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Linz
12/09/2013

Gutachter fällt vernichtendes Urteil über Linzer Swap-Deal

Finanzexperte stuft Franken-Zinswette als hochspekulativ, kaum beherrschbar und intransparent ein.

von Jürgen Pachner

Ein derartiges Produkt hat in der öffentlichen Hand nichts verloren, dafür hab’ ich überhaupt kein Verständnis“, sagte der Sachverständige Christian Imo am Montag über den verhängnisvollen „Swap 4175“. Der Experte war von der Staatsanwaltschaft mit der Analyse des zwischen der Stadt Linz und der Bawag P.S.K. abgeschlossenen Deals beauftragt worden.

Im Strafprozess gegen Ex-Finanzstadtrat Johann Mayr und Ex-Finanzdirektor Werner Penn präsentierte Imo dem Schöffensenat ein 400 Seiten umfassendes Gutachten. Wie berichtet, müssen sich beide Angeklagte seit 2. Dezember wegen des Verdachts der Untreue im Linzer Landesgericht verantworten.

„Das Verlustpotenzial dieses Swap ist gigantisch“, betonte Imo. Seiner Ansicht nach ist das Produkt „in hohem Maß intransparent, hochspekulativ und kaum beherrschbar“. Äußerlich sei der Swap-Deal ein Zinstauschgeschäft, inhaltlich verberge sich dahinter aber eine Devisenoptionsstruktur mit insgesamt 21 exotischen Optionen. Imo: „Bei dieser Produktstruktur ist eine Überschaubarkeit nicht gegeben.“ Der Gutachter stuft das Chancen-Risiko-Verhältnis für die Stadt mit 1:14 ein. „Es geht hier um komplexeste Angelegenheiten, die nur von wenigen Spezialisten beherrscht werden können.“ Voraussetzung dafür wäre ein aktives professionelles Risikomanagement gewesen, das der Stadt aber nicht zur Verfügung stand. Laut Imo sei Penn nur „eine One-Man-Show“ gewesen, die „von Derivat-Produkten keine Ahnung“ gehabt habe.

Schon von Beginn an sei der Swap in krassem Gegensatz zu einem fairen Marktpreis gestanden. „Das Produkt ist mit einem Negativwert von 20 bis 21 Millionen Euro gekauft worden.“ Penn sei der Marktwert allerdings nicht mitgeteilt worden.
Das Geschäft habe jedenfalls nichts zur Optimierung des Portfolios der Stadt beigetragen – eher im Gegenteil. Für sie sei das theoretische Risiko unbegrenzt und die Gewinne begrenzt gewesen. Bei der Bawag habe sich das genau umgekehrt verhalten.

Gelächter

Die im Verhandlungssaal anwesenden Bawag-Anwälte fielen während Imos Ausführungen mehrfach durch lautes Gelächter und Kommentare auf. Richter Oliver Schoßwohl wurde es schließlich zu bunt, er ermahnte sie und rief sie zur Ordnung.
Auf Ex-Bawag-Vorständin Regina Prehofer als Zeugin wurde verzichtet. Sie hatte angekündigt, sich wegen laufender Ermittlungen ihrer Aussage zu entschlagen.

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