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Chronik Oberösterreich
10/03/2021

Gerupfte Titelverteidiger und viele Herausforderer

In mehr Gemeinden denn je wird die Nummer 1 erst im direkten Duell gekürt. Die Herausforderer lieferten so manche Überraschung und haben gute Chancen auf das Bürgermeisteramt. Von Gerhard Marschall.

Oberösterreich hat gewählt. In 362 der 438 Kommunen steht fest, wer sich Bürgermeister oder Bürgermeisterin nennen darf. In den übrigen 76, so vielen wie noch nie, kommt es am kommenden Sonntag zur Stichwahl. Eine Auswahl spannender Zweikämpfe.

Erbfolge abgeschafft

Auch in der Kaiserstadt Bad Ischl (Bezirk Gmunden) ist die Erbfolge abgeschafft. Vor zwei Jahren verabschiedete sich der Sozialdemokrat Hannes Heide, Bürgermeister seit 2007, in Richtung EU-Parlament. Zur Nachfolgerin wählte der Gemeinderat seine Lebensgefährtin Ines Schiller. Der darob enttäuschte Hannes Mathes gründete die Liste „Zukunft Ischl“, die ÖVP überließ ihm kampflos das Feld. So schaffte der ehemalige SPÖ-Landesgeschäftsführer von Salzburg aus dem Stand 36,6 %. Schiller verlor schwer und kam auf 37,6 %. Im Gemeinderat steht es zwischen den beiden Lagern jetzt 13 zu 13.

FPÖ-Chef Anton Fuchs mag für die Stichwahl keine Wahlempfehlung abgeben: „Ganz egal, man wählt auf jeden Fall einen Roten.“ Also könnten die zur zweitstärksten Fraktion aufgestiegenen Grünen den Ausschlag geben. 2024 soll Bad Ischl Europas Kulturhauptstadt sein, doch die Vorbereitungen laufen nicht rund. Vor kurzem wurde die künstlerische Leitung ausgewechselt. Inwieweit sich die politischen Verwerfungen auf das Projekt auswirken werden, muss sich weisen.

Vergleichsweise stabil sind die Verhältnisse in der Landeshauptstadt Linz, wo gleich elf Gegenkandidaten eifrig, aber vergebens am Sessel von Bürgermeister Klaus Luger sägten. Der Sozialdemokrat gewann klar mit 43,7 %. Kontrahent im Stechen ist trotz Verlusten Bernhard Baier (ÖVP/16,4 %).

Attersee

Nach dem Rückzug von Bürgermeister Walter Kastinger (SPÖ) kurz vor der Wahl wurden in der Salzkammergutgemeinde Attersee (Vöcklabruck) die Gewichte komplett neu verteilt. Sein designierter Nachfolger Erwin Emhofer (16,5 %) fiel durch, der Grüne Rudolf Hemetsberger (34,9 %) und Philipp Weissenbrunner (ÖVP/31,2 %) stehen im Finale.

Feldkirchen/D.

In Feldkirchen an der Donau (Urfahr-Umgebung) folgte im Jänner auf Bürgermeister Franz Allerstorfer (SPÖ) Sohn David, der Vaters satte Mehrheit aber nicht verteidigen konnte (42,4 %). Die einstige Miss Austria und TV-Moderatorin Sabine Lindorfer in Diensten der ÖVP legte kräftig zu (37 %) und möchte First Lady werden.

Freistadt

Die jüngsten Turbulenzen innerhalb der ÖVP Freistadt wirken nach. Stadtrat Dietmar Weinziger schmiss im Juni hin und kandidierte auf der SPÖ-Liste. Bürgermeisterin Elisabeth Teufer fuhr ein herbes Minus ein, kam nur auf 36,3 % und muss sich gegen Christian Gratzl (SPÖ/32,7 %) behaupten.

Gallneukirchen

Nur kurz konnte sich in Gallneukirchen (Urfahr-Umgebung) Bürgermeister Helmut Hattmansdorfer (ÖVP) über den fliegenden Seitenwechsel von FPÖ-Chef Josef Mitterhuber freuen. Er verlor dennoch deutlich (38,1 %) und muss gegen Josef Wall-Strasser (SPÖ/46,3 %) um das Amt bangen.

