Chronik | Oberösterreich
19.08.2018

Die Chlorella-Algen heilen den Darm

Ernährung. Algen gelten als das Nahrungsmittel der Zukunft

Was halten Sie eigentlich von Algen? Als Adria-UrlauberIn wahrscheinlich wenig. Ebenso als Erfrischungsuchende/r im oberösterreichischen Zentralraum. Falls Sie jedoch bekennender Algen-Fan sind: Die deutsche Gesellschaft für Botanik wählt jedes Jahr die Alge des Jahres. Spaß beiseite, man unterscheidet zwischen Meeres- und Süßwasseralgen. Sie bevölkern aber auch andere Lebensräume wie Felsen, Böden oder sogar Schnee.

Ernährungsmedizinisch interessant sind eher die Wasseralgen. Meine persönliche Alge des Jahres ist die Chlorella-Alge. Sie ist eine Süßwasseralge, die in der Naturmedizin immer häufiger eingesetzt wird. Ursprünglich wurde sie vor allem zur Schwermetallausleitung eingesetzt, zum Beispiel von Amalgam, der Substanz der früher verwendeten Zahnplomben. Ihr Einsatzgebiet hat sich jedoch ständig erweitert. Ich nütze sie häufig zur Behandlung des sogenannten Leaky-Gut-Syndroms. Dieses ist sehr weit verbreitet, wird oft nicht erkannt und beschert den Betroffenen eine lange Leidensdauer.

Auch hier bewege ich mich zugegebenermaßen auf den Spuren der Alternativmedizin. Doch suchen mich viele PatientInnen mit Darmbeschwerden auf, die schon einige Darmspiegelungen, zig andere Untersuchungen und mehrere Antibiotikakuren hinter sich gebracht und nie eine Ursache für ihre Beschwerden gefunden haben. Blähungen, Verstopfung oder wiederkehrende Durchfälle schränken die Lebensqualität definitiv ein. Beim Leaky-Gut-Syndom oder dem „undichten Darm“ entstehen in der Darmschleimhaut Lücken, welche auch Keime durch die geschädigte Barriere durchtreten lassen. Andererseits sind unsere Abwehrsysteme in permanenter Alarmbereitschaft und werden sogar überempfindlich. Das Ergebnis zeigt sich in einem heillosen Durcheinander – den oben erwähnten Beschwerden. Mit Chlorella-Algen – und einigen „guten“ Darmbakterien, sprich Probiotika – kann man das System wieder beruhigen.

Ich vergleiche das Ganze immer mit einer Heilsalbe, die man auf äußerliche Schürfwunden schmiert. Sie finden das befremdlich? Kein Wunder, die Kultur, Algen als Nahrungsmittel zu verwenden, stammt auch aus Südostasien. Die Rotalgenzucht stellt in Japan einen stark wachsenden Wirtschaftszweig dar. Algen gelten als Lebensmittel der Zukunft, wenn wir die Meere leergefischt und andere Rohstoffe fertig gerodet haben. Auf einhundert Gramm liefern sie fünfunddreißig Kilokalorien und mehr als neunzig Gramm Wasser, die enthaltenen Kohlehydrate und Eiweißstoffe sind allerdings äußerst schwierig aufzuspalten. Vorsicht ist außerdem geboten für Personen mit einer Schilddrüsenüberfunktion aufgrund des hohen Iod-Gehaltes.

Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell

Nori-Algen

Wir müssen uns also noch etwas Besseres überlegen, als auf Algen als Grundnahrungsmittel umzusteigen. Im Maßen genossen werden unsere europäischen Gaumen aber sicherlich durch die Algen bereichert. Vor allem die Nori-Algen, die für Sushi verwendet werden, sind bestimmt den meisten ein Begriff. Agar-Agar, das als Gelier- und Bindemittel verwendet wird, besteht aus Braunalgen. Marmelade, Gelees und Ähnliches lassen sich dadurch mit viel weniger oder gar keinem Zucker herstellen. Und auch die Cellulose, welche viele Medikamente umhüllt, wird aus Algen produziert. Sie sehen, auch wenn Sie die japanische Küche verweigern, kommen Ihnen Algen unter – nicht nur in überwärmten Gewässern!

Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell