Chronik | Oberösterreich
19.01.2013

Der finale Countdown für die modernste Oper Europas läuft

Am 11. April ist die Eröffnung. Der kaufmännische Direktor führt durchs Haus.

Noch mehr Kabel?“, fragt Thomas Königstorfer die Arbeiter im neuen Linzer Musiktheater scherzhaft, die gerade die letzten der unzähligen Drähte verlegen. Die Vorfreude auf die Eröffnung am 11. April ist dem kaufmännischen Direktor, der im feinen Zwirn und mit raschem Schritt durch das riesige Gebäude am Volksgarten marschiert, ins Gesicht geschrieben. „Es ist schön, wenn man merkt, wie die Arbeiten nach sechs Jahren in die Endphase gehen.“ Ein so ein prägender Moment sei gewesen, als er das Musical-Ensemble erstmals auf der Bühne durch die modernen Lautsprecher singen hörte.

Bei Königstorfers Rundgang herrscht schon ein reges Treiben. Auf der Bühne stimmen sich die Musiker auf die Aufführungen im großen Saal, der Platz für an die 1000 Besucher bietet, ein und proben Stücke aus dem Musical „Die Hexen von Eastwick“. Im Hintergrund stehen auf der großen Drehbühne mit 32 Metern Durchmesser Wände aus spiegelnden Metallplatten für die Proben des Rosenkavaliers.

Auch für die Technik geht es in die finale Phase. „Derzeit werden alle Anlagen einjustiert. Das klingt so banal. Aber Bühnen- und Haustechnik machen die Hälfte der Investitionskosten aus.“ Immer wieder fiel in den vergangenen Monaten aus verschiedensten Mündern die Bezeichnung „die modernste Oper Europas“ . Was daran so modern ist? „Wir haben bereits in den Planungsphasen mit 3-D-Modellen gearbeitet. Das machte es möglich, dass jeder Sitzplatz so ausgerichtet ist, dass jeder Besucher den besten Blick auf die Bühne erhält.“ Und an der Decke hängt kein Luster „so wie beim Phantom der Oper“, sondern ein Ring mit 24.000 LED-Leuchten.

Bequem

Nicht zu vergessen natürlich die roten, breiten Sesseln. Anders als im alten Haus an der Promenade werden die Knie großer Besucher nicht malträtiert, weil sie nicht mehr damit an die vorderen Sitzreihen anstoßen. „Der Abstand der Sitzreihen von 105 Zentimetern ist einzigartig“, preist der kaufmännische Direktor, der täglich außer Sonntag vorbeischaut, die Vorzüge des neuen Saals.

Doch nicht nur hier wird es Aufführungen geben. Neben der wie ein alternativer Musikclub wirkenden BlackBox Lounge im Keller, wo bald hauptsächlich avantgardistische Stücke für jüngeres Publikum am Programm stehen, wird auch das große, helle Foyer umfunktioniert. „Es ist viel zu schade, wenn sich die Besucher nur vor der Vorstellung und während der Pausen hier aufhalten.“
Hier sollen unter anderem Kinderopern das kleine Publikum begeistern. „In dem Haus wird es nicht nur Opern geben, sondern auch Modeschauen oder einen Ball“, antwortet Königstorfer auf die Frage, was er von einem Linzer Opernball hält.

Fotos von Picturenews.at

Man lässt es ordentlich krachen

Nichts weniger, als es krachen zu lassen, versprach vor kurzem der Intendant des Linzer Landestheaters, Rainer Mennicken, für die Eröffnung des Hauses am Linzer Volksgarten. Mit einem Paukenschlag beginnt am 11. April der Feierreigen. Die katalanische Gruppe Fura dels Baus trumpft mit einem Open-Air-Spektakel vor dem Musiktheater mit Richard Wagners „Parzifal“ groß auf.
Einen Tag später feiert die Oper „Spuren der Verirrten“ von Philip Glass nach dem gleichnamigen Stück von Peter Handke im Inneren des Hauses Premiere.
Am 13. April steht die Erstaufführung des Musicals „Die Hexen von Eastwick“ am Programm. Einen Tag später lädt das Musiktheater zum Tag der offenen Tür. Außerdem präsentiert sich das Musicalensemble mit „Seven in Heaven“ und das Ballett „Campo Amor“ wird wieder aufgenommen.

Am 15. April folgt die Wiederaufnahme von Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“, am 23. tobt Offenbachs „Pariser Leben“ auf der neuen Bühne. Am 21. April heißt es in der BlackBox „Max’n Morizz feat. Texta“. Die Linzer Hip-Hop-Pioniere Texta gehen hier ganz frei Wilhelm Buschs Geschichte nach. Am 1. Mai feiert die Oper für Menschen ab fünf Jahren „Lynx, der Luchs“ von Helmut Schmidinger auf der Foyer-Bühne Premiere.