Christa Murauer mit Lola, Matthias Murauer und Karin Tosch mit Jonathan (v.l.)

© Otto Reiter

Chronik Oberösterreich
12/04/2021

Die Gauchos aus dem Innviertel

Von zweien, die in Südamerika ihre Liebe zu Angusrindern entdeckten. Von Gerhard Marschall.

In Neuhofen nahe der Bezirksstadt Ried im Innkreis, in beschaulicher Abgeschiedenheit, grast einen Gutteil des Jahres über eine schwarz-braune Rinderherde auf der Weide. Matthias Murauer (39) und Karin Tosch (36) haben sich auf Angusrinder spezialisiert und nennen sich „Innviertler Gauchos“.

Angusherde in Argentinien

Hinter dem Namen verbirgt sich die originelle Vorgeschichte. Wann, wenn nicht jetzt, sagen sich die beiden nach abgeschlossener Ausbildung. Matthias hat nach der Fachschule für Landwirtschaft und Matura Grafikdesign studiert, Karin Lebensmitteltechnologie. Also durchstreifen sie sieben Monate lang Süd- und Nordamerika. Auf dem Weg von Chile nach Argentinien sehen sie eine frei laufende Angusherde. Sie halten an und bleiben eine Woche. Uspallata heißt der Ort. Es wird gegrillt. „Es war richtig gutes Fleisch, und die Rinder haben uns auf Anhieb gefallen“, erzählt Karin. „Da ist die Idee aufgetaucht, das daheim zu machen“, ergänzt Matthias.

Bauer in Aichet

Dass er einmal den Hof – Hausname Bauer in Aichet – übernehmen würde, stand fest. Nur die Betriebsform war nicht klar. Das intensive Haltungssystem bei herkömmlicher Rindermast entsprach nicht seiner Vorstellung von tiergerechter Landwirtschaft. Karin stammt aus der Nachbargemeinde Mehrnbach. Die beiden kennen sich seit Jugendzeiten, zusammengefunden haben sie in Wien. Mittlerweile haben sie zwei Kinder, Jonathan (5) und Lola (3). Anfang 2017 wurden die ersten Muttertiere gekauft. „Wir sind noch im Wachstum“, sagt Matthias. Das soll mit Bedacht geschehen. Zurzeit stehen 15 Kühe im Stall, jeweils im Winter erfolgt die Abkalbung. Mit Einsetzen der Vegetation im Frühjahr geht es hinaus auf die Weide. Dort bleibt die Herde bis Anfang November und ernährt sich fast ausschließlich von Gras. Heu muss nur wenig zugefüttert werden. Mit zehn Monaten werden die Jungtiere von der Mutter abgesetzt. Zurzeit sind es deren elf, Ochsen und Kalbinnen. Geschlachtet werden sie im Durchschnitt mit 24 Monaten, zwischen 700 und 800 Kilo bringen sie dann auf die Waage.

Geringere Fleischausbeute

„Die Fleischausbeute ist vor allem aufgrund der extensiven Haltung geringer als bei anderen Rassen“, sagt Tosch, „dafür hat man mehr Qualität.“ Die Marmorierung sorgt für Aroma. Das Fleisch reift sechs Wochen in der Kühlung. „Aqua Aging“ macht das zarte Fleisch noch zarter und geschmackvoller. Vermarktet wird ausschließlich ab Hof, ein moderner Verkaufsraum wurde soeben im ehemaligen Stalltrakt fertiggestellt. Die Kunden werden benachrichtigt, sobald es neue Ware gibt.

Vorbestellung

Demnächst ist es wieder so weit. Bestellt werden kann per Mail bauerinaichet@gmail.com oder via Homepage www.innviertler-gauchos.at. Die Palette umfasst alles vom Rind, reicht von diversen Steaks bis hin zum Faschierten. Was sich portionieren lässt, etwa Schnitzel oder Gulaschfleisch, gibt es in Pfandgläsern.

Alles wird verwertet

Christa Murauer unterstützt Sohn Matthias und Karin nach Kräften. Die beiden stellen an ihre Arbeit hohe Ansprüche. Nachhaltigkeit und Klimaneutralität sind zwei Prinzipien. Die Balance zwischen Fläche und Tierbestand soll ausgewogen bleiben, um die innerbetriebliche Wertschöpfungskette aufrecht zu erhalten. Gut ein Drittel der insgesamt 30 Hektar ist Weideland, auf dem Rest werden Heu und Silage für die Winterfütterung, Getreide für die Schweine und Stroh als Einstreu geerntet. „An erster Stelle steht das Tierwohl“, betont Karin. Neuerdings darf auf dem Hof stressfrei geschlachtet werden. Nahezu alles wird verwertet. Organe und Kutteln gehen an Hundebesitzer, aus den Knochen wird Rinderfond, aus dem Fett Kerzenwachs, die Haut geht zum Gerber. Für die weitere Verarbeitung von Fell und Leder gibt es Pläne. Es gehe um Wertschätzung, sagt Karin: „Das Tier wurde bei uns auf dem Hof geboren und ist für uns gestorben, deshalb wollen wir nichts davon wegwerfen.“

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