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Grippe-Impfung
10/18/2015

Ein kleiner Pieks mit großer Wirkung

Laut Medizinern sind die Risiken gering, der Nutzen aber hoch – für sich selbst und für andere.

von Claudia Stelzel-Pröll

Es geht wieder los: Herbstzeit ist Grippezeit. Ganz anders als bei grippalen Infekten ist die echte Grippe, auch als Influenza bekannt, eine echte Herausforderung für den menschlichen Körper. Dass die Grippe-Impfung besser ist als ihr Ruf, davon ist Primar Bernd Lamprecht, Leiter der Lungenheilkunde im AKH Linz, überzeugt.

Wann ist die richtige Zeit sich impfen zu lassen?

Lamprecht: Das ist genau jetzt, zwischen Ende September und Mitte November. Es dauert nämlich zwei bis drei Wochen, bis der Impfschutz gegeben ist. Wenn wir davon ausgehen, dass die erste Grippewelle wieder Ende Dezember, Anfang Jänner kommt, dann geht sich das gut aus.

Wer ist denn die Zielgruppe?

Zur Zielgruppe gehören vor allem ältere Menschen ab 60+. Im Alter wird nämlich die eigene Abwehrfähigkeit schwächer. Außerdem auch Kinder, Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma oder Diabetes. Es wurde festgestellt, dass bei diesen Personengruppen die Influenza einen schweren Verlauf nehmen kann. Außerdem wird auch Schwangeren zur Impfung geraten und ganz prinzipiell jedem, der sich schützen möchte.

Wer soll sich nicht impfen lassen?

Alle, die eine Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Impfstoffs, etwa Hühner-Eiweiß, oder eine angeborene Störung des Immunsystems haben.

Wie lange hält der Impfschutz?

Bei der Influenza leider immer nur ein Jahr lang. Da jedes Jahr, jeden Winter andere Virusstämme im Vordergrund stehen, muss die Impfung jährlich verändert und daher neuerlich geimpft werden. Die WHO und die europäische Arzneimittelagentur empfehlen eine spezielle Zusammenstellung von unterschiedlichen Virusstämmen, die Pharmaunternehmen orientieren sich in ihrer Produktion daran.

Wie sicher ist die Impfung?

Es muss ehrlich gesagt werden: Auch wer sich impfen lässt, hat keinen 100-prozentigen Schutz vor der Influenza, der Schutz liegt bei gesunden Menschen bei 80 bis 85 Prozent, bei älteren oder geschwächten Personen bei 40 bis 60 Prozent. Es bleibt also, Nutzen und Risiken abzuwiegen.

Und was wären die Risiken?

Es können leichte Reaktionen an der Impfstelle auftreten, es kann selten zu Kopf- und Muskelschmerzen kommen. Aber alles nicht vergleichbar mit den Begleiterscheinungen und Risiken einer Influenza.

Sind Sie selbst geimpft?

Natürlich, ich lasse mich jedes Jahr impfen. Zum eigenen Schutz und auch, um eine Übertragung auf andere zu verhindern, etwa auf Patienten oder Kinder. Für Menschen im Gesundheitswesen, in Pflegeeinrichtungen oder bei viel Personenkontakt empfehle ich die Grippeimpfung dringend.

Dabei hat die Impfung nicht unbedingt den besten Ruf, es kursieren viele Märchen und Mythen über plötzliche Dauerkrankheiten nach der Impfung.

Das stimmt, ich höre auch, dass Leute erzählen, sie seien trotz Impfung den ganzen Winter lang krank gewesen. Da werden oft grippale Infekte mit einer echten Influenza verwechselt. Natürlich schützt die Grippe-Impfung nicht vor grippalen Infekten, die meistens mit ein, zwei Tagen Ruhe und Schonung bewältigt werden können. Sie schützt aber vor der echten Influenza, die einen mehrere Tage ans Bett fesselt und mit hohem Fieber, starken Muskel- und Gelenksschmerzen und schlimmem Husten einhergehen kann. In manchen Fällen endet sie sogar tödlich.

Sterben in Österreich tatsächlich Menschen an einer Influenza?

Wir gehen davon aus, dass in Österreich pro Jahr rund 1000 Menschen an der echten Grippe bzw. deren Komplikationen sterben.

Kosten und teilnehmende Ärzte

Aktion. Grippe-Impfungen werden in Oberösterreich im Rahmen der jährlichen Grippe-Impfaktion durch die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse mit der niedergelassenen Ärzteschaft und durch den Magistrat Linz angeboten. Interessierte können ihren Arzt (Allgemeinmediziner, Kinderarzt, Internist) oder Apotheker nach der Teilnahme an der Grippe-Impfaktion fragen und mögliche Risiken abklären. Den Impfstoff (5 Euro) gibt’s in der Apotheke, bei Ärzten mit Hausapotheke sowie direkt bei den an der Aktion teilnehmenden Ärzten (10 Euro), die auch gleich impfen (gesamt 15 Euro). Nähere Infos auf www.ooegkk.at

Ausweis mitnehmen. Die Grippeimpf-Aktion gilt für OÖGKK-, SVB- und SVA-Versicherte. Bitte Impf- und Allergieausweis (wenn vorhanden) mitnehmen.

Die Grippeimpfung ist keine Krankenversicherungsleistung und muss daher selbst bezahlt werden.

Doppelt so häufig betroffen wie Erwachsene

Rotaviren, Pneumokokken, Sechsfach-Impfung, Zecken und Masern, Mumps, Röteln – wenn ein Kind in Österreich zwei Jahre alt wird, hat es meist schon jede Menge Impfungen hinter sich. "Da geht die Influenza-Impfung leider oft unter", erklärt Johannes Neugebauer, Kinderarzt in Eferding und Impfreferent der oö. Ärztekammer. Dabei seien Kinder doppelt so häufig von der echten Grippe betroffen wie Erwachsene.

Nicht nur Selbstschutz

"Die Durchimpfungsrate bei Influenza in Österreich beträgt ca. 10 Prozent, in Skandinavien liegt sie bei rund 80 Prozent". Das sei schade, denn geimpfte Kinder hätten nicht nur selbst einen Schutz, sondern würden dadurch auch ihre Familie schützen. Eine Übertragung auf Eltern oder Großeltern könne so verhindert werden. "Stellen Sie sich mal vor, ein Kind steckt die ganze Familie an. Die Eltern müssen mehrere Tage in Krankenstand gehen, das ist wirtschaftlich gesehen ein Wahnsinn", meint Mediziner Neugebauer.

Das sind alles Argumente, die für Impfgegner nicht zählen. In Internet-Foren und auf einschlägigen Plattformen kursieren wüste Verschwörungstheorien über die Risiken der Influenza-Impfung.

Neugebauer hält dagegen: "Die Impfung ist sinnvoll und gut verträglich, Kinder reagieren wie bei jeder anderen Impfung auch: vielleicht sind sie weinerlich, vielleicht schmerzt die Einstichstelle. Prinzipiell gibt es aber kaum Risiken." Die Symptome für die echte Grippe fallen bei Kindern ähnlich aus wie bei Erwachsenen (siehe Grafik unten), allerdings kann es öfter zu Komplikationen kommen.

Der Mediziner ist selbst gegen Influenza geimpft und legt dies auch seinen Angestellten nahe – nicht nur zum Selbstschutz, sondern auch, um die Infektionskette zu durchbrechen.

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