Chronik | Oberösterreich
16.04.2014

Der Linzer FPÖ-Rechtsaußen und seine exotischen "Freunde"

Stadtrat Detlef Wimmer freut sich über 2000 Facebook-Fans. IT-Experte schließt Zukäufe nicht aus.

Der Linzer FP-Stadtrat Detlef Wimmer hat kürzlich eine Jubelaussendung verschickt, in der er verlautbarte, dass seine Facebook-Fanpage schon mehr als 2000 "Likes" habe.

Stolz erklärte er, damit bundesweit auf Platz 47 aller österreichischen Politiker zu liegen. Einen kleinen Seitenhieb auf seine Kollegen im Stadtsenat konnte er sich auch nicht verkneifen – deren Facebook-Präsenz sei eher überschaubar, betonte Wimmer: "Bürgermeister Klaus Luger hat 522 Zuspruchserklärungen. Auch die übrigen Stadtsenatsmitglieder liegen unter 1000 Likes oder haben gar keine eigene Politiker-Seite." Sein Resümee: Social-Media-Präsenz sei eben kein Selbstläufer, sondern das Produkt konsequenter Arbeit.

Neugierig geworden, unterzog der Linzer Datenforensiker und Polizist Uwe Sailer die "Fanpage" einer näheren Betrachtung und erschrak: "Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich gesehen hab’, dass auch ich als Wimmer-Fan angeführt werde." Sailer, der mit dem freiheitlichen Politiker schon in der Vergangenheit in Konflikt geraten war, betont, ihn keinesfalls "geliked" zu haben. "So etwa käme mir nie in den Sinn, das kann ich definitiv ausschließen." Er überlegt nun eine Klage gegen den Stadtrat: "Dass er mich als Bewunderer anführt, ist fast schon ehrenrührig und kreditschädigend."

Dem Datenforensiker fiel außerdem auf, dass unter den Wimmer-Fans rund 100 weitere Profile von Personen sind, von denen er zu wissen glaubt, dass sie den Stadtrat niemals "liken" würden. Misstrauisch macht ihn auch, dass Leute mit Namen wie Oka Luphkeisya aus Jimbaran (Bali), Karimullah Danish Afghan aus Doaba (Pakistan) oder Tarek Aouni Ovieiu Bosoanca aus Algerien Fans des Rechtsaußen-Politikers sein sollen. "Ich glaube, dass die Likes massiv gepusht wurden. Und der Verdacht drängt sich auf, dass Zukäufe stattfanden", sagt Sailer. Auf die Weise könne Wimmer Beliebtheit, Akzeptanz und Wichtigkeit vortäuschen: "Doch das ist eine Form des sozialen Betrugs."

Ehrenrührig

Der Stadtrat kann sich im KURIER-Gespräch nicht erklären, warum Sailer auf der Fanpage angeführt ist: "Vielleicht kann er sich nur nicht mehr daran erinnern, dass er mich geliked hat." Den Verdacht, Fan-Profile zugekauft zu haben, weist Wimmer entschieden von sich: "Mit derart ehrenrührigen Manipulationen will ich nicht in Zusammenhang gebracht werden." Es sei aber nicht auszuschließen, dass Facebook ein Programmfehler unterlaufen sei.