Im Homeoffice schafften sich viele einen Hund an

© Getty Images/iStockphoto/Anchiy/iStockphoto

Chronik Oberösterreich
04/18/2021

Ein echtes G’riss um Hund und Katz’

Tierheime und Züchter verzeichnen extrem hohe Nachfrage. Der Haustierkauf sollte aber gut überlegt werden

von Claudia Stelzel-Pröll

In einem halben Jahr, da sei es soweit. Da sehe man die Auswüchse dessen, was sich in den vergangenen Monaten bis jetzt abgespielt habe. Karin Binder leitet das Tierheim in Freistadt und wagt einen Blick in die Zukunft: „In ein paar Monaten sitzen jene Hunde bei uns, die unüberlegt und viel zu schnell angeschafft wurden. Nur weil vielleicht den Kindern langweilig war oder man selber so viel Zeit im Homeoffice verbracht hat.“

Alltagstauglich?

Sobald sich die Lebensumstände wieder ändern, die Menschen mehr unterwegs und auch auf Reisen seien, würde sich zeigen, wie gut der Hund, die Katze tatsächlich in den Alltag passt. „Deswegen schauen wir sehr genau, an wen wir unsere Tiere abgeben. Und auch wenn die Nachfrage zum Teil extrem hoch war, ist trotzdem nicht jeder mit einem Vierbeiner nach Hause gegangen.“

Manche der Abgewiesenen seien beleidigt gewesen und hätten sich eben anderweitig nach einem Hund umgesehen: „Der Welpenhandel aus dem Ausland boomt derzeit extrem. Es gibt sogar Internetseiten, auf denen man sich einen Hund nach Hause liefern lassen kann. Das ist wirklich absurd“, bringt es Karin Binder auf den Punkt. Natürlich wolle jeder einen Welpen, aber sobald die Tiere ein, zwei Jahre alt sind, „sind unerfahrene Hundebesitzer maßlos überfordert mit den Tieren“. Dass die Abrichteplätze immer wieder geschlossen waren, spiele dieser Überforderung in die Hände, so Binder: „Wenn wieder ein normales Leben stattfindet, werden die Tierheime bummvoll sein.“

Die extreme Nachfrage nach Jungtieren bestätigt auch Alexandra Lehner-Piesinger, Präsidentin des Austrian Beagle Clubs. „Es gibt bei allen Züchtern lange Wartelisten. Ich merke an den Gesprächen mit den Interessenten, dass sich für viele das Arbeitsleben generell umgestellt hat. Homeoffice und Hund lassen sich leichter vereinbaren.“ Der Beagle sei ein Meutehunde. Wenn also keine anderen Hunde zur Verfügung stehen, nimmt er die Menschen als seine Meute. „Es gibt aber natürlich Rassen, bei denen die fehlende Sozialisation mit anderen Hunden zum Problem werden kann“, so Lehner-Piesinger aus Steyr.

Seit zwei Jahren züchtet Katharina Leitner aus Gallneukirchen unter dem Namen „Amare feles“ Britisch-Kurzhaar-Katzen – eine Rasse, die sich derzeit großer Beliebtheit erfreut. Wer im Herbst oder Winter versuchte, ein Britisch-Kurzhaar-Kätzen zu erwerben, musste lange suchen. „Ich hätte beim letzten Wurf 20, 25 Kätzchen mehr verkaufen können, so groß war das Interesse.“

Alle vergeben

Wer sich für einen Wurf anmeldet, wird von Katharina Leitner zum Kennenlernen eingeladen: „Ich will wissen, wohin unsere Tiere kommen und ich habe Themen, die bei der Abgabe entscheidend sind: Etwa, dass die Tiere kastriert werden und bestenfalls drinnen gehalten werden.“

Der 3. Wurf steht kommende Woche an – wie zu erwarten, sind bereits alle Jungtiere vergeben.

Welches Tier passt zu mir?

Wer sich entschließt, ein Haustier aufzunehmen, muss vorab etliche Faktoren bedenken. Die Expertinnen und Experten in Tierheimen sind bei der Abklärung der Umstände genauso gerne behilflich wie Züchterinnen und Züchter.

Die wichtigsten Fragen vorab lauten:

  • Welches Tier, welche Rasse passt zu mir, zu uns? Nicht jeder Hund ist etwa für Kleinkinder geeignet, nicht jeder Hund kann zu langen Wanderungen mitgenommen werden. Nicht jedes Tier kann Halb- oder sogar ganze Tage alleine daheim bleiben, wenn die Menschen arbeiten sind.
  • Was passiert, wenn ich, wir verreisen oder krank werden und uns nicht (mehr) um das Tier kümmern können?
  • Sind sämtliche finanziellen Ausgaben für ein Haustier durchdacht und ins Haushaltsbudget eingerechnet (auch Tierarztbesuche)?
  • Haben wir, habe ich im Alltag genug Zeit, dem Tier – je nach Bedürfnis – entsprechend Aufmerksamkeit zu schenken, mich mit ihm zu beschäftigen?

"Nicht genug Hunde für heimischen Markt"

Wenn man Uschi Kasbauer kontaktiert, muss relativ klar sein, welche Hunderasse man denn gerne hätte: „Ja, ich suche dann nach den konkreten Vorgaben der Interessenten.“ Kasbauer hat sich im Laufe der Jahre ein großes Netzwerk an nationalen und internationalen Züchtern aufgebaut, und weiß deshalb genau, wo wann welcher Wurf ansteht. Sie vermittelte bereits Hunde in die österreichische Botschaft in New York und selbst Niki Lauda griff einst auf die Expertise der resoluten Dame zurück. „Was ich hier mache, ist legal und seriös. Wer interessiert ist, meldet sich bei mir an und dann mache ich mich auf die Suche. Die Vermittlung ist kostenlos und unverbindlich“.

Die Nachfrage sei im vergangenen Jahr stark gestiegen. „Es war aber schon früher so, dass die Züchter die Nachfrage nach Welpen nicht decken konnten. Durch die Grenzschließungen wurde nun der Welpenschmuggel  ein wenig eingedämmt“, so Kasbauer. Das mache sich bemerkbar.

www.welpenvermittlung-hunde.at

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