Gaspoltshofen

Erst aus der Landesregierung geflogen und jetzt auch noch die kommunale Demütigung – schlechte Zeiten für FPÖ-Mann Wolfgang Klinger. Seit 2003 Bürgermeister von Gaspoltshofen (Grieskirchen), wurde er in der Folge zweimal im ersten Wahlgang bestätigt. Dieses Mal büßte er ein Viertel der Stimmen ein, kam auf nur 49,7 % Prozent und muss gegen Johannes Höftberger (ÖVP/34,1 %) antreten.

Gosau

Am Fuße des Dachsteins ist eine politische Lawine abgegangen: Das seit eh und je rote Gosau (Gmunden) ist fortan mehrheitlich schwarz. Jetzt geht es darum, ob die ÖVP in der 1.800-Einwohner-Gemeinde auch den Bürgermeistersessel erobern kann. Markus Schmaranzer (38,1 %) geht mit einigem Vorsprung in das Match gegen SPÖ-Amtsinhaber Friedrich Posch (29,5 %).

Grieskirchen

ÖVP-Bürgermeisterin Maria Pachner, vor sechs Jahren in der Bezirksstadt Grieskirchen noch auf Anhieb Wahlgewinnerin, schaffte das diesmal mit 48,9 % knapp nicht und muss gegen Franz Pointinger (FPÖ/19,8 %) in die zweite Runde.

Ottnang

In der Hausruckgemeinde Ottnang (Vöcklabruck) hat Peter Helml (35 %) gegen Amtsinhaber Friedrich Neuhofer (ÖVP/32,3 %) die Chance, für die SPÖ den vor sechs Jahren verlorenen Bürgermeister zurückzuerobern.

Peuerbach

Wolfgang Oberlehner ist seit 20 Jahren Bürgermeister, zuerst nur von Peuerbach (Grieskirchen) und auch nach der Zusammenlegung mit Bruck-Waasen 2018. Die Fusion hat die Stadt zwar auf fast 4.700 Einwohner anwachsen lassen, aber die Gegner bis heute nicht überzeugt. Ausdruck dessen ist die Liste „Gemeinsame Zukunft Bruck-Waasen Peuerbach (GZBWP)“. Deren Kandidat Roland Schauer schaffte auf Anhieb 36,6 % und misst sich jetzt mit Oberlehner (41 %).

Ried/I.

In Ried im Innkreis stand der Abgang von Langzeitbürgermeister Albert Ortig (ÖVP) fest, erfolgte dann aber doch eher überstürzt. 39,2 % für den potenziellen Nachfolger und Newcomer Bernhard Zwielehner sind somit respektabel, FPÖ-Mann Thomas Dim kam mit 21,7 % auf Platz zwei. Keine große Rolle spielte im Wahlkampf bisher die Affäre um das städtische Energieunternehmen: Die ehemalige Geschäftsführung soll an die E-Control jahrelang falsche Zahlen gemeldet und so zu Unrecht Millionen kassiert haben. Alle Parteien sind im Aufsichtsrat vertreten, auch Zwielehner und Dim.

Schärding

In der Innstadt Schärding konnte sich Franz Angerer (ÖVP), seit 18 Jahren im Amt, nicht auf Anhieb durchsetzen. Er fuhr im ersten Durchgang 44,2 % ein, es kommt zur Neuauflage des Duells mit SPÖ-Herausforderer Günter Streicher (34,4 %). 

Vöcklabruck

Missglückte Staffelübergabe in der Bezirksstadt Vöcklabruck: Erst Ende des Vorjahres zog sich Herbert Brunsteiner (ÖVP) als Bürgermeister zurück. Nachfolgerin Elisabeth Kölblinger verlor die Hälfte des Erbes, kam nur auf 34,6 % und muss gegen Peter Schobesberger (SPÖ/35,8 %) rittern.

Eggelsberg

In etlichen Gemeinden gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Etwa in Eggelsberg (Braunau), wo einander Amtsinhaber Kurt Resl (ÖVP/44,1 %) und Herausforderer Josef Maislinger (FPÖ/44,6 %) gegenüberstehen.

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