Do the Lindy Hop - zum Beispiel am Salonschiff Fräulein Florentine in Linz

© Gregor Kraftschik

Chronik Oberösterreich
08/18/2019

Doobidoo da – Zeitreise in die legendäre Swing-Ära

Die Musik, die Outfits, der Tanzstil: Immer mehr Menschen versuchen sich an Lindy Hop und Co. – und haben viel Spaß dabei!

von Claudia Stelzel-Pröll

Sie haben die Haare schön, die Kleider erzählen Geschichten und die Beine auf dem Parkett auch: Die Begeisterung für das Swingtanzen wird immer größer, in mehreren Städten in Oberösterreich gibt es regelmäßige Treffen und Events. In Linz ist die Swingzentrale das Salonschiff Fräulein Florentine, das am Urfahrmarktgelände an der Donaulände vor Anker liegt.

Macht glücklich

„Beim Swingtanzen kommt die gute Laune von alleine, man wird einfach sehr schnell sehr glücklich“, weiß Doris Bauer. Die Psychologin hat bei Null begonnen, sich ihr Wissen in Tanzkursen angeeignet und unterrichtet mittlerweile selbst. Am USI (Universitätssportinstitut) in Linz starten im Herbst wieder die Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene.

Wer reinschnuppern mag, schaut am besten an einem Sonntag seiner Wahl auf dem Salonschiff vorbei. Da gibt es regelmäßig Tanzabende, manchmal auch mit einer Einführung für alle Neulinge (alle Infos und Termine auf www.tanzkommune.net).

„Beim Swingtanzen gibt es keine Fehler, sondern nur Variationen.“ So charmant bringt Gregor Kraftschik die Sache auf den Punkt, denn „es geht um die Freude am Tanzen, darum, voneinander zu lernen und sich selbst auszudrücken.“ Auch Improvisation spiele eine große Rolle. „Wenn man die Basics beherrscht, hat man viel Freiheit, neue Dinge auszuprobieren.“

Die eingängige Musik, die teils spektakulären Outfits, die Bekannt- und Freundschaften, die sich entwickeln – auch für die 25-jährige Kirsi Ecker ist das Gesamtpaket Swing überzeugend. Deswegen packt die Grafikerin aus Linz auch immer wieder ihren Koffer und verreist zu Tanztreffen in aller Welt, demnächst etwa nach Neuseeland. Auch in Israel und Island hat die Linzerin schon das Tanzbein geschwungen: „Bei dieser Musik kann ich einfach nicht still sitzen.“

Macht nostalgisch

So oder so ähnlich ging es auch Bernhard Graf. Er gilt als einer der Mitbegründer der Linzer Swinggruppe: Von der veralteten Boogie Woogie-Szene kam der Techniker über Umwege zum Lindy Hop: „Ich bin ein nostalgischer Mensch und bei diesem Tanzstil kann ich meinen eigenen Stil perfekt ausleben. Außerdem ist das Swingtanzen eine echte Entschleunigung im oft stressigen Alltag.“

Berührungsängste sollte man beim Swingtanzen keine haben, „man lernt dabei, sich auf verschiedene Charaktere einzustellen“, sagt Graf. Hinkommen, Menschen treffen und das Tanzbein schwingen – do that Swing!

Gute-Laune-Musik - gerne auch aus Österreich

Ella Fitzgerald, Dean Martin, Frank Sinatra – es sind die ganz Großen, die den musikalischen Unterbau für die Treffen der Swing-Begeisterten in aller Welt liefern. Aber nicht nur: Mittlerweile gibt es auch junge Bands, die sich dem Swing in seinen vielen Facetten verschrieben haben. Auf dem Linzer Salonschiff Fräulein Florentine gastieren etwa immer wieder Studierende der Anton-Bruckneruni und holen sich hier erste Live-Skills.
Parov Stelar wurde mit Elektroswing berühmt und in Österreich macht Marina Zettl mit ihrer Band „Marina & The Kats“ immer mehr Menschen Freude mit ihrer Musik, die stark an den Sound der 1930er erinnert. Ihre Konzerte sind schon lange keine Geheimtipp mehr und das aktuelle Album „Swingsalabim“ ist tanzbar wie nie.

Savoy Ballroom: Wo zumindest beim Tanzen die Hautfarbe egal war

Vom Savoy Ballroom in Harlem, New York, strahlte die Swingmusik aus in die ganze Welt. Der legendäre Tanzclub wurde 1926 eröffnet und war der erste Tanzsaal, in dem sich Menschen unterschiedlicher Hautfarben ohne Rassenkonflikte zum Tanzen treffen konnten. 4000 Gäste pro Nacht waren keine Seltenheit. Der Savoy Ballroom existierte bis 1958.
Swing, das ist die populärste Richtung des Jazz der 1920er bis 1950er Jahre – und hat selbst  etliche Unterarten. Inzwischen ist Swing  ein Sammelbegriff für alle Swingtanzformen geworden, und zwar sowohl der Tänze der Swingmusik-Ära (Shag, Balboa, Lindy Hop, Charleston, usw.) als auch  moderner Weiterentwicklungen. Nach Europa kam der Swing mit den  amerikanischen Soldaten während und nach dem Zweiten Weltkrieg, wo er sich im Laufe der 1950er zum Jive, Boogie Woogie und Rock’n’Roll entwickelte.