Chronik | Oberösterreich
02.02.2013

„Er war ein braver, ruhiger Bub“

Der neue Inter-Mailand-Legionär Mateo Kovacic (18) spielte Schülerliga für die SHS Kleinmünchen.

Er ist sehr schnell, sehr jung, sehr vielseitig und passt perfekt zu uns“, sagt Massimo Moratti, der mächtige Eigentümer und Präsident von Inter Mailand auf der Homepage des Klubs (www.inter.it). Mateo Kovacic, die 18-jährige Neuverpflichtung der „Nerazzurri“, hat es dem 67-jährigen Öl-Tycoon ordentlich angetan. Um elf Millionen Euro holte Inter den jungen Kroaten, der bereits mit Real-Madrid-Star Luka Modric verglichen wird, von Dinamo Zagreb in die Modemetropole Mailand.
Dass Kovacic viel fußballerisches Talent hat, erkannte schon Hans Freudenthaler, der einst Lehrer von Mateo in der SHS Kleinmünchen war. „Wir waren uns sicher, dass er groß rauskommen wird“, sagt der jetzige Leiter des LAZ Linz. Warum Kovacic in Oberösterreich zur Schule ging, ist leicht erklärt. Seine Eltern sind 1991 ausgewandert und fanden in der Landeshauptstadt eine neue Heimat – vorübergehend. Der neue Inter-Legionär spielte im Nachwuchs des LASK und führte die SHS Kleinmünchen als Kapitän zu mehreren Schülerliga-Titeln.

Gegen ÖFB entschieden

Bereits in jungen Jahren entschied sich Kovacic (besser gesagt sein Vater) für den kroatischen Verband. Dort durchlief der Bursche sämtliche Nachwuchs-Nationalteams, derzeit ist er in der U21-Mannschaft des Landes aktiv. Der Österreichische Fußballbund (ÖFB) schaute durch die Finger. „Es ist natürlich ewig schade, so ein großes Talent zu verlieren, aber dagegen ist man machtlos“, betont ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner.

In Linzer Zeiten hatte der offensive Mittelfeldspieler einen kongenialen Trainingspartner, den Bad Haller Christian Derflinger, der mittlerweile einen Vertrag bei Bayern München hat. „Die beiden haben sich gegenseitig zu Höchstleistungen angetrieben. Ich weiß noch, dass die beiden Väter nicht gerade die besten Freunde waren“, erinnert sich Ralf Ruttenstock, der damalige Trainer der zwei Ausnahmetalente. Kovacic sei sehr wissbegierig, ordentlich und in allen Fächern in der ersten Leistungsgruppe gewesen. „Er war ein ganz lieber, braver und ruhiger Bub“, so Pädagoge Freudenthaler.

Vor Krieg geflüchtet

Im Fußball habe er in jeder Übungseinheit alles aufgenommen. Ruttenstock: „Mateo war weder aufbrausend noch großkotzig.“ So fiel es dem damals 13-jährigen Kovacic auch nicht allzu schwer, sich rasch in der Jugendabteilung von Dinamo Zagreb zurecht zu finden. Seine einst vor dem Krieg am Balkan geflüchtete Familie kehrte nämlich 2007 zurück. „Es war immer klar, dass seine Familie nicht in Österreich sesshaft bleiben würde“, sagt Freudenthaler. Seine ersten Treffer für Dinamo in der ersten kroatischen Liga erzielte Kovacic 2010 – mit 16 Jahren. Er wurde damit zum jüngsten Torschützen in der Geschichte des Vereins.

Mit Dinamo holte der ehemalige SHS-Kleinmünchen-Schüler zwei Meistertitel, nun erfüllt sich für ihn ein Traum. „Als ich noch ein kleiner Bub war, hat Inter Mailand viele Titel gewonnen. Dass ich jetzt zu so einem Klub wechsle, ist unglaublich. Ich kann meine Gefühle im Moment nicht beschreiben“, ist Kovacic begeistert.

Stolze Ablösesumme

Der geniale Spielmacher unterschrieb einen Vertrag bis zum Jahr 2017. Bei entsprechend guter Entwicklung könnte sich die Ablösesumme laut der italienischen Tageszeitung Gazzetta dello Sport (www.gazzetta.it) auf bis zu 15 Mio. Euro erhöhen.