Die Börsen haben sich nach dem ersten Crash leicht erholt

© APA/AFP/CHARLY TRIBALLEAU

Gastkommentar
04/08/2020

Historische Börsen-Tage

Nicht alle Aktien verkaufen, aber auch nicht voll investiert sein. Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investmentgesellschaft, rät zum Mittelweg.

Der größte Tagesgewinn, der größte Tagesverlust, die rasanteste Korrektur – seit 2008, seit 1987 oder seit den 1930er-Jahren? Wie kann es weitergehen? Der ökonomische Effekt der Corona-Krise ist seriös noch nicht berechenbar. Ob die Wirtschaftsleistung in diesen Monaten nun in Prozenten hoch einstellig oder doch tief zweistellig einbricht, wird sich weisen. Wenn Unternehmer nicht klar sagen können, wie der Gewinn 2020 ausfallen wird, dann sollten Börsianer auch zugeben, nicht klar sagen zu können, ab wann der Aktienmarkt dann „billig“ ist. Wenn die Nebel sich aber lichten, dann wird die Börse – so wie immer – Unternehmen nicht nach dem Gewinn der kommenden drei Monate, sondern vielmehr nach dem Gewinn der kommenden drei oder fünf Jahre bewerten.


Das Zusammenspiel der Notenbanken mit der Politik ist auch historisch einzigartig. Alleine die G20-Nationen haben im Verlauf des März Unterstützungspakete in Höhe von etwa 5.000 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Wo liegt die Grenze der Aktionen, die ein zur Wiederwahl anstehender US-Präsident gemeinsam mit der Notenbank entwickeln kann? „The sky is the limit.“

Den Mittelweg gehen

Und genau dies ist die tägliche Entscheidungszwickmühle. Was gewichte ich höher? Das massiv negative makroökonomische Umfeld – oder doch die Unterstützungspakete und die Geldschwemme. Führende Virologen, die Politik, die Unternehmer, alle mussten Ihre Aussagen im Laufe der letzten Wochen revidieren. Börsianer dürfen das auch. Und wenn es Pro und Contra gibt, kann auch ein Mittelweg die logische Antwort sein. Die Aktienquote voll ausnützen? Nein. Dazu ist der Bandbreite der möglichen Entwicklungen zu hoch. Den Aktienmarkt zur Gänze verlassen? Nein. Gerade wenn die Nacht am dunkelsten ist, dann ist der Morgen nahe. Sachwerte, wie eben Unternehmensbeteiligungen, machen strategisch Sinn. Auch jetzt. Auch wenn man sich mit Prognosen über eine „Welt nach Corona“ noch zurückhalten sollte. Eine These steht. Zinsen für sparbuchähnliche Veranlagungen werden wir in diesem Jahrzehnt wohl nicht mehr sehen.

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