Der Arbeitstag der Paketzusteller beginnt in den frühen Morgenstunden im Verteilerzentrum

Der Arbeitstag der Paketzusteller beginnt in den frühen Morgenstunden im Verteilerzentrum

© juerg christandl

Chronik Oberösterreich
12/09/2018

Eine Million Pakete pro Woche zugestellt

110.000 Pakete pro Tag stellt vor Weihnachten alleine die Post zu. Mehr als 600 Mitarbeiter arbeiten sechs Tage bis zu elf Stunden.

von Michaela Greil

„Wenn ich Pakete zustelle, gehe ich 20.000 bis 22.000 Schritte pro Tag, das sind zirka 15 Kilometer“, sagt Willi Kapfer, Zusteller bei der Post. Jeder Schritt zählt, denn durch die steigende Anzahl von Bestellungen im Internet haben Paketdienste vor Weihnachten jedes Jahr mehr zu tun. „Trotz Einstieg der Mitbewerber haben wir mehr Pakete als je zuvor“, sagt Christian Schlager, stellvertretender Regionalleiter der Post für Oberösterreich und die Steiermark.

Frühaufsteher

Im Schnitt liefert ein Zusteller alle drei Minuten mindestens ein Paket aus. Kapfers Arbeitstag beginnt um 5.30 Uhr mit dem Sortieren der Pakete im Verteilerzentrum in Allhaming. Wenn der Lieferwagen voll ist, geht das Verteilen los. Auf seiner Route legt er zwischen 100 und 120 Stopps bei Empfängern ein, um Pakete abzugeben. „In der Vorweihnachtszeit sind es sogar 160 bis 170 Stopps“, sagt er. Zusteller, die an Firmen liefern, kommen dann auf über 300 Pakete pro Tag. Eine Sechstage-Woche mit zehn bis elf Stunden pro Tag sind vor Weihnachten üblich. „Oft freuen sich die Empfänger auf das Paket. Das mitzuerleben, ist schön.“

Die Post ist immer noch Marktführer beim Bearbeiten von Paketsendungen. „Wir rechnen in Oberösterreich mit rund 18,2 Millionen zugestellten Paketen in diesem Jahr. Das sind rund 73.000 Pakete pro Tag, wobei alleine im Dezember zirka 110.000 Pakete pro Tag zugestellt werden“, sagt Kathrin Schrammel von der Post AG. „In Oberösterreich sind mehr als 600 Mitarbeiter einzig mit der Paketzustellung beschäftigt.“ Im ländlichen Bereich liefert meist eine Person Briefe und Pakete. „In der Vorweihnachtszeit nehmen wir zusätzlich Mitarbeiter auf. Außerdem arbeiten wir mit Subunternehmern zusammen.“

Mitbewerber

Der Paketdienst DPD ist immerhin mit 22 bis 24 Prozent Marktanteil bei den Paketen in Oberösterreich vertreten. „Wir stellen hier rund zehn Millionen Pakete inklusive Samstagsservice zu“, sagt Rainer Schwarz, Geschäftsführer von DPD Austria. Das entspricht rund 20 Prozent der gesamten DPD-Paketmenge in Österreich. Die vorweihnachtlichen Lieferungen für den Einzelhandel starten bereits mit Anfang September. „Durch Umtausch und Retoursendungen von privaten Online-Bestellungen geht die Hochsaison bis in den Jänner hinein.“ Rund 70 Prozent der online bestellten Pakete kommen laut Schwarz aus dem Ausland, vorwiegend aus Deutschland. Das habe damit zu tun, dass viele große Anbieter ihren Sitz im Ausland haben.

220 bis 230 oberösterreichische Zusteller arbeiten direkt für DPD. Für viele Mitarbeiter von DPD von 14 Subunternehmen wie der Leondinger Seebacher GmbH beginnt die Arbeit bereits um 5 Uhr morgens in den Depots in Hörsching. Andere erledigen die Abendzustellung zwischen 15 und 19 Uhr in Urfahr und dem Linzer Frachtenbahnhof. „Wir haben 45 bis 50 von mehr als 100 Fahrzeugen pro Tag alleine in Linz und Umgebung auf den Straßen, um Pakete auszuliefern“, sagt Geschäftsführer Jürgen Kramer. „Ein Fahrer stellt vor Weihnachten pro Tag 170-180 Pakete zu.“ Bis zu 55 Stunden Arbeit pro Woche sind für diese Angestellten nicht ungewöhnlich.

