Gesundheit: Lange Wartezeiten, viele private Kosten
Josef Ertl
Der Mühlviertler Dame müssen im Oberkiefer alle Zähne ersetzt werden, Ursache ist eine vererbte Zahnfleischschwäche. Die Kosten von 18.000 Euro muss sie vollständig aus der eigenen Tasche berappen, es gibt keine Zuzahlung von der Gesundheitskasse. Der Wahlarztbesuch kostet den Patienten 61,80 Euro, die Gesundheitskasse erstattet ganze 3,75 Euro.
Das, was der Linzer Gesundheitsökonom Gerald Pruckner prognostiziert, ist längst Realität: lange Wartezeiten auf Operationen und bei Ärzten, steigende private Zuzahlungen und Leistungsreduzierungen. Die älter werdende Bevölkerung und die Kostensteigerungen der immer besser werdenden Medizin werden die Lage weiter verschärfen. Kaum ein Politiker, ein Sozialversicherungs- oder Ärztevertreter spricht darüber, denn es geht um unangenehme Wahrheiten. Sie interessiert primär, wie sie ihren Anteil am Milliardenkuchen Gesundheit irgendwie abdecken oder ihn sich sichern können. Der Grundsatz, alle Leistungen sofort und kostenlos, gilt vielleicht noch für Notfälle, aber es ist kein allgemeines Prinzip mehr.
Die Menschen haben das längst begriffen, denn sie erleben das tagtäglich. Sie nehmen die Entwicklung hin, weil ihnen die Gesundheit wichtig ist und die Belastungen noch erträglich sind. Aber es werden Grenzen erreicht werden. Vor allem die sozial Schwächeren sind in Gefahr, medizinisch schlechter behandelt und Patienten zweiter Klasse zu werden. In der Gesundheit wie auch in der Pfleger erwarten die Gesellschaft noch harte Diskussionen.
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