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Chronik Oberösterreich
12/05/2011

Hausbetreuer, Sprachpass und Stadtpolizei

21,1 Prozent Migranten aus Nicht-EU-Ländern leben in Traun. Ob das funktioniert? Der KURIER hörte sich um.

von Michael Petermair

Mit 21,1 Prozent hat Traun österreichweit den höchsten Anteil von Migranten aus Nicht-EU-Ländern. Kein Wunder, dass in der Multikulti-Hochburg das Thema Integration seit Jahren heiß diskutiert wird. In zwei von Bürgermeister Harald Seidl (SP) einberufenen Arbeitskreisen - Stadtentwicklung und Bildung - wurde nun versucht, Probleme aufzuzeigen und Lösungen zu suchen.

Erster Schritt: Ab Frühjahr 2012 wird es in Traun einen "Hausbetreuer" geben, der eigens für große Wohnanlagen mit hohem Ausländeranteil zuständig ist. Seidl: "Diese Person ist kein Hausmeister, sie muss sozial ausgebildet sein", sagt Seidl.

Wenn zum Beispiel jemand neu einziehe, müsse der Betreffende sofort auf die gesellschaftlichen Regeln aufmerksam gemacht werden. Seidl setzt außerdem in Zukunft noch stärker als bisher auf "seine", zwölf Mitglieder starke Stadtpolizei. "Wir wollen vermehrt darauf schauen, dass sich keine Jugendbanden bilden", so der Bürgermeister.

Rucksack-Projekt

In puncto Bildung startet ab November in drei Trauner Kindergärten das "Rucksack-Projekt". "Dabei werden die Eltern intensiv miteinbezogen. Und sobald ein Bub oder Mädchen in den Kindergarten kommt, überprüfen wir die Sprachkenntnisse. Mir schwebt ein eigener Sprachpass vor", sagt Trauns Vizebürgermeisterin Renate Prammer. Weiters fordert die SP-Politikerin zwei zusätzliche Einrichtungen für Kinderbetreuung im Zentrum und im Stadtteil St. Martin. Ob das alles ausreicht?

Der KURIER hörte sich in Traun um. Daniela Egri kann zum Beispiel dem Zusammenleben verschiedener Kulturen nichts abgewinnen. "Wir wohnen seit acht Jahren in der Roithner Straße. Und wir wollen weg. Es ist leider so, dass viele Migranten nur das machen, was sie wollen." Gottfried Sanglhuber, der seit 20 Jahren in Traun lebt, sieht das Ganze gelassener. "Man muss halt aufeinanderzugehen." Auch Linde Schartner, Chefin des Stadtcafés, ist positiv gestimmt. "Der Charakter eines Menschen ist entscheidend, nicht seine Herkunft." Aber: "Wer hier leben will, muss auf jeden Fall Deutsch sprechen können."

Und wie sehen Migranten das Zusammenleben in Traun? Serdar Özden, der einen Imbiss im Zentrum besitzt, hat bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. "Ich bin noch nie beschimpft worden. Ich lebe gerne hier." Gestern, Samstag, eröffnete er sein zweites Lokal. In Braunau. Direkt beim Geburtshaus von Adolf Hitler. "Ich bin gespannt, ob die Leute dort auch so freundlich zu mir sind."

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