Verkehrsproblem

Dass dieses enorme Paketwachstum vor und nach Weihnachten auch zur Belastung des Straßenverkehrs führen kann, bestätigen sowohl Post als auch DPD. „Wir wollen demnächst eine Studie in Auftrag geben, um den Ist-Stand analysieren und darauf reagieren zu können“, sagt Kathrin Schrammel von der Post. Bisher gebe es solche Studien für österreichische Verhältnisse noch nicht. „Die Fragen sind, wie viel Verkehr die Logistik tatsächlich verursacht und wie man ihn noch reduzieren kann.“ Herausforderungen in der E-Mobilität seien die fehlende Reichweite in ländlichen Gebieten und zu steile Zufahrten.

Glöckl (DPD) meint dennoch, „die E-Mobilität wird sich durchsetzen“. Drei E-LKWs sind bereits in Linz und Wels im Einsatz. Ein Problem ergebe sich durch die Batterie, weil das Ladegewicht und die Reichweite verringert werden. „Ohne Unterstützung von der Politik und den Kommunen wird es nicht gehen“, sagt er. Im Moment würde laut Kramer und Glöckl jede Lösung Richtung gemeinsamer Logistik mehr Verkehr bedeuten, weil die Fahrzeuge ohnehin voll beladen unterwegs sind und somit kein Freiraum für Zusammenlegungen bleibt.

Abholstationen

„Wir investieren in den Ausbau von Empfangsboxen und Abholstationen“, sagt Schrammel. Die videoüberwachten Abholstationen sind optisch den altbekannten Schließfächern ähnlich und rund um die Uhr zugänglich. Meist stehen sie im Selbstbedienungsbereich einer Postfiliale, selten auch im Freien.

Wer bei der Zustellung nicht zu Hause ist, sollte einen Zettel mit dem Hinweis auf die Filiale oder die nahe gelegene Abholstation bekommen, in der sich das Paket befindet. „Man kann auch jemanden hinschicken, der das Paket abholt. Dieses System funktioniert ganz gut und wird kaum missbraucht.“ Den Abholservice unabhängig von den Öffnungszeiten der örtlichen Filiale schätzen vor allem Berufstätige sehr. Für manche Menschen stellt die Verwendung dieses neuen, digitalen System allerdings eine Hürde dar. Ein Kunde meint: „Dafür braucht man eine Einschulung.“

Tatsächlich gibt es eine kleine, simple Gebrauchsanweisung am Gerät. In wenigen Schritten kommt der Empfänger zu seinem Paket: Zuerst muss er mit einem Finger den Bildschirm berühren und auf „Sendung abholen“ drücken. Danach den Strichcode (Barcode) zum Lesegerät halten oder „Tastatureingabe“ drücken und die Nummer des Barcodes händisch eingeben. Nach geleisteter Unterschrift am Bildschirm als Empfangsbestätigung öffnet sich eine der vielen Boxen und der Kunde kann seine Sendung in Empfang nehmen. Am Schluss sollte die Box wieder geschlossen werden.

Damit ein Paket rechtzeitig unter dem Christbaum liegt, sollte es als Inlandssendung bis am Mittwoch, 19. Dezember aufgegeben werden. „Expresszustellungen, sogenannte EMS-Sendungen, sind auch noch am 21. Dezember möglich“, sagt Hermann Dorr, Leiter des Post-Paketverteilerzentrums in Allhaming.

„Eine Bestellung im Internet geht sich wahrscheinlich bis 16. Dezember aus. Das Problem ist, dass Sie nicht wissen, wo die Ware tatsächlich gelagert wird und wie lange der Weg wirklich ist“, meint Roland Glöckl vom Paketdienst DPD. Kapfer sagt: „Wir bemühen uns, jeden Tag alle Pakete zuzustellen. Wir fahren vor Weihnachten bis am 24. Dezember um 13 Uhr.“ DPD liefert hingegen bis einschließlich 21. Dezember, mit üblichem Samstags-Aufpreis auch am 22. 12.

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