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Chronik Oberösterreich
01/24/2021

CBD ist in aller Munde: Hype oder Heilmittel?

CBD aus der Cannabis-Pflanze hilft vielen Menschen. Suchtmediziner attestiert „weder Nutzen noch Schaden“

von Claudia Stelzel-Pröll

Die Berichte in den sozialen Netzwerken, aber auch persönlicher Natur sind vielfältig: Schlafstörungen, Schmerzen, Parkinson, Menstruationsbeschwerden, Stimmungsschwanken, Stress – unzählige Menschen schwören mittlerweile auf die Wirkung der legalen CBD-Tropfen. Onlineshops, die CBD in unterschiedlichster Form vertreiben, schießen aus den Weiten des Internets. Umso schwieriger für Interessierte, den Überblick zu bewahren.

Kein Suchtpotenzial

„Die gute Nachricht ist: Es kann nichts passieren. Man kann CBD in der gängig erhältlichen Form nicht überdosieren, man wird nicht abhängig, es gibt keine Nebenwirkungen. Ich habe diesbezüglich also wirklich gar nichts gegen CBD-Öle oder -Tropfen einzuwenden“, sagt Kurosch Yazdi, Leiter der Klinik für Psychiatrie am Neuromed Campus in Linz, Experte und Autor zu Suchtmittel-Themen. „Es existiert nur keine einzige wissenschaftliche Studie, die nachweislich eine Wirkung des CBD-Öls beweist. Außer im hoch dosierten Bereich, wo es derzeit ein einziges zugelassenes Medikament gegen kindliche Epilepsie gibt.“

Diesen subjektiven Eindruck, dass das CBD bei welchen Problemen auch immer helfe, wolle er aber niemandem absprechen: „Wenn jemand zu Gott betet und es hilft ihm, ist das für mich ein ähnliches Phänomen. Bei Cannabis muss man nur wissen, dass eine riesige Lobby dahintersteckt. In den vergangenen zehn Jahren ist in Amerika nicht mal die Pornoindustrie so stark gewachsen wie die Hanfindustrie.“

Vom Industriebetrieb sind Tobias Pucher und Christoph Brückl, die „Krautbuam“, weit entfernt. Seit zwei Jahren bauen sie auf einem Feld in der Nähe von Linz Hanf an, decken vom Samen bis zu den Endprodukten die gesamte Fertigungskette ab: „Die Faszination dafür, was diese Pflanze kann, ist bei uns schon lange da. Wir sind vom großen Nutzen für die Gesellschaft zutiefst überzeugt“, sagt Christoph Brückl. Er selber sei als aktiver Capoeira-Sportler nach einer schweren Schulterverletzung unverhältnismäßig schnell wieder fit geworden: „An einer ähnlichen Verletzung habe ich ohne Einsatz von CBD fast ein Jahr lang laboriert.“

Auch Brückl sagt: „Es ist kein Wundermittel, aber es hat schon sehr vielen Menschen in den unterschiedlichsten Situationen geholfen, hat bei vielen die Lebensqualität verbessert. Es muss noch viel mehr Forschung auf diesem Gebiet betrieben werden. Und es muss noch viel mehr Studien dazu geben.“ Sinnvoll wäre die Zulassung als Arzneimittel, damit Menschen auch entsprechend beraten werden können, meint er. Angebaut werden auf dem Feld der „Krautbuam“ nur EU-zertifizierte Sorten, bei denen der erlaubte THC-Wert nie überschritten wird. „Wir bewegen uns auf komplett legalem Boden.“

Individuelle Freiheit

„Der CBD-Hype hält schon länger an als andere Hypes. Davor war es das Vitamin D, davor Vitamin E, davor Magnesium und Aloe vera. Der Unterschied zu all den anderen genannten Dingen ist die Philosophie, die Cannabis transportiert, nämlich: Meine individuelle Freiheit, zu konsumieren, was ich möchte, lasse ich mir nicht nehmen. Das ist bei CBD ja noch unbedenklich. Bedenklich wird es nur, wenn es in Richtung Legalisierung von THC geht“, sagt Kurosch Yazdi, der sich in seinem aktuellen Buch „Die Cannabis-Lüge. Warum Marihuana verharmlost wird und wer daran verdient“ intensiv mit der Thematik auseinandersetzt.

Ob er selber schon CBD probiert habe, beantwortet der Mediziner nicht: „Bei der Antwort auf diese Frage kann ich nur verlieren. Sage ich Ja, beschweren sich die einen. Sage ich Nein, heißt es, der weiß nicht, wovon er redet.“

„Wie bei allen anderen Dingen, sind auch beim Thema CBD Transparenz, Aufklärung und Sachlichkeit ein absolutes Muss“, weiß Christoph Brückl, denn: „Jeder Körper reagiert unterschiedlich auf die Stoffe in der Cannabispflanze.“

"Verbraucher stehen auf der sicheren Seite"

Rechtslage. „Das Einzige, was in Österreich verboten ist, ist der bewusste Besitz von Dingen, die einen THC-Gehalt von 0,3 Prozent überschreiten. Alles andere ist für den Konsumenten erlaubt“, bringt es Lorenz Kirschner auf den Punkt. Der Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei in Wels ist neben Erb- und Strafrecht unter anderem  auf das Suchtmittelgesetz spezialisiert. „Es ist allerdings sehr wohl verboten, das CBD als Arznei- oder als Nahrungsmittel anzupreisen oder Hinweise auf die Dosierung oder auf die vielfältigen Anwendungsbereiche zu geben. Deswegen steht auf den meisten Verpackungen drauf: Nicht zum Verzehr geeignet“, erklärt Kirschner.

Und genau da hakt Monika Aichberger, Vize-Präsidentin der oö. Apothekerkammer, ein: „Ich wünsche mir umsetzbare, gesetzliche Rahmenbedingungen für dieses Thema. Ich denke, dass CBD bei uns Apothekerinnen und Apothekern gut aufgehoben wäre, weil wir auch die Qualität entsprechend prüfen können. Es muss geklärt werden, wer welche Präparate unter welchen Voraussetzungen empfehlen und abgeben darf. Ich hätte diese Verantwortlichkeit lieber bei uns Fachleuten als bei diversen CBD- und Onlineshops“. Prinzipiell gehe Aichberger davon aus, dass CBD ein Wirkstoff sei, von dem man in Zukunft viel hören werde. „Aktuell ist es aber ein  gehyptes Thema, zu dem es noch keine  gesicherten Daten gibt.“

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