Die Bank lädt zur Rast bei der steinreichen Feldaist

© Josef Leitner

Chronik Oberösterreich
09/23/2018

Durch das „Eiserne“ Thurytal

Freistadt. Der Teufel schleuderte Steine in den Oberlauf der Feldaist – Aus Mühlen wurden Hammerwerke

Bei einem Besuch in Freistadt lassen sich mittelalterliche Kultur und Naturerlebnis bestens verbinden. Als Industriedenkmal und landschaftliches Idyll in Stadtnähe präsentiert sich das Thurytal. Seit etwa 150 Jahren trägt der Oberlauf der Feldaist diesen Namen. Der einst mächtige Hammerwerksbesitzer Josef Thury stammte aus dem Waldviertel und nutzte die Kraft des Wassers der Feldaist zum Betrieb von drei Eisenhämmern.

Wir folgen auf der herbstlichen Wanderung vom Böhmertor am nördlichen Ende der Altstadt dem Wegweiser „Thurytal“. Das nach Norden weisende Tor erinnert an alte Zeiten. Der vor dem Tor liegende Frauenteich hat sich dagegen völlig verändert. Klaus Elmecker ist Kulturstadtrat in Freistadt und erinnert sich: „Wer jetzt in den idyllischen Teich blickt, kann sich kaum vorstellen, dass dieser vor wenigen Jahrzehnten noch fast doppelt so groß war. Er wurde mit Parkplätzen und Geschäften zugebaut.“

Heute tummeln sich Enten im Wasser. Im Winter werden wieder, wenn das Wetter mitspielt, die Eisschützen mit vollem Einsatz ihre Birnstöcke zu den „Dauben“ gleiten lassen und sich als Sieger über ein gewonnenes Bratl freuen. Wir folgen dem Wegweiser Thurytal. Die Straßennamen Schmid-, Seiler- und Hafnergasse erinnern an die im Mittelalter außerhalb der Stadtmauern angesiedelten Handwerker. Sie verursachten entweder zu viel Lärm und Gestank oder hantierten mit Feuer. Daher durften sie nicht innerhalb der Altstadt tätig sein. Immer entlang der munter fließenden Feldaist gehend erreichen wir rasch das erste der drei ehemaligen Hammerwerke. Ein Kaufmann aus dem Allgäu hatte es im Jahr 1530 als Mühle gekauft und in ein Eisenwerk umfunktioniert, bevor es in den Besitz von kam. Bis vor fast 30 Jahren erklangen hier noch die Hämmer. Wir erreichen den zweiten Thuryhammer. Hier endete bereits im 19. Jahrhundert die Produktion. Vorher wurden die hier erzeugten Sensen, Türbeschläge, Nägel und Eisentüren bis nach Krakau und Triest verkauft. Idealistische Restauratoren haben die gänzlich verfallende Anlage liebevoll wieder instandgesetzt. Alles sieht so aus, als ob die Wasserräder jederzeit wieder ihre Arbeit aufnehmen könnten.

Eine Bank an der Feldaist lädt ein, die vielfältigen fantastischen Steinformationen im Wasser zu betrachten. Viele Sagen entstanden darüber. Vom Teufel persönlich sollen die Steine stammen. Dieser war verärgert, dass direkt auf der Granitplatte, unter der sich sein Reich befand, die Stadt Freistadt errichtet wurde. Voller Wut holte er aus der Tiefe seines Reiches die größten Steine, die er finden konnte, um sie auf die Stadt zu werfen. Da läuteten die Kirchenglocken von Freistadt. Seine Kraft war damit gebannt und er schleuderte seine Munition voller Wut ins Wasser. Dort liegen sie noch heute.

Die Bank lädt zur Rast bei der steinreichen Feldaist

Schließlich erreichen wir die Ortschaft Vierzehn. Experten glauben, dass sich der markante Ortsname nicht auf die Zahl 14 bezieht, sondern daran erinnert, dass in früherer Zeit Pferde die Fuhrwerke auf der bergaufführenden Straße „für-ziehen“ mussten.

Hier wechseln wir auf den Wanderweg Fr4, der uns in der gemütlichen Zwei-Stunden-Runde wieder nach Freistadt zurückführt. Beim Aussichtspunkt Freistadt-Blick betrachten wir die in einer Senke liegende Ansiedlung. Kaum zu glauben, dass diese vor 300 Millionen Jahren von 5000 Meter hohen Bergen umgeben war. Über die folgenden Jahrmillionen haben diese an Höhe verloren und sanftere Formen angenommen.

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessanten Plätze der Kultur und Natur

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