Der lange Weg von Hitlers Kunstschatz

Ein Stift als Kunstdepot. Der Bestand von Hitlers Museum befand sich zu keinem Zeitpunkt in Linz. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die Kunstwerke zum Großteil in München gelagert. Ab 1941 erschien den Nazis dieses Depot zu unsicher, worauf August Eigruber, Gauleiter von Oberdonau, das Stift Kremsmünster als Lagerstätte
ins Spiel brachte. „Als erstes Gebäude, welches für die Aufnahme der Kunstgegenstände am geeignetsten ist, schlage ich das Stift Kremsmünster vor. Es liegt im entlegenen Kremstal an einer vollkommen unwichtigen Bahnlinie (...)“, schrieb Eigruber
in einem Brief an Hitlers Sekretär Martin Bormann. Sein Vorschlag fand Gefallen. Zwischen August 1941 und November 1943 wurden insgesamt 1732 Gemälde vom Führerbau in München ins Stift Kremsmünster gebracht. Das Kloster war bereits am 4. April 1941 von den Nazis aufgehoben worden, Abt Ignaz Schachermair wurde des Gaus verwiesen.

Bombensicher. Kremsmünster sollte nur eine Übergangslösung sein. Ab 1944 wurde Hitlers Kunstschatz ins Salzbergwerk von Altaussee gebracht, wo er unter guten klimatischen Bedingungen und vor allem vor Luftangriffen sicher gelagert werden konnte. In den letzten Tagen vor dem Eintreffen der Amerikaner wollte Gauleiter Eigruber den Stollen sprengen. Sein Plan wurde in letzter Sekunde vereitelt. Mit dem „Finale in Altaussee“ befasst sich auch George Clooneys neuer Film „Monuments Men“.

Literatur: Birgit Kirchmayr: Sonderauftrag Linz., Zur Fiktion eines
Museums. In: Nationalsozialismus in Linz. Band 1. Hg. v. Fritz Mayrhofer und Walter Schuster. Linz 2001.