Stromverbrauch von 100.000 Haushalten: Spatenstich für Google-Rechenzentrum

100 Arbeitsplätze am Campus, ein Boost für die Region und 13.000 bereits gepflanzte Bäume: Was das Google-Rechenzentrum in Kronstorf bewirkt.
Großer Industriekomplex mit begrünten Dächern, umgeben von Feldern, Straßen und vereinzelten Bäumen.

Die Anfänge des Mega-Projekts liegen viele Jahre zurück: Es war 2007, als das erste Mal Gerüchte in der oberösterreichischen Gemeinde Kronstorf umgingen, dass Vertreter eines großen internationalen Konzerns in der Gegend unterwegs seien.

"Bei einer ersten groben Einigung legte einer der Verantwortlichen seine Visitenkarte auf den Tisch und sagte: We are Google", erinnert sich der Kronstorfer Bürgermeister Christian Kolarik.

Fast 20 Jahre später erfolgt nun auf dem rund 50 Hektar großen Gelände der offizielle Spatenstich für ein Rechenzentrum, das dem Bundesland, der Region und den Gemeinden auf mehreren Ebenen einen Turbo in Sachen Entwicklung geben soll.

100 neue Arbeitsplätze vor Ort

Nach der Fertigstellung 2027 soll die Anlage rund 100 Arbeitsplätze direkt in der Region schaffen, zusätzlich ist von mehreren tausend neuen Jobs durch Zulieferbetriebe die Rede. Jenes in Kronstorf ist übrigens das 37. Google-Rechenzentrum weltweit, das 11. in Europa und das 1. in Österreich.

Reihen von Serverracks mit vielen bunten, leuchtenden LEDs in einem modernen Rechenzentrum.

Der Stromverbrauch des Datenzentrums wird enorm hoch sein.

Im Vorfeld gab es immer wieder Kritik am enormen Stromverbrauch der neuen Anlage: Die Rede ist von einem Bedarf in der Höhe von 100.000 privaten Haushalten pro Jahr, so eine grobe Einschätzung. Zum Vergleich: In Oberösterreich gibt es knapp 676.000 Haushalte.

Grüne Dächer & Photovoltaik

Bis 2030 soll das Rechenzentrum mit CO2-freier Energie betrieben werden. Das begrünte Dach mit Photovoltaikanlage wird direkt Energie zur Versorgung der Anlage beisteuern, natürlich in überschaubarem Ausmaß. Über die Gesamtkosten des Projekts breitet der Konzern den Mantel des Schweigens.

Was hingegen gerne erzählt wird, ist, wie sich das Unternehmen über die wirtschaftliche Seite hinaus in die Region einbringen will: "Wir werden bald ein Informationszentrum in Kronstorf eröffnen, dort können sich Interessierte über die geplante digitale Infrastruktur informieren", erklärt Christine Antlanger-Winter, Managing Director für Google in Österreich und der Schweiz. Die gebürtige Oberösterreicherin spricht außerdem davon, dass "wir ein guter Nachbar sein wollen", mit Sichtbarkeit und Engagement in den Gemeinden und viel Nachhaltigkeit.

Wir wollen ein guter Nachbar sein, mit Sichtbarkeit und Engagement in den Gemeinden und viel Nachhaltigkeit.

von Christine Antlanger-Winter

Managing Director für Google in Österreich und der Schweiz

Das Rechenzentrum wird mit dem Wasser des Ennsflusses gekühlt. Das führte anfänglich zu Befürchtungen, dass sich die Enns zu stark erwärmen könnte. Dem steht nun eine Gutachterstudie entgegen: Je nach Berechnung wird sich die Enns um 0,001 bis 0,005 Grad erwärmen. Laut Google wird für die Wasserentnahme das Uferfiltrat der Enns genutzt, wobei es strenge Grenzwerte für Qualität, Menge und Temperatur der Einleitung gibt.

Finanzpolizei stellte Verstöße fest

Streng oder besser korrekt war übrigens auch die Finanzpolizei, die der Baustelle Mitte März einen Besuch abstattete und bei 31 Arbeitern immerhin 26 Verstöße gegen sozialversicherungsrechtliche Bestimmungen, eine gewerberechtliche Übertretung sowie vier Verstöße nach dem Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz festgestellt hatte.

Der Konzern reagierte flott, verhängte einen temporären Baustopp und initiierte einen Compliance-Prozess für das verantwortliche Subunternehmen. Google-Managerin Antlanger-Winter dazu: "Es ist für uns entscheidend, dass alle Regeln und Vorschriften eingehalten werden." Nun geht es also richtig los mit der Großbaustelle.

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