Katharina und Gernot Schmickl vor ihrem Container

© Schmickl

Chronik Oberösterreich
03/14/2021

Damit niemand weit wegmuss zum Einkaufen

Regional, saisonal und innovativ – mehrere Projekte in OÖ zeigen, wie Nahversorgung am Land funktionieren kann.

von Claudia Stelzel-Pröll

Die Produkte sind eingeschlichtet, die Waren im System registriert, die Arbeit der vergangenen Wochen wird ab sofort auf die Probe gestellt. Gestern, Samstag, eröffnete in Stritzing im Hausruckviertel der erste KastlGreissler in Oberösterreich. Das Konzept wurde durch die TV-Show „2 Minuten 2 Millionen“ bekannt, 2020 wurde das Unternehmen gegründet, seitdem wird ordentlich expandiert.

Vielfalt der Region

Der Hintergedanke: Auch jene Regionen mit Produkten zu versorgen, die kein Geschäft in der Nähe haben. Dafür wird ein Container aufgebaut und befüllt, den die jeweiligen Greissler als Franchisenehmer führen. Im Fall von Oberösterreich handelt es sich um Katharina und Gernot Schmickl. Die junge Familie betreibt selbst einen Bauernhof in Wallern. „Für mich ist der KastlGreissler eine Möglichkeit, die Vielfalt unserer Region zu zeigen“, sagt Katharina Schmickl, die vor acht Wochen Mama geworden ist.

„Außerdem kann ich unsere eigenen Produkte, Popcornmais, Kürbiskernöl und Pesto, vermarkten. Ich wollte schon immer selbstständig sein. Deswegen hab ich mich für den KastlGreissler entschieden.“ Derzeit stammen 60 Prozent der angebotenen Waren aus der Region, Ziel seien aber 80 Prozent.

Und wie funktioniert das System konkret? Der Container hat sieben Tage die Woche geöffnet (Mo. bis Sa. 6 bis 20 Uhr, So. 6 bis 18 Uhr), er ist videoüberwacht. Wer seinen Einkauf beisammen hat, scannt die Produkte an der Kassa ein und zahlt mit Bankomat oder bar. Das Prinzip fußt trotz Kamera auf der Ehrlichkeit der Kundinnen und Kunden.

Eine Ergänzung

„Wir sind keine Konkurrenz zu Supermärkten, sondern eine Ergänzung. Wir bieten viel mehr Regionalität, dafür können wir nicht die Vielfalt verkaufen, die es bei den Ketten gibt“, erklärt Katharina Schmickl. 15 Quadratmeter ist der Container groß, rund 450 Produkte finden darin Platz: „Da ist alles dabei, was man für den Alltag braucht“, ist die 29-Jährige überzeugt. Wenn es läuft, sich Kind und Container gut unter einen Hut bringen lassen, dann soll es weitergehen, sagt Schmickl: „Ja, wir können uns vorstellen, noch weitere KastlGreissler in unserer Umgebung zu betreiben.“

Mini-Markt mit großer Wirkung

Wesenufer. Wo früher Bier gebraut wurde, geht es jetzt ans Einkaufen. Als das Seminarhotel in Wesenufer eröffnet wurde, wurde das  Sudhaus zum Mini-Markt umfunktioniert.  Betrieben werden sowohl Hotel als auch Geschäft von pro mente OÖ, sprich es arbeiten auch Menschen mit speziellen Bedürfnissen unter Anleitung vor Ort. Ziel sei es, so  Claudia Pauzenberger von pro mente OÖ, die Klientinnen und Klienten durch die Mitarbeit im Geschäft  wieder auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten.

„Für alle, die nicht mehr mobil sind oder zum Einkaufen im Ort bleiben wollen, ist unser Markt Nahversorger und Treffpunkt zugleich“, erklärt  Pauzenberger. Angeboten werden Produkte des täglichen Bedarfs, wenn möglich aus der Region, sowie kleine Geschenke. Viele Radfahrer, die am Donauradweg unterwegs sind,  holen sich im Mini-Markt eine Stärkung.

Stefansplatzerl als Vorzeigeprojekt

St. Stefan/Walde. Wenn sich eine Gemeinschaft zusammentut, kann sie Großes schaffen. Im Falle von St. Stefan am Walde zum Beispiel eine Bürgergenossenschaft gründen, damit ein Gebäude kaufen, revitalisieren und als Nahversorger, Kaffee- und Wirtshaus wieder eröffnen. Stefansplatzerl nennt sich das Vorzeigeprojekt, das im Zuge eines Agenda 21-Prozesses mit breiter Bürgerbeteiligung und Unterstützung von Ortschef Alfred Mayr entstanden ist. Im Sommer 2020 wurde eröffnet, 330 Mitglieder hat die Genossenschaft, „jedem gehört ein kleines Stückerl des Ganzen“, bringt es Karl Lehner, Obmann der Genossenschaft, auf den Punkt. Betreiber sind die Artegra Werkstätten in Altenfelden, die für Menschen mit Beeinträchtigung Arbeitsplätze schaffen – auch im Stefansplatzerl.

Der Nahversorger hat alles, was es für den Alltag braucht. Wer eine spezielle Kundenkarte hat, kann zu verlängerten Öffnungszeiten in Selbstbedienung einkaufen. Nun hofft man, dass auch Kaffee- und Wirtshaus mit dem voll ausgestatteten Veranstaltungssaal bald wieder öffnen dürfen, „denn ich bin optimistisch, dass sich das Stefansplatzerl sehr gut positiv führen lässt“, sagt Karl Lehner.

Vier Geschäfte sichern das Alltagsleben in den Orten

Lebenshilfe. Was vor fünf Jahren mit einem Laden in St. Florian begann, fand seine Fortsetzung in Lengau, Vichtenstein und Lohnsdorf. Und kein Ende in Sicht. Die Lebenshilfe betreibt die Geschäfte in Orten, die sonst keinen Nahversorger hätten, und beschäftigt gleichzeitig Menschen mit Beeinträchtigung. Verkauft wird alles, was man für das tägliche Leben braucht, viele Bauern aus der Umgebung sind Direktvermarkter. „Bei uns wird jeder Kunde persönlich beraten. Je nach Größe gibt es bei den Läden auch ein kleines Café, das als Treffpunkt dient“, erklärt Sabrina Kainrad von der Lebenshilfe OÖ.

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