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Chronik Oberösterreich
12/20/2020

Digitaler Stress kann krank machen

Handy, Tablet und Co. im Dauereinsatz? Experte Riedl erklärt, warum das Körper und Geist schadet

von Claudia Stelzel-Pröll

Morgens geht der erste Blick zum Handy. Sind schon WhatsApp-Nachrichten, Mails oder Insta-News eingetrudelt? Unter der Dusche piepst das Handy wie verrückt. Wer da wohl ganz dringend etwas braucht? Fertig mit Frühstück und schnell an den Laptop. Kurze Arbeitspause vor dem Tablet mit Rückentraining. Und so weiter und so fort.

„Unter digitalem Stress versteht man eine Stressform, die durch die Nutzung digitaler Medien ausgelöst wird“, erklärt René Riedl. Er ist Professor für Digital Business und Innovation an der FH Oberösterreich, Universitätsprofessor am Institut für Wirtschaftsinformatik der Johannes Kepler Universität Linz und Buchautor zum Thema.

Messbar

„Da geht es nicht nur um ein subjektives Empfinden, dieser digitale Stress hat neurobiologische Komponenten und ist messbar, etwa mit einem Anstieg der Herzschlagrate, einem höheren Blutdruck oder leichtem Schwitzen.“ Die Gesamtbilanz aller zur Verfügung stehender Studien zeige, dass Jüngere stärker von digitalem Stress betroffen seien, „,weil sie digitale Medien länger und intensiver nutzen.“ Abgesehen von psychischen und physischen Konsequenzen sei das Suchtpotenzial enorm, warnt der Experte. „Diese fear of missing out, diese Angst, etwas zu verpassen, konditioniert uns dazu, die Abstände, wie oft wir Medien nutzen, immer kürzer werden zu lassen.“

Und was sind die häufigsten Auswirkungen von digitalem Stress? „Eine emotionale Erschöpfung und es gibt nachgewiesen eine höhere Wahrscheinlichkeit für depressive Verstimmungen. Augenschäden und Schäden am Haltungs- und Bewegungsapparat sind natürlich auch häufig zu beobachten.“, erklärt der Uniprofessor die Datenlage. Und spricht noch einen weiteren Punkt an, nämlich die ökonomischen Probleme, die digitaler Stress in Unternehmen verursachen kann: „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit digitalem Stress haben erhöhte Fehlzeiten, eine niedrigere Arbeitsmotivation und sind nachgewiesen weniger produktiv als ihre Kollegen.“

Angry man holding crashed phone

Das hilft gegen digitalen Stress

„Digital Detox“, also das Reduzieren oder der komplette Verzicht auf digitale Medien ist derzeit hoch im Kurs. Viele versuchen das zum Beispiel während der Weihnachtsfeiertage. „Das ist vergleichbar mit einer radikalen Diät. Kurzfristig wird sich sicher ein Erfolg einstellen, langfristig wird sich dadurch aber nichts ändern“, sagt Digistress-Experte René Riedl.

Seine Tipps lauten so: „Zuerst gilt es, das Bewusstsein  zu schaffen, dass digitaler Stress vorliegt. Dann kann ich persönlich die Interaktionszeit herunterfahren, zumindest im privaten Bereich. Wer den ganzen Tag beruflich vor dem PC sitzt, sollte  in der Freizeit Social Media und Co. nur sehr eingeschränkt nutzen. Auch Entspannungstechniken helfen zur Stressreduktion, genauso wie Bewegung, gesunde Ernährung und Zeit in der Natur.“

Ein Hinweis für den Umgang mit eMails: „Das ist ein asynchrones Medium, man muss nicht auf jede Nachricht sofort antworten. Sinnvoll wäre es, sich drei Mal pro Tag eMail–Zeiten einzuteilen, dazwischen kann man  ungestört arbeiten“, so Riedl.

Buchtipp
„Digitaler Stress – wie er uns kaputt macht und was wir dagegen tun können“, von René Riedl, 2020, Lindeverlag, www.rene-riedl.at

Übersichtlich gegliedert, ist das Buch zwar mit wissenschaftlichen Daten und Fakten hinterlegt, aber trotzdem einfach und flüssig zu lesen. Also spannend für alle, die digitale Medien nutzen und deren Auswirkungen reflektieren wollen